Ukraine: Russland greift an Putins Geburtstag Energieziele an – viele Tote
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 11:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Russland hat die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen; dabei wurden nach ukrainischen Angaben viele Menschen getötet und Dutzende verletzt.
Tote und Verletzte in Pryluky
In Pryluky im Gebiet Tschernihiw starben mindestens neun Menschen, 38 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der Polizei wurde in der rund 120 Kilometer östlich von Kiew gelegenen Stadt ein fünfstöckiger Wohnblock getroffen. Unter den Trümmern wurden weitere Verschüttete vermutet.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als „Geburtstagsgeschenk für Putin“. Der russische Präsident wurde am Mittwoch 74 Jahre alt. Der Tag fiel zugleich mit dem 20. Todestag der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja zusammen, die 2006 in Moskau ermordet worden war.
Energieversorgung als Hauptziel
Nach Selenskyjs Darstellung zielten die russischen Angriffe vor allem auf die Energieinfrastruktur. Die Ukraine befürchtet, dass Russland wie in den vergangenen Wintern die Strom- und Wärmeversorgung beeinträchtigen will. Das russische Militär erklärte dagegen, Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenherstellers Fire Point in Kiew und anderen Städten angegriffen zu haben.
Viele Explosionen in Kiew
Die ukrainische Hauptstadt gehörte zu den Schwerpunkten des Angriffs. In den frühen Morgenstunden waren zahlreiche Explosionen zu hören. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete mindestens zwei Tote, die in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden worden seien.
Zwei weitere Menschen wurden dort lebend geborgen. Im Stadtbezirk Obolon wurden den Angaben zufolge gewerblich genutzte Gebäude getroffen, im Bezirk Podil Lagerhallen.
Angriffe auf weitere Städte
Selenskyj zufolge setzten die russischen Streitkräfte 70 ballistische Raketen und Marschflugkörper verschiedener Typen ein. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, 39 davon seien abgefangen worden. Auch Dnipro, Krementschuk und Saporischschja wurden demnach massiv beschossen; aus Olexandrija in der Zentralukraine wurden ebenfalls Tote gemeldet.
Selenskyj berichtete zugleich von ukrainischen Gegenangriffen auf russische Ölanlagen und andere Ziele in Perm, Samara und Astrachan. Er veröffentlichte außerdem ein Video eines Öltankers auf dem Schwarzen Meer vor Sotschi, der am Vortag in Brand geraten war.
Angriffe auf die Energieversorgung
Der Angriff fällt in eine Phase, in der die Ukraine erneut mit einer Verschärfung russischer Luftangriffe auf ihre Energieinfrastruktur rechnet. Besonders im Herbst und Winter zielen solche Attacken nicht nur auf militärische Einrichtungen, sondern auch auf Stromerzeugung, Netze und Verteilanlagen. Ausfälle können Haushalte, Krankenhäuser, Verkehr und die industrielle Produktion zugleich beeinträchtigen.
Die aktuelle Attacke zeigt die Breite des eingesetzten Arsenals: Ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen werden kombiniert, um die ukrainische Luftabwehr zu überlasten. Für die Bevölkerung bedeutet das, dass Warnungen auch in Regionen außerhalb der Front hohe Bedeutung behalten. In Kiew wurden nach dem Angriff zudem Stromabschaltungen zur Stabilisierung des Netzes angekündigt.
Belastung fĂĽr Zivilisten und Infrastruktur
Die Schäden treffen damit zentrale Lebensbereiche. Wohngebäude, Lagerhallen, Brücken und Industrieanlagen sind nicht nur Sachwerte, sondern Bestandteile der Versorgung und Beweglichkeit des Landes. Angriffe auf solche Ziele erhöhen den Reparaturbedarf und können regionale Engpässe verursachen, selbst wenn die Energieversorgung insgesamt aufrechterhalten wird.
Parallel greifen beide Seiten Ziele im Hinterland des Gegners an. Die Ukraine attackiert nach eigenen Angaben unter anderem russische Ölanlagen, während Russland den Druck auf ukrainische Städte und Versorgungsstrukturen erhöht. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, ob Kiew zusätzliche Luftverteidigung erhält und wie gut die Energieversorger Schäden vor der kalten Jahreszeit beheben können.
