Naturschutzgesetz, Europa

Deutsche Forschende drÀngen auf EU-Naturschutzgesetz

15.06.2023 - 09:20:59

Um ein Naturschutzgesetz zu verhindern, argumentiert die EVP im EU-Parlament mit der Agrarwirtschaft. Aus der Wissenschaft kommt Gegenwind: Die Klimakrise mache auch vor der Landwirtschaft keinen Halt.

Vor einer entscheidenden Abstimmung drÀngen Wissenschaftler deutscher Forschungseinrichtungen EU-Parlamentarier, einem wichtigen EU-Naturschutzgesetz zuzustimmen. Dieses steht unter Druck, weil Christdemokraten im EU-Parlament Sturm gegen das Vorhaben laufen. Sie sehen dadurch etwa die ErnÀhrungssicherheit gefÀhrdet.

Das Gesetz schrĂ€nke die Nutzung landwirtschaftlicher FlĂ€chen ein, sagte die CDU-Europaabgeordnete Christine Schneider. Sie betonte auf Nachfrage, ErnĂ€hrungssicherung bedeute fĂŒr sie auch, dass Lebensmittel bezahlbar seien.

Helge Bruelheide, Professor fĂŒr Geobotanik an der UniversitĂ€t Halle, widerspricht der These, dass das Vorhaben eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln gefĂ€hrde. «Die grĂ¶ĂŸten Gefahren fĂŒr die ErnĂ€hrungssicherheit, sie alle gehen auf den Klimawandel zurĂŒck», sagte er am Mittwochabend vor Journalisten. Und das Gesetz hilft Bruelheide zufolge dessen Folgen fĂŒr die Landwirtschaft abzumildern.

Entschieden fĂŒr das Projekt

Auch Forschende des Helmholtz-Zentrums fĂŒr Umweltforschung, der Uni Rostock und der Uni Duisburg-Essen sprachen sich entschieden fĂŒr das Projekt aus. Gemeinsam mit mehr als 3000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschrieben sie einen offenen Brief dazu.

Das «Gesetz zur Wiederherstellung der Natur» soll Ökosysteme vor dem Kollaps bewahren. Es zielt darauf, trockengelegte Moore wieder zu vernĂ€ssen, WĂ€lder aufzuforsten und mehr GrĂŒn in StĂ€dte zu bringen.

CDU-Politikerin Schneider stört sich daran, dass es nicht klar sei, wie sich die Gesetzgebung genau auf Preise und Produktion von Lebens- und Futtermitteln auswirken könnte. Sebastian Lakner von der Uni Rostock sagte, es sei schwierig, solche Vorhersagen ĂŒber Lebensmittelpreise zu treffen. Er gehe lediglich von kleinen Einbußen bei Ernten aus. PhĂ€nomene wie Extremwetter seien deutlich schĂ€dlicher. Wenn es keine Mehrheit fĂŒr das Umweltgesetz gibt, droht es, lange Zeit auf Eis zu liegen.

@ dpa.de