Waffenruhe, Gaza-Krieg

Waffenruhe im Gaza-Krieg soll verlÀngert werden

27.11.2023 - 18:34:41

Um zwei Tage soll die Feuerpause im Gaza-Krieg verlĂ€ngert werden - damit steigt die Hoffnung, dass weitere Geiseln freikommen. Der Überblick.

Die Waffenruhe im Gaza-Krieg wird verlĂ€ngert. Israel und die islamistische Hamas einigten sich nach Darstellung des Vermittlers Katars darauf, die zunĂ€chst auf vier Tage angelegte Feuerpause um zwei Tage auszudehnen. Das teilte der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, am Montagabend wenige Stunden vor Ablauf der ersten Feuerpause mit. Damit dĂŒrfte die seit FreitagfrĂŒh geltende Waffenruhe bis Donnerstagmorgen andauern.

Noch am Montag wurden wie zuvor erwartet weitere Geiseln freigelassen. Elf Israelis seien in die Obhut von Mitarbeitern des Roten Kreuzes gegeben worden, teilte die israelische Armee am Abend mit. Nach israelischen Medienberichten handelt es sich neun Kinder und zwei Frauen. Im Gegenzug sollen 33 weibliche und jugendliche palÀstinensische HÀftlinge entlassen werden. Weitere Geiseln sollten im Zuge der verlÀngerten Feuerpause freikommen.

Es war bereits die vierte Gruppe an Geiseln, die seit Beginn der Feuerpause am Freitag im Gegenzug fĂŒr die Freilassung palĂ€stinensischer Gefangener aus israelischen GefĂ€ngnissen freikam. Bisher waren 58 Geiseln freigekommen, unter ihnen acht deutsche DoppelstaatsbĂŒrger. Im Gegenzug wurden 117 PalĂ€stinenser aus der Haft entlassen. Nach dem Deal von Israel und Hamas kann die Feuerpause auf bis zu zehn Tage verlĂ€ngert werden. In dieser Zeit soll ein Austausch von bis zu 100 Geiseln gegen bis zu 300 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge möglich sein.

Der Sprecher der israelischen Regierung, Eilon Levi, sagte vor der Freilassung am Montag, es wĂŒrden noch 184 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Davon seien 14 AuslĂ€nder sowie 80 Israelis mit einem Zweitpass.

US-Regierung: Wohl nicht alle Geiseln in Gaza in HĂ€nden der Hamas

Die US-Regierung wies darauf hin, dass womöglich nicht alle in den Gazastreifen verschleppte Menschen von der islamistischen Hamas festgehalten werden. Um mehr Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus Israel frei zu bekommen, mĂŒsse die Hamas diese Geiseln auch finden und holen, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, im US-Fernsehen. Es sei davon auszugehen, dass es andere Gruppen gebe, die einige der Geiseln festhalten. Kirby nannte keine Anzahl.

Forderungen nach dauerhaftem Waffenstillstand

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres betonte, dass die UN ihre Hilfslieferungen dank der Feuerpause habe ausbauen können. Das reiche aber bei weitem nicht aus. «Die humanitĂ€re Katastrophe in Gaza wird jeden Tag schlimmer», teilte Guterres mit. Er forderte einen «kompletten humanitĂ€ren Waffenstillstand». Zudem mĂŒssten alle restlichen Geiseln ebenfalls freigelassen werden. Auch Saudi-Arabien und Jordanien forderten einen Waffenstillstand.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) mahnte am Montag, die derzeitige Feuerpause solle als BrĂŒcke zu einem politischen Prozess fĂŒr eine dauerhafte Lösung des Konflikt genutzt werden.

Deutschland unterstĂŒtzt Kibbuz-Wiederaufbau

Deutschland wird den Wiederaufbau der von der Hamas zerstörten Kommunen in Israel finanziell unterstĂŒtzen. Bei einem Besuch des am 7. Oktober von den Terroristen ĂŒberfallenen Kibbuz Beeri kĂŒndigte BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier am Montag an, dass der Bundestag auf seine Initiative hin 2024 einen Betrag von sieben Millionen Euro fĂŒr diesen Ort bereitstellen werde. Damit solle in Beeri der Wiederaufbau eines Kulturzentrums und eines Begegnungszentrums fĂŒr Senioren finanziert werden.

Der von deutschen Juden mitgegrĂŒndete Kibbuz Beeri liegt in unmittelbarer NĂ€he zum Gazastreifen. Die Hamas-Terroristen zerstörten ihn fast vollstĂ€ndig. Mehr als 130 der etwa 1300 Bewohner wurden getötet, mehr als 50 verschleppt.

Islamistische Terroristen aus dem Gazastreifen waren am 7. Oktober nach Israel eingedrungen und hatten dort mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden verschleppt, auch mehrere Deutsche. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen, einer Blockade des Gazastreifens und begann Ende Oktober eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der islamistischen Hamas fast 15.000 Menschen getötet.

UN: Zu wenig Nahrung und Brennstoff im Gazastreifen

Weitere Hilfslieferungen haben Menschen im Gazastreifen erreicht - sie decken nach Angaben des UN-NothilfebĂŒros aber nur einen minimalen Bedarf. Die Lebensmittelversorgung gestalte sich weiterhin schwierig. Vielen Menschen fehle es noch immer an Nahrung und Brennstoff zum Kochen. Insbesondere der Norden des Gazastreifen sei betroffen. ViehbestĂ€nde seien aufgrund von Futter- und Wasserknappheit bedroht. Â«Ăœberall im Gazastreifen schlachten Bauern ihre Tiere, weil sie dringend Nahrung benötigen und es ihnen an Futter mangelt, um die Tiere am Leben zu erhalten», so OCHA.

HRW: FehlgezĂŒndete Rakete wohl Grund fĂŒr Explosion an Gaza-Klinik

Die Explosion am Al-Ahli-Krankenhaus im Gazastreifen geht nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wahrscheinlich auf eine fehlgezĂŒndete Rakete von bewaffneten palĂ€stinensischen Gruppen zurĂŒck. Es seien aber weitere Untersuchungen erforderlich um festzustellen, wer die mutmaßliche Rakete abgefeuert habe und ob Kriegsgesetze verletzt worden sind, teilte HRW mit. Israel sprach nach der Explosion am 17. Oktober vom Einschlag einer fehlgeleiteten Rakete der militanten PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad.

Israelis nach Hamas-Geiselhaft: Keine Misshandlungen, wenig Essen

Erste Freigelassene berichten unterdessen von ihrer Geiselhaft: Sie seien nicht misshandelt worden, die Bedingungen seien aber hart gewesen, berichtete die israelische Zeitung «Yedioth Achronot» unter Berufung auf Angehörige. Die Menschen hÀtten sich selbst Essen zubereitet. «Es gab aber auch Tage, an denen es nichts zu essen gab, und manchmal mussten die Verschleppten eineinhalb Stunden warten, bis sie zur Toilette durften», zitierte die Zeitung Merav Raviv, eine Angehörige der Familie Munder.

Keren Munder war gemeinsam mit ihrem neunjĂ€hrigen Sohn Ohad und der Großmutter Ruti bei dem blutigen Hamas-Überfall am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt worden. Am Freitag waren sie im Rahmen des Austausches israelischer Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freigekommen.

Israel: Musks Starlink nur mit Genehmigung Israels in Gaza

Tech-MilliardÀr Elon Musk wird nach israelischen Angaben sein Satelliten-Kommunikationssystem Starlink nur mit israelischer Genehmigung im Gazastreifen einsetzen. Darauf habe Musk sich grundsÀtzlich mit dem Kommunikationsministerium geeinigt, schrieb Minister Schlomo Karhi auf Musks Plattform X (vormals Twitter). Musk besuchte am Montag Israel.

Ende Oktober hatte Musk angekĂŒndigt, er wolle mithilfe des Satelliten-Kommunikationssystems seiner Firma SpaceX dabei helfen, die unterbrochene Kommunikation zu international anerkannten Hilfsorganisationen im Gazastreifen wieder herzustellen. Israel hatte daraufhin erklĂ€rt, dies mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Grund sei, dass die islamistische Hamas das System fĂŒr Terrorzwecke missbrauchen wĂŒrde.

@ dpa.de