Ukraine-Krieg, Russische Luftangriffe

Ukraine: Russland greift an Putins Geburtstag Energieziele und Wohnblock an

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 16:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Russland hat die Ukraine mit einem großangelegten kombinierten Angriff aus Raketen und Drohnen überzogen. Besonders schwer getroffen wurde Pryluky: Dort starben mindestens 16 Menschen, 55 weitere wurden verletzt.

In Pryluky wurde ein fünfstöckiges Wohnhaus getroffen. - Bild: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa
In Pryluky wurde ein fünfstöckiges Wohnhaus getroffen. - Bild: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

Russland hat die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen angegriffen; dabei wurden zahlreiche Menschen getötet und verletzt sowie schwere Schäden angerichtet.

Viele Tote und Verletzte in Pryluky

Allein in Pryluky im Gebiet Tschernihiw starben mindestens 16 Menschen, 55 weitere wurden verletzt. In der rund 120 Kilometer östlich von Kiew gelegenen Stadt traf der Angriff einen fünfstöckigen Wohnblock. Unter den Trümmern wurden weitere Verschüttete vermutet.

In Krementschuk wurden nach einem russischen Drohnenangriff 34 Verletzte gemeldet. In der zentralukrainischen Region Kirowohrad kamen bei einem Angriff auf einen nicht näher beschriebenen Betrieb zwei Menschen ums Leben, drei weitere wurden verletzt.

Selenskyj spricht von «Geburtstagsgeschenk»

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als «Geburtstagsgeschenk für Putin». Der russische Präsident wurde am Mittwoch 74 Jahre alt. Der Tag fiel zugleich mit dem 20. Todestag der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja zusammen, die 2006 in Moskau ermordet worden war.

Nach Darstellung Selenskyjs war die Energieinfrastruktur das Hauptziel. Die Ukraine befürchtet, Russland wolle wie in den vergangenen Wintern die Energieversorgung des Landes schwächen oder lahmlegen. Das russische Militär erklärte dagegen, Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenherstellers Fire Point in Kiew und anderen Städten angegriffen zu haben.

Kiew unter massivem Beschuss

Die ukrainische Hauptstadt gehörte zu den Schwerpunkten des Angriffs. In den frühen Morgenstunden waren zahlreiche Explosionen zu hören. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete zunächst mindestens zwei Tote in Darnyzja, die in den Trümmern von Garagen gefunden worden seien.

Im Stadtbezirk Obolon wurden Gebäude getroffen, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podil schlugen Geschosse in Lagerhallen ein. Die ukrainischen Behörden halten Angaben zu betroffenen Objekten aus Sicherheitsgründen teilweise bewusst vage.

70 Raketen nach Angaben Selenskyjs

Nach Angaben Selenskyjs setzten die russischen Streitkräfte 70 ballistische Raketen und Marschflugkörper verschiedener Typen ein. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, 39 davon abgefangen zu haben. Auch Dnipro und Saporischschja wurden demnach massiv beschossen; Tote wurden zudem aus Olexandrija in der Zentralukraine gemeldet.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Selenskyj berichtete außerdem von ukrainischen Gegenangriffen auf Ölanlagen und andere Ziele in den russischen Regionen Perm, Samara und Astrachan. Vor Sotschi geriet am Vortag ein Öltanker im Schwarzen Meer in Brand.

Der Winter als strategisches Ziel

Der Angriff fällt in eine Phase, in der die Ukraine erneut mit einer systematischen Belastungsprobe für Strom- und Wärmeversorgung rechnet. Nach Einschätzung des österreichischen Militärexperten Markus Reisner ist ein kombinierter Einsatz aus Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen geeignet, die ukrainische Luftabwehr zu überlasten. Die Energieinfrastruktur ist bereits erheblich beschädigt; zusätzliche Treffer auf Umspannwerke, Heizkraftwerke und Leitungen könnten im Winter Stromausfälle und Einschränkungen bei der Wärme- und Wasserversorgung verschärfen.

Angriffe auf Städte und Infrastruktur

Die Folgen reichen über einzelne Zielobjekte hinaus. Kiew wird durch den Dnipro geteilt, wichtige Brücken und Verkehrswege verbinden die beiden Stadthälften. Schäden an Brücken, Lagerhallen, Betrieben und Energieanlagen können deshalb zugleich den Personenverkehr, die Logistik und die Versorgung beeinträchtigen. Für die Bevölkerung bedeutet jeder größere Angriff längere Aufenthalte in Schutzräumen, Unterbrechungen des Alltags und ein erhöhtes Risiko für zivile Opfer.

Eskalation im gegenseitigen Luftkrieg

Parallel greift die Ukraine russische Energie- und Militärziele an. Das verstärkt den Charakter eines gegenseitigen Abnutzungskriegs, in dem beide Seiten versuchen, die gegnerische Infrastruktur und industrielle Basis zu schwächen. Für Europa bleibt besonders relevant, ob die Ukraine ihre Luftverteidigung und die Energieversorgung ausreichend stabilisieren kann. Neue Angriffe könnten Fluchtbewegungen innerhalb des Landes verstärken und den politischen Druck auf die Unterstützerstaaten erhöhen.

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