Ukraine-Krieg, Russland

Ukraine: Russland greift Kiew und Pryluky an – viele Tote am Geburtstag Putins

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 20:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Russland hat die Ukraine am Geburtstag von Kremlchef Wladimir Putin mit einem kombinierten Angriff aus Raketen und Drohnen überzogen. Präsident Selenskyj spricht von mindestens 25 Toten und mehr als 100 Verletzten, besonders schwer getroffen wurde ein Wohnblock in Pryluky.

In Pryluky wurde ein fünfstöckiges Wohnhaus getroffen. - Bild: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa
In Pryluky wurde ein fünfstöckiges Wohnhaus getroffen. - Bild: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

Russland hat die Ukraine am Mittwoch mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen angegriffen; Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Abend von mindestens 25 Toten und mehr als 100 Verletzten.

Wohnblock in Pryluky getroffen

In Pryluky wurden nach Selenskyjs Angaben mindestens 19 Menschen getötet und 55 weitere verletzt. Unter den Toten seien fünf Kinder, fünf Kinder seien verletzt worden. Eine russische Rakete traf in der rund 120 Kilometer östlich von Kiew gelegenen Stadt einen fünfstöckigen Wohnblock.

Unter den Trümmern wurden weitere Verschüttete vermutet. Aus Krementschuk wurden 47 Verletzte nach einem Drohnenangriff gemeldet. In der zentralukrainischen Region Kirowohrad starben nach Behördenangaben zwei Menschen beim Angriff auf einen nicht näher bezeichneten Betrieb, drei weitere wurden verletzt.

Selenskyj spricht von „Geburtstagsgeschenk“

Selenskyj bezeichnete den Angriff als „Geburtstagsgeschenk für Putin“. Der russische Präsident wurde am Mittwoch 74 Jahre alt. Zugleich jährte sich der Todestag der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja zum 20. Mal.

Hauptziel sei die ukrainische Energieinfrastruktur gewesen, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Die Ukraine befürchtet, Russland wolle die Energieversorgung wie in den vergangenen Wintern lahmlegen. Das russische Militär erklärte dagegen, Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenherstellers Fire Point in Kiew und anderen Städten angegriffen zu haben.

Viele Explosionen in Kiew

Kiew war nach ukrainischen Angaben ein Schwerpunkt des Angriffs. In den frühen Morgenstunden waren zahlreiche Explosionen zu hören. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete zunächst mindestens zwei Tote in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja; zwei weitere Menschen seien lebend geborgen worden.

Im Bezirk Obolon wurden den Angaben zufolge nicht zu Wohnzwecken genutzte Gebäude getroffen, im Bezirk Podil Lagerhallen. Nach einem weiteren russischen Angriff am Nachmittag wurde ein weiterer Toter gemeldet.

Angriffe auf mehrere Städte

Selenskyj zufolge setzte Russland 70 ballistische Raketen und Marschflugkörper verschiedener Typen ein. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, 39 davon seien abgefangen worden. Auch Dnipro und Saporischschja wurden massiv beschossen; Tote wurden zudem aus Olexandrija gemeldet.

Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen die Invasion russischer Streitkräfte. Selenskyj berichtete zugleich von ukrainischen Gegenangriffen auf Ölanlagen und andere Ziele in den russischen Regionen Perm, Samara und Astrachan. Außerdem veröffentlichte er ein Video eines am Vortag vor Sotschi in Brand geratenen Öltankers.

Angriffe auf Energie und Infrastruktur

Der Angriff fällt in die Zeit, in der die Ukraine vor einer neuen Belastungsprobe für ihre Energieversorgung im Herbst und Winter steht. Russland hat in den vergangenen Kriegswintern wiederholt Energieanlagen und andere Infrastruktur angegriffen. Ziel solcher Kampagnen ist es, die Versorgung zu stören und den Druck auf die Zivilbevölkerung zu erhöhen.

Die Kombination aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen erschwert die Abwehr, weil die Flugkörper unterschiedliche Geschwindigkeiten und Flugbahnen haben. Nach ukrainischen Angaben wurden 70 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt; die Luftwaffe meldete, 39 davon abgefangen zu haben. Die Zahlen stammen von ukrainischen Stellen.

Folgen für die Bevölkerung

Besonders schwer wiegt der Treffer auf den Wohnblock in Pryluky. Dass unter den Toten und Verletzten Kinder sind und weiter nach VerschĂĽtteten gesucht wird, zeigt die unmittelbare Gefahr fĂĽr Wohngebiete abseits der Front. Auch Kiew, Dnipro, Krementschuk, Saporischschja und weitere Orte waren betroffen.

Für die Menschen bedeutet die neue Angriffswelle nicht nur akute Lebensgefahr, sondern auch mögliche Stromausfälle, Einschränkungen im Verkehr und zusätzliche Belastungen für Rettungsdienste und Krankenhäuser. Mit sinkenden Temperaturen gewinnt der Schutz der Energieinfrastruktur deshalb strategische Bedeutung. Parallel setzt die Ukraine auf Gegenschläge gegen russische Energie- und Militärziele, wodurch sich die gegenseitige Belastung der Infrastruktur weiter verstärkt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Ukraine: Viele Tote bei russischen Angriffen“ (07.10.2026)

Der Bericht bestätige den russischen Großangriff auf Kiew und weitere ukrainische Städte sowie den schweren Treffer auf ein Wohngebäude in Pryluky. Er setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die von der ukrainischen Luftwaffe genannte Zahl von 130 Drohnen sowie 48 Marschflugkörpern und ballistischen Raketen und berichte außerdem über Schäden in mehreren Regionen.

MDR: „Ukraine-News: Mindestens zwei Tote nach schwerem Angriff auf Kiew“ (07.10.2026)

Der MDR-Bericht bestätige die Toten in Kiew und die Opfer in Pryluky und ordne den Angriff in eine laufende Nachrichtenentwicklung ein. Er hebe darüber hinaus die ukrainische Forderung nach weiterer Luftabwehr sowie Angaben zu Schäden in Dnipro, Krementschuk und Saporischschja hervor; die Opferzahlen hätten sich im Tagesverlauf verändert.

Beide Berichte stimmten im Kern beim russischen Angriff, den hohen Opferzahlen und den Schäden in Pryluky und Kiew überein. Unterschiede ergäben sich vor allem bei Zwischenständen und der Darstellung weiterer regionaler Folgen.

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