Ukraine-Finanzierung, EU-Gipfel

Ukraine: Selenskyj fordert 70 Milliarden Euro von der EU

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 19:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die bisher fĂŒr 2026 und 2027 bewilligten 90 Milliarden Euro reichen nach Darstellung des ukrainischen PrĂ€sidenten nicht aus. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen prĂŒfen lassen, wie der zusĂ€tzliche Bedarf gedeckt werden kann.

FinanzlĂŒcke der Ukraine fĂŒr 2027

  • Wolodymyr Selenskyj fordert beim EU-Gipfel weitere 70 Milliarden Euro von der EuropĂ€ischen Union.
  • Der ukrainische PrĂ€sident beziffert die Kriegskosten fĂŒr das kommende Jahr auf insgesamt 155 Milliarden Euro.
  • Die EU-Kommission soll einen Vorschlag zur Deckung des zusĂ€tzlichen Finanzierungsbedarfs vorlegen.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz warb beim EU-Gipfel fĂŒr eine Aufstockung der Ukraine-Hilfen. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
  • Selenskyj wurde beim Gipfel von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen begrĂŒĂŸt. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Die EU-Staaten verstĂŒnden die Position der Ukraine, sagte Selenskyj in BrĂŒssel. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz warb beim EU-Gipfel fĂŒr eine Aufstockung der Ukraine-Hilfen. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa Selenskyj wurde beim Gipfel von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen begrĂŒĂŸt.  - Bild: Michael Kappeler/dpa Die EU-Staaten verstĂŒnden die Position der Ukraine, sagte Selenskyj in BrĂŒssel. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

Selenskyj beziffert zusÀtzlichen Ukraine-Bedarf

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj fordert von der EuropĂ€ischen Union weitere 70 Milliarden Euro fĂŒr das kommende Jahr. Das Geld werde fĂŒr die Verteidigung, Waffen und die WiderstandsfĂ€higkeit seines Landes benötigt, sagte er beim EU-Gipfel in einer Rede vor den Staats- und Regierungschefs.

Nach Selenskyjs Angaben wird der Krieg die Ukraine im nĂ€chsten Jahr insgesamt 155 Milliarden Euro kosten. Die bisher bewilligten 90 Milliarden Euro fĂŒr 2026 und 2027 reichten dafĂŒr nicht aus.

EU-Kommission soll Finanzierung vorschlagen

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zu Beginn des Gipfels eine Aufstockung der Ukraine-Hilfe gefordert, jedoch keine konkrete Summe genannt. Bei seiner Abschluss-Pressekonferenz verwies er auf eine große Übereinstimmung in der EU, der Ukraine ĂŒber den Winter und im kommenden Jahr weiterzuhelfen.

EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa teilte mit, die Staats- und Regierungschefs hĂ€tten die EU-Kommission aufgefordert, einen Vorschlag zur Deckung des zusĂ€tzlichen Finanzierungsbedarfs vorzulegen. Zugleich sagte Costa, die UnterstĂŒtzung der Ukraine sei angesichts russischer Sabotageakte und wiederholter Verletzungen des Luftraums und der HoheitsgewĂ€sser von EU-Mitgliedstaaten besonders wichtig.

90 Milliarden Euro reichen nicht

Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte den zusĂ€tzlichen Bedarf bereits im September in BrĂŒssel erlĂ€utert. FĂŒr den regulĂ€ren Haushalt fehlten seinem Ministerium zufolge im kommenden Jahr 32,6 Milliarden US-Dollar, fĂŒr die Verteidigung zusĂ€tzlich 45 Milliarden US-Dollar.

Mit Selenskyjs Forderung ist die FinanzierungslĂŒcke nun auch auf Ebene der EU-Staats- und Regierungschefs konkret benannt. Ob die EU-Kommission den Umfang vollstĂ€ndig ĂŒbernimmt, bleibt offen.

Eingefrorenes russisches Vermögen im Blick

Bei der Finanzierung könnte erneut das in der EU eingefrorene russische Vermögen eine Rolle spielen. Dabei geht es um rund 210 Milliarden Euro.

Die EU bemĂŒhte sich beim Gipfel außerdem um eine EntschĂ€rfung der Spannungen zwischen US-PrĂ€sident Donald Trump und Selenskyj. Die EU-Spitzen vermieden direkte öffentliche Kritik an Trump; KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen bekrĂ€ftigte zugleich die UnterstĂŒtzung fĂŒr seinen Vorstoß zu einer Waffenruhe bei Angriffen auf Energieinfrastruktur.

GesprÀchskanÀle nach Washington bleiben offen

Selenskyj sagte nach Beratungen mit Merz und den anderen EU-Regierungschefs, sein Team stehe weiterhin in Kontakt mit amerikanischen UnterhÀndlern. Er rechne damit, dass in den kommenden Tagen ein weiteres Treffen vereinbart werde.

Trump stellte Selenskyj in einem Interview unterdessen als Hindernis fĂŒr einen Friedensschluss dar. Er sagte, ein Abkommen könne nur ohne den ukrainischen PrĂ€sidenten zustande kommen, und bezeichnete ihn als keinen guten Verhandlungspartner fĂŒr die USA.

Die Forderung fĂ€llt in eine Phase, in der die europĂ€ische Ukraine-Hilfe gleichzeitig militĂ€rische, finanzielle und politische Ziele erfĂŒllen soll. Die bereits beschlossenen 90 Milliarden Euro fĂŒr 2026 und 2027 bilden nach der dpa-Meldung die Grundlage der UnterstĂŒtzung, decken den von Selenskyj genannten Gesamtbedarf fĂŒr 2027 aber nicht ab.

Die GrĂ¶ĂŸenordnung macht deutlich, dass es nicht allein um kurzfristige HaushaltslĂŒcken geht. Die Ukraine muss Verteidigungsausgaben, Waffenbeschaffung und die Aufrechterhaltung staatlicher Strukturen finanzieren. FĂŒr die EU stellt sich damit neben der SolidaritĂ€tsfrage auch die Frage, wie zusĂ€tzliche Mittel rechtlich, haushalterisch und politisch organisiert werden können.

Finanzierung bleibt politisch umstritten

Als möglicher Finanzierungsweg stehen eingefrorene russische Vermögenswerte im Raum. Ihre Nutzung ist jedoch mit rechtlichen Risiken und politischen Interessen der Mitgliedstaaten verbunden. Belgien wĂ€re wegen dort verwahrter großer VermögensbestĂ€nde besonders betroffen; zugleich mĂŒsste die EU klĂ€ren, wer mögliche Haftungsrisiken trĂ€gt.

FĂŒr Deutschland bedeutet die Debatte, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die weitere UnterstĂŒtzung politisch befĂŒrwortet, zugleich aber an den Verhandlungen ĂŒber den EU-Haushalt beteiligt ist. Die Staats- und Regierungschefs haben die EU-Kommission aufgefordert, einen Vorschlag vorzulegen. Damit ist die Finanzierungssumme politisch benannt, aber noch keine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber ihre Deckung getroffen.

Auswirkungen auf den Kriegskurs

Die Debatte steht außerdem im Zusammenhang mit den belasteten Beziehungen zwischen Washington und Kyjiw. WĂ€hrend die EU ihre UnterstĂŒtzung verstĂ€rken will, bemĂŒht sie sich zugleich, die GesprĂ€chskanĂ€le zwischen US-PrĂ€sident Donald Trump und Selenskyj offenzuhalten. FĂŒr die Ukraine hĂ€ngt damit nicht nur die Höhe europĂ€ischer Zahlungen zusammen, sondern auch die Frage, wie verlĂ€sslich die westliche UnterstĂŒtzung insgesamt bleibt.

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