USA-Wahlrecht, Supreme Court

US-Briefwahl: Supreme Court stoppt Trumps strengere Regeln vor den Midterms

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 16:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Supreme Court der USA hat einen Versuch der Regierung von PrĂ€sident Donald Trump gestoppt, noch vor den Midterms deutlich strengere Regeln fĂŒr die Briefwahl durchzusetzen. Die Bundesstaaten dĂŒrfen ihre Briefwahlunterlagen damit weiterhin nach den bisherigen Standards verschicken.

  • Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa
    Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa
  • Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
    Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa

Der Oberste Gerichtshof der USA hat einen Versuch der Regierung von PrĂ€sident Donald Trump gestoppt, kurz vor den Zwischenwahlen deutlich strengere Regeln fĂŒr die Briefwahl einzufĂŒhren.

Supreme Court lÀsst bisherige Briefwahlregeln gelten

In dem Rechtsstreit um verschĂ€rfte Briefwahlregeln lehnte der Supreme Court es ab, eine Entscheidung einer unteren Instanz auszusetzen. Diese Entscheidung hindert die Trump-Regierung bislang daran, ihre neuen Vorgaben umzusetzen. In der knappen BegrĂŒndung des höchsten Gerichts heißt es, es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung mit ihrer Anfechtung der einstweiligen VerfĂŒgung der niedrigeren Instanz Erfolg haben werde.

Die US-Regierung wollte erreichen, dass die strikteren Briefwahlregeln noch vor den Zwischenwahlen Anfang November in Kraft treten. Weil der Supreme Court die Anordnung der unteren Instanz nun bestehen lĂ€sst, dĂŒrfen die Bundesstaaten ihre Briefwahlunterlagen weiter nach den bislang geltenden Standards verschicken. In einigen Staaten sind diese Unterlagen bereits versendet worden.

Trump-Erlass macht die Post zur Kontrollinstanz

Trump hatte Ende MĂ€rz verfĂŒgt, dass die US-Post Briefwahlunterlagen nur noch an Personen liefern soll, die auf einer von den Bundesstaaten erstellten WĂ€hlerliste stehen. Kritiker bemĂ€ngeln, die Post werde damit von einem reinen Zusteller der Wahlunterlagen zu einer zusĂ€tzlichen Kontrollinstanz im Ablauf der Wahl. Der Vorstoß der US-Regierung mĂŒndete in einen lĂ€ngeren Rechtsstreit vor mehreren Gerichten.

Eine Bundesrichterin in Boston stoppte Trumps PlĂ€ne Ende August per einstweiliger VerfĂŒgung. Sie bezeichnete den Erlass des PrĂ€sidenten als „wahrscheinlich verfassungswidrige Regelung, deren Einhaltung im Hinblick auf die Zwischenwahlen 2026 praktisch unmöglich ist“ und verwies darauf, dass die Umsetzung so kurz vor der Wahl unrealistisch sei. Nach der Blockade durch die Bundesrichterin schaltete Trump zunĂ€chst ein Berufungsgericht ein, zog aber noch vor dessen Entscheidung vor den Supreme Court.

Richter sehen Zeitdruck vor der Wahl

Der Supreme Court verzichtete in dem Eilverfahren auf eine ausfĂŒhrliche BegrĂŒndung. In einer zustimmenden Stellungnahme betonte jedoch Richter Brett Kavanaugh, den Trump einst fĂŒr das Gericht nominiert hatte, die verbleibende Zeit sei zu knapp, um die neuen Regeln vor den Midterms angemessen umzusetzen. Bereits im August hatte sich der Supreme Court in dem Konflikt mit einer anderen Entscheidung befasst und damals eine gerichtliche Anordnung gegen Trumps BriefwahlplĂ€ne aus verfahrenstechnischen GrĂŒnden aufgehoben.

Kritiker werfen Trump mit Blick auf seine PlĂ€ne vor, die Stimmabgabe per Briefwahl erschweren und die Demokratische Partei benachteiligen zu wollen, deren WĂ€hlerschaft traditionell hĂ€ufiger per Brief wĂ€hlt. Zudem steht der Vorwurf im Raum, der PrĂ€sident habe mit den kurzfristig vorangetriebenen Änderungen Verwirrung und Chaos unmittelbar vor den Wahlen in Kauf genommen. Die US-Regierung verteidigt ihre PlĂ€ne dagegen mit dem Argument, mögliche FĂ€lle von Wahlbetrug verhindern zu wollen.

Zwischenwahlen entscheiden ĂŒber Machtbalance in Washington

Bei den Zwischenwahlen am 3. November stimmen die Amerikanerinnen und Amerikaner unter anderem ĂŒber alle Sitze im ReprĂ€sentantenhaus und einen Teil der Sitze im Senat ab. Derzeit halten die Republikaner in beiden Kammern eine knappe Mehrheit und wollen diese verteidigen. Ein Verlust der Mehrheiten wĂŒrde Trumps Möglichkeiten einschrĂ€nken, seine politischen Vorhaben in den noch gut zwei Jahren der verbleibenden Amtszeit im Kongress durchzusetzen.

Trump streut seit Jahren Zweifel an fairen Wahlen in den USA. Er behauptet weiterhin fÀlschlicherweise, bei der PrÀsidentschaftswahl 2020 um seinen Sieg betrogen worden zu sein, obwohl diese Behauptung vielfach widerlegt ist. Die aktuelle Niederlage vor dem Supreme Court trifft ihn daher in einem Feld, in dem er seine AnhÀngerschaft besonders mobilisiert.

SchÀrfere Töne gegen den eigenen Supreme Court

In seiner Reaktion nutzte Trump die Entscheidung des Gerichts fĂŒr eine erneute Abrechnung mit den Richterinnen und Richtern. Mit Blick auf die von ihm berufenen Mitglieder des Supreme Court schrieb er, „das sind nicht die Leute, die ich fĂŒr eine TĂ€tigkeit am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten befragt habe“, und unterstellte dem Gericht, sich von der radikalen Linken beeinflussen zu lassen. Zugleich gilt das Gericht nach Trumps Neubesetzungen als so konservativ wie lange nicht, drei der neun Richter wurden von ihm ausgewĂ€hlt und haben mit mehreren Entscheidungen die Macht des PrĂ€sidenten deutlich ausgeweitet.

Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom warf Trump „Angriffe auf die Demokratie“ vor und begrĂŒĂŸte die Entscheidung des Supreme Court. Sein Bundesstaat gehörte zu den vielen Staaten, die wegen des Vorstoßes der Trump-Regierung gegen die neuen Briefwahlregeln vor Gericht gezogen waren. Newsom erklĂ€rte auf der Plattform X, das amerikanische Volk habe nun Gewissheit ĂŒber den Wahlprozess, die Briefwahl stehe allen offen, die sie benötigten.

Konflikt um Briefwahl als Machtprobe vor den Midterms

Die Entscheidung des Supreme Court gegen die von Donald Trump angeordnete VerschĂ€rfung der Briefwahlregeln fĂ€llt wenige Wochen vor den Zwischenwahlen und hat unmittelbare politische Bedeutung. Die bisherigen Standards fĂŒr die Versendung von Briefwahlunterlagen bleiben bestehen, sodass die Bundesstaaten ihre bereits angelaufenen Vorbereitungen nicht kurzfristig umstellen mĂŒssen. Damit wird ein Szenario vermieden, in dem Wahlbehörden organisatorisch ĂŒberfordert und WĂ€hlerinnen und WĂ€hler verunsichert wĂŒrden.

Der Fall fĂŒgt sich in einen lĂ€nger anhaltenden Konflikt um den Zugang zur Briefwahl und die Ausgestaltung des Wahlrechts in den USA. Republikanische Akteure argumentieren immer wieder mit der Gefahr von Wahlbetrug und drĂ€ngen auf strengere Regeln, wĂ€hrend demokratische Vertreter den Schutz der Wahlbeteiligung und die rechtliche Absicherung etablierter Verfahren betonen. Dass eine Bundesrichterin die Trump-Regelung als wahrscheinlich verfassungswidrig eingestuft hat, zeigt die verfassungsrechtliche Brisanz des Versuchs, die Rolle des Postdienstes von der reinen Zustellung hin zu einer Kontrollinstanz zu verschieben.

Institutionelle Grenzen der PrÀsidialmacht

Die aktuelle Niederlage vor dem Supreme Court verdeutlicht zugleich die Grenzen prĂ€sidialer Macht im US-System. Obwohl Trump drei Richter des höchsten Gerichts berufen hat und das Gericht als konservativ gilt, folgt es in diesem Eilverfahren nicht seinem Kurs. Die knappe BegrĂŒndung und der Hinweis von Richter Brett Kavanaugh auf die zu kurze verbleibende Zeit bis zur Wahl unterstreichen, dass das Gericht nicht nur inhaltliche, sondern auch praktische Kriterien wie Umsetzbarkeit und StabilitĂ€t des Wahlablaufs berĂŒcksichtigt.

Die Auseinandersetzung wirkt ĂŒber den konkreten Streitfall hinaus. FĂŒr viele WĂ€hlerinnen und WĂ€hler ist sie ein weiterer Baustein in der Debatte, ob Wahlrecht und Institutionen dem Druck parteipolitischer Interessen standhalten. FĂŒr deutsche Leserinnen und Leser macht der Vorgang sichtbar, wie stark Fragen der Briefwahl und der Organisation von Wahlen inzwischen Teil der Machtpolitik geworden sind – und wie Gerichte im föderalen System der USA als zentrale Schiedsinstanz zwischen PrĂ€sident, Bundesstaaten und Kongress agieren.

Disclaimer...

de | ausland | 70105857 |