Ukraine: Russland greift Kiews drei Heizkraftwerke an
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen fĂŒr Kiew und russische Regionen
- Russland setzte nach ukrainischen Angaben 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen ein.
- In Kiew stieg die Zahl der Todesopfer laut Polizei auf fĂŒnf Menschen.
- In Russland wurden nach Behördenangaben 902 ukrainische Drohnen abgewehrt.
Russland greift Kiews Energieversorgung erneut an
Russland hat ungeachtet einer von US-PrĂ€sident Donald Trump verkĂŒndeten Waffenruhe fĂŒr Angriffe auf Energieanlagen erneut die ukrainische Energieinfrastruktur attackiert. Nach Angaben von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sind mindestens 600.000 Menschen ohne Strom, wĂ€hrend sein Umfeld dem Betreiber SpaceX eine Drosselung militĂ€rischer Starlink-Dienste vorwirft.
39 Raketen und mehr als 102 Drohnen
Selenskyj schrieb, Russland habe 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen die Energieversorgung und kritische Infrastruktur eingesetzt. Er meldete erhebliche SchĂ€den an 26 Einrichtungen der Stromversorgung sowie an vier Objekten im Ăl- und Gasbereich.
MinisterprĂ€sident Serhij Korezkyj teilte mit, alle drei stĂ€dtischen Heizkraftwerke Kiews seien angegriffen worden. Das russische Verteidigungsministerium bestĂ€tigte Attacken auf Kommunikations- und Energieinfrastruktur in Kiew, dem Umland und der Region Charkiw und nannte darunter ausdrĂŒcklich Heizkraftwerke.
Selenskyj fordert Patriot-Systeme
Selenskyj warf Moskau eine demonstrative Missachtung der von Trump geforderten Waffenruhe vor und rief den US-PrÀsidenten zu harten Sanktionen auf. Zugleich bat er um zusÀtzliche Patriot-Systeme, die als wirksam gegen ballistische Raketen gelten.
In Kiew stieg die Zahl der Todesopfer nach Polizeiangaben auf fĂŒnf. Bei Angriffen im Gebiet Dnipropetrowsk kamen nach Behördenangaben zwei weitere Menschen ums Leben.
VorwĂŒrfe gegen Starlink-Betreiber SpaceX
PrĂ€sidentenberater Serhij Beskrestnow erklĂ€rte, die militĂ€rische Starlink-Variante StarShield sei auf eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde begrenzt worden. Die ukrainische Seite sei darĂŒber nicht informiert worden; dadurch seien mehrere Missionen gescheitert.
Eine offizielle BestÀtigung der Drosselung lag zunÀchst nicht vor. Die ukrainischen StreitkrÀfte nutzen Starlink unter anderem zur Steuerung von Drohnen, die bei einem Verbindungsabbruch wÀhrend des Zielanflugs beeintrÀchtigt werden könnten.
Auch russische Infrastruktur betroffen
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden 902 ukrainische Drohnen abgewehrt. Moskaus BĂŒrgermeister Sergej Sobjanin meldete 180 abgeschossene Drohnen im Anflug auf die Hauptstadt; insgesamt seien 493 Drohnen in Richtung der Region geflogen.
An mehreren russischen FlughÀfen, darunter den vier HauptstadtflughÀfen, kam es zu EinschrÀnkungen. In Balakowo wurde nach Angaben des Gouverneurs der Region Saratow, Roman Bussargin, ein Mensch bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet; mehrere WohnhÀuser seien beschÀdigt worden.
Angriffe auf Energieanlagen gehören seit Beginn des russischen GroĂangriffs zu den zentralen Mitteln, mit denen Moskau die ukrainische Infrastruktur und die Versorgung der Bevölkerung unter Druck setzt. Heizkraftwerke sind dabei besonders relevant, weil sie neben Strom auch WĂ€rme fĂŒr dicht besiedelte StĂ€dte liefern.
Die von US-PrĂ€sident Donald Trump verkĂŒndete Waffenruhe fĂŒr Energieanlagen sollte einen begrenzten Schutz fĂŒr Kraftwerke, Netze und andere kritische Einrichtungen schaffen. Neue Angriffe auf Kiew und Charkiw zeigen, dass dieser Ansatz ohne verlĂ€ssliche Umsetzung und Kontrolle die militĂ€rische Dynamik bislang nicht beendet.
Versorgung und Luftabwehr unter Druck
FĂŒr die Ukraine verschĂ€rft sich die Lage vor dem Winter. SchĂ€den an Strom- und WĂ€rmeversorgung können regionale AusfĂ€lle, ReparaturengpĂ€sse und zusĂ€tzliche Belastungen fĂŒr Haushalte, KrankenhĂ€user und Unternehmen auslösen. Die von Selenskyj genannte Zahl von mindestens 600.000 Menschen ohne Strom verdeutlicht die GröĂenordnung der unmittelbaren Folgen.
Der Einsatz ballistischer Raketen erhöht zugleich die Bedeutung moderner Luftabwehr. Selenskyjs Forderung nach weiteren Patriot-Systemen zielt daher nicht nur auf den Schutz militÀrischer Einrichtungen, sondern auch auf die Sicherung stÀdtischer Grundversorgung.
Starlink als strategischer Faktor
Der Streit um Starlink macht zusĂ€tzlich sichtbar, wie stark die ukrainische KriegsfĂŒhrung von privat betriebenen Kommunikationssystemen abhĂ€ngt. Eine Begrenzung der Verbindungsgeschwindigkeit könnte insbesondere DrohneneinsĂ€tze beeintrĂ€chtigen, weil dabei stabile Datenverbindungen wĂ€hrend des Fluges erforderlich sind.
Die Angriffe auf russisches Gebiet und die gemeldeten EinschrĂ€nkungen an FlughĂ€fen zeigen zugleich, dass der Konflikt zunehmend Infrastruktur und Alltag auf beiden Seiten erfasst. FĂŒr die weitere Entwicklung bleiben die praktische Umsetzung der Energie-Waffenruhe, die VerfĂŒgbarkeit westlicher Luftabwehr und die FunktionsfĂ€higkeit wichtiger Kommunikationsnetze entscheidend.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Bayerischer Rundfunk: âUkraine-Ticker: Angriffe auf Kiew gehen weiter - ohne Vorwarnungâ (14.10.2026)
Der Livebericht habe von SchĂ€den an einem Heizkraftwerk, Strom- und WasserausfĂ€llen sowie 600.000 Menschen ohne Strom berichtet. Er habe auĂerdem die ukrainischen Angaben zur EinschrĂ€nkung von Starlink und die russische BestĂ€tigung der Angriffe auf Energieanlagen aufgegriffen.
n-tv: âNato-Chef will nach Attacken vor Bulgarien Verteidigung der Ukraine stĂ€rkenâ (14.10.2026)
Der Bericht habe die Angaben zu sieben angegriffenen Energieanlagen, den eingesetzten Raketen und Drohnen sowie den StromausfÀllen bestÀtigt. Einen zusÀtzlichen Schwerpunkt habe er auf die eingeschrÀnkte Starlink-Nutzung und die daraus resultierenden Unterbrechungen ukrainischer Missionen gelegt.
Beide BeitrÀge hÀtten den Kern der dpa-Meldung bestÀtigt: Die Energieinfrastruktur sei erneut Ziel russischer Angriffe geworden. Unterschiede lÀgen vor allem in der Gewichtung von VersorgungsschÀden, Starlink-Problemen und den militÀrischen Folgen.
