UN-Generaldebatte: Guterres fordert Ende des Iran-Kriegs â Trump verteidigt MilitĂ€reinsatz
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 16:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hat bei seiner letzten Generaldebatte vor dem Ende seiner Amtszeit ein Ende der Gewalt im Nahen Osten gefordert und den Staaten zugerufen: âGenug ist genugâ.
Guterres verabschiedet sich mit Appell
Vereinbarte Waffenruhen seien bislang kaum mehr als âweniger Beschussâ gewesen, sagte Guterres zum Auftakt der UN-Generaldebatte in New York. Die Zivilbevölkerung zahle weiterhin den Preis der Konflikte.
Nach zwei Amtszeiten und rund zehn Jahren im Amt verabschiedete ein groĂer Teil der Anwesenden den UN-GeneralsekretĂ€r mit stehendem Applaus. Bis zum kommenden Montag wollen rund 120 Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche AuĂenminister sprechen; am Sonntag ist eine Pause vorgesehen.
Trump verteidigt Iran-Krieg
US-PrĂ€sident Donald Trump verteidigte vor der Vollversammlung den Krieg gegen Iran. Iran sei âder Tyrann des Nahen Ostensâ gewesen, sagte Trump; das sei nun nicht mehr der Fall. Er werde niemals zulassen, dass Iran eine Atomwaffe besitze.
Nach seiner Rede wollte Trump Vertreter der Golfstaaten treffen, die von den Folgen des Krieges besonders betroffen sind. Ein Treffen mit dem iranischen PrĂ€sidenten Massud Peseschkian blieb zunĂ€chst offen; US-AuĂenminister Marco Rubio schloss es nicht aus.
StraĂe von Hormus als Streitpunkt
Im Zentrum des Streits zwischen Washington und Teheran steht die Kontrolle der StraĂe von Hormus. Iran brachte den Schiffsverkehr in der fĂŒr den internationalen Ălhandel wichtigen Meerenge nach Beginn des Krieges durch Drohungen und Angriffe faktisch zum Erliegen. Weltweit stiegen daraufhin die Ăl- und Treibstoffpreise.
Der iranische ParlamentsprÀsident Mohammed Bagher Ghalibaf stellte zugleich einen neuen diplomatischen Anlauf in Aussicht. Diplomatie bedeute keine Kapitulation, sagte er laut iranischen Medienberichten, signalisierte aber keine schnellen ZugestÀndnisse.
GesprÀch mit Selenskyj geplant
Trump wollte sich auĂerdem mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Dabei sollte es unter anderem um eine mögliche Teilwaffenruhe fĂŒr Angriffe auf Energieanlagen und zur See im Krieg mit Russland gehen. Ein Durchbruch wurde nicht erwartet.
Warnung vor Killerrobotern
Guterres forderte in seiner letzten groĂen Rede vor einer UN-Vollversammlung zudem einen verantwortungsvolleren Umgang mit kĂŒnstlicher Intelligenz. âKillerroboter dĂŒrfen keinen Platz in unserer Zukunft habenâ, warnte er.
Die Staaten mit den gröĂten KI-KapazitĂ€ten sollten gemeinsame Sicherheitsstandards entwickeln, Risiken transparenter machen und unabhĂ€ngige Kontrollmechanismen schaffen, verlangte der UN-GeneralsekretĂ€r.
Streit um Grönland und deutsche Vertretung
Trump wollte nach seiner Rede auĂerdem eine Einigung im Streit um Grönland prĂ€sentieren. Die USA, DĂ€nemark und Grönland hatten nach langem Konflikt einen Durchbruch angekĂŒndigt. Trump zufolge sichere sich Washington weitreichende Befugnisse und Kontrolle ĂŒber die strategisch wichtige Arktisinsel; die dĂ€nische und grönlĂ€ndische Seite bestĂ€tigten diese Darstellung bislang nicht.
In New York waren zudem Treffen Trumps mit dem britischen Premierminister Andy Burnham und der geschĂ€ftsfĂŒhrenden venezolanischen PrĂ€sidentin Delcy RodrĂguez geplant. Deutschland wird von AuĂenminister Johann Wadephul, Umweltminister Carsten Schneider und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan vertreten. Kanzler Friedrich Merz sagte seine Reise wegen der Spekulationen ĂŒber einen möglichen Wechsel an der Spitze der Bundesregierung kurzfristig ab.
Letzte UN-Generalversammlung fĂŒr Guterres
AntĂłnio Guterres beendet am 31. Dezember 2026 seine zweite Amtszeit als UN-GeneralsekretĂ€r. Seine Abschiedsrede fĂ€llt in eine Phase, in der mehrere GroĂkonflikte die HandlungsfĂ€higkeit der Vereinten Nationen und die AutoritĂ€t des Völkerrechts belasten. Der Sicherheitsrat bleibt bei zentralen Krisen durch die Interessen seiner VetomĂ€chte eingeschrĂ€nkt.
Die StraĂe von Hormus verleiht dem Iran-Krieg eine globale wirtschaftliche Dimension. Durch die Meerenge lĂ€uft normalerweise ein erheblicher Teil des weltweiten Ăl- und FlĂŒssiggastransports. Der stark gesunkene Schiffsverkehr erhöht den Druck auf Energiepreise, Versicherungen und Lieferketten; auch Staaten auĂerhalb des Nahen Ostens können dadurch höhere Kosten spĂŒren.
Diplomatie unter hohem Erwartungsdruck
Die UN-Generaldebatte dient zugleich als diplomatischer Treffpunkt. Rund 120 Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche AuĂenminister nutzen die Woche fĂŒr bilaterale GesprĂ€che, wĂ€hrend die groĂen Konflikte auf der offiziellen BĂŒhne nur begrenzt gelöst werden können. FĂŒr die USA und Iran stehen neben politischen Forderungen besonders die Kontrolle der StraĂe von Hormus und die Frage eines möglichen direkten Austauschs im Mittelpunkt.
FĂŒr Deutschland ĂŒbernimmt AuĂenminister Johann Wadephul die zentrale Vertretung, nachdem Kanzler Friedrich Merz seine Reise abgesagt hat. Guterresâ Appell zu Waffenruhen und zu verantwortungsvoller kĂŒnstlicher Intelligenz verbindet akute Krisenpolitik mit langfristigen Fragen internationaler Regeln und Kontrolle.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âRede bei UN-Generaldebatte Die groĂe Trump-Show auf der WeltbĂŒhne?â (22.09.2026)
Der Bericht ordne die UN-Woche als zentrale diplomatische BĂŒhne ein und hebe Trumps geplante Treffen sowie seine Rechtfertigung des Iran-Krieges hervor. Zugleich betone er, Guterres absolviere seine letzte Generalversammlung und die Vereinten Nationen seien bei den groĂen Konflikten nur eingeschrĂ€nkt als Vermittler handlungsfĂ€hig; die dpa-Meldung setze demgegenĂŒber den Schwerpunkt auf Guterresâ Abschiedsappell und die konkreten GesprĂ€che in New York.
Frankfurter Rundschau: ââAuĂenkanzlerâ Merz fehlt erneut bei UN-Generalversammlung in New Yorkâ (21.09.2026)
Der Artikel bestĂ€tige Guterresâ letzte hochrangige UN-Woche und rĂŒcke die institutionellen Folgen der Konflikte in den Vordergrund. Er schreibe, Guterres fordere eine Reform des Sicherheitsrats und mehr Gewicht fĂŒr bisher unterreprĂ€sentierte Staaten; die dpa-Meldung konzentriere sich stĂ€rker auf den Iran-Krieg, die StraĂe von Hormus und Trumps geplante Treffen.
Beide Berichte stimmten darin ĂŒberein, dass die Generaldebatte von mehreren Krisen und der auslaufenden Amtszeit Guterresâ geprĂ€gt sei. Unterschiedliche Schwerpunkte lĂ€gen bei Trumps internationaler Rolle beziehungsweise bei der Reform der UN-Institutionen.
