PĂ€dophilie-Skandal, Orban

PÀdophilie-Skandal: Orban distanziert sich von PrÀsidentin

08.02.2024 - 18:47:06

Ungarns StaatsprÀsidentin Novak hat einen Mann begnadigt, der wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Kindern verurteilt war. Nun schaltet sich MinisterprÀsident Orban ein.

  • Viktor Orban will in Ungarn ein Verbot von Begnadigungen fĂŒr StraftĂ€ter im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch per Verfassung erwirken. - Foto: Denes Erdos/AP/dpa

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  • Katalin Novak ist StaatsprĂ€sidentin Ungarns. - Foto: Hannes P Albert/dpa

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Viktor Orban will in Ungarn ein Verbot von Begnadigungen fĂŒr StraftĂ€ter im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch per Verfassung erwirken. - Foto: Denes Erdos/AP/dpaKatalin Novak ist StaatsprĂ€sidentin Ungarns. - Foto: Hannes P Albert/dpa

Ungarns StaatsprĂ€sidentin Katalin Novak ist bei Opposition und Regierung wegen ihres Umgangs mit dem Thema PĂ€dophilie unter Druck geraten. JĂŒngst wurde bekannt, dass Novak einen Mann begnadigt hat, der wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen rechtskrĂ€ftig verurteilt worden war. Der Fall hatte breite Empörung ausgelöst.

Der rechtspopulistische MinisterprĂ€sident Viktor Orban kĂŒndigte daraufhin an, ein Verbot von Begnadigungen fĂŒr StraftĂ€ter im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch per Verfassung zu erwirken. Erstmals kritisierte er damit - wenn auch indirekt - seine politische Mitstreiterin Novak. FĂŒr weiteren Druck auf Novak sorgt der Start einer Meinungsumfrage, die ermitteln soll, ob die Ungarn einen RĂŒcktritt der Staatschefin befĂŒrworten.

Orban: Keine Gnade fĂŒr pĂ€dophile TĂ€ter

«FĂŒr pĂ€dophile TĂ€ter gibt es keine Gnade. Das ist meine persönliche Überzeugung. Es ist eine Diskussion aufgekommen ĂŒber den Rechtsrahmen fĂŒr Begnadigungen durch die StaatsprĂ€sidentin», sagte Orban in einem Video, das auf seinem Facebook-Profil gepostet wurde. Novaks Namen nannte er dabei nicht. Sie war bis zu ihrem Amtsantritt 2022 eine fĂŒhrende Politikerin in Orbans Partei Fidesz und wurde auf Vorschlag des Premiers vom Parlament zur StaatsprĂ€sidentin gewĂ€hlt. Als Familienministerin hatte sie vorher zudem ein traditionelles Familien- und Frauenbild propagiert.

Orbans Regierung will insbesondere als BeschĂŒtzerin von Kindern vor sexualisierter Gewalt gelten. 2021 setzte sie ein umstrittenes «Kinderschutzgesetz» durch, das eine AufklĂ€rung von Kindern in Schulen ĂŒber HomosexualitĂ€t verbietet. Auch Vertreiber von entsprechenden Publikationen sind verpflichtet, diese fĂŒr MinderjĂ€hrige unzugĂ€nglich zu machen. Kritiker bemĂ€ngeln, dass der Geist dieses Gesetzes HomosexualitĂ€t mit PĂ€dophilie gleichsetzt.

Begnadigung im Rahmen des Papst-Besuches

Der von Novak begnadigte Mann war stellvertretender Leiter eines Kinderheims in Bicske bei Budapest. Er hat dem Gerichtsurteil zufolge Kinder dazu gezwungen, ihre Zeugenaussagen als Missbrauchsopfer gegen den Heimleiter zu widerrufen, um seinen Chef zu entlasten. Der Heimleiter wurde zu acht Jahren GefÀngnis verurteilt. Sein nun begnadigter Stellvertreter hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten erhalten. 

Die Begnadigung hatte schon im Mai 2023 stattgefunden, aus Anlass des damaligen Besuchs von Papst Franziskus in Budapest. Zu den Motiven Ă€ußerte sich Novak nicht. Oppositionsmedien vermuten gute Beziehungen des Begnadigten zur katholischen Kirche und zur Familie Viktor Orbans.

Muss Novak zurĂŒcktreten?

Ungarischen Medienberichten zufolge begann eine Firma eine Telefon-Meinungsumfrage, die ermitteln soll, ob die Mehrheit der BĂŒrger einen RĂŒcktritt Novaks befĂŒrwortet. Leser der Zeitung «HVG» hĂ€tten der Redaktion gemeldet, dass sie Anrufe von den Meinungsforschern bekommen hĂ€tten. Die betreffende Firma habe in der Vergangenheit bereits mehrere Umfragen im Auftrag von Orbans Partei Fidesz durchgefĂŒhrt.

@ dpa.de