US-Kongresswahl beginnt: 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu besetzt
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 12:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Kongresswahl in Zahlen
- In New York und New Hampshire öffneten die Wahllokale um 6.00 Uhr Ortszeit.
- Bis kurz vor dem Wahlbeginn wurden knapp 58,7 Millionen vorzeitige Stimmabgaben gezählt.
- Die Wahl umfasst alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Senatssitze.
US-Kongresswahl entscheidet über Trumps Spielraum
In den USA haben die wichtigen Parlamentswahlen begonnen, bei denen Millionen Amerikaner indirekt über die Politik von Präsident Donald Trump urteilen. In Bundesstaaten an der Ostküste öffneten die ersten Wahllokale um 6.00 Uhr Ortszeit, Ergebnisse werden nach mitteleuropäischer Zeit in der Nacht zum Mittwoch erwartet.
Wahltag beginnt an der Ostküste
In Vermont sollten einzelne Wahllokale bereits eine Stunde früher öffnen. Ab 7.00 Uhr Ortszeit folgten unter anderem Texas, Colorado und Kalifornien; in Alaska und Hawaii beginnen die Abstimmungen zuletzt.
Wann die Mehrheitsverhältnisse in Repräsentantenhaus und Senat feststehen, ist offen. Bereits vor dem eigentlichen Wahltag hatten knapp 58,7 Millionen Menschen per Briefwahl oder vorzeitig abgestimmt.
435 Sitze im Repräsentantenhaus
Bei den Midterms werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze neu bestimmt. Umfragen zufolge könnten die Demokraten das Repräsentantenhaus gewinnen, während das Rennen um die Mehrheit im Senat offen ist.
Die Zwischenwahlen gelten traditionell als Bewertung der Amtsführung des Präsidenten. Trump selbst steht nicht zur Wahl, doch eine Niederlage seiner Republikaner würde seine politische Position im Kongress schwächen.
Mehr Kontrolle durch demokratische Mehrheit
Mit einer Mehrheit in einer oder beiden Kammern könnten die Demokraten Ausschüsse führen, Untersuchungen einleiten und Regierungsbeamte unter Eid vorladen. Das Repräsentantenhaus könnte zudem ein Amtsenthebungsverfahren einleiten.
Über eine tatsächliche Amtsenthebung entscheidet der Senat; dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Trump betonte zugleich sein Vetorecht, das nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Kammern überstimmt werden kann.
Trump verweist auf Verluste der Regierungspartei
Am Tag vor der Wahl sagte Trump, der amtierende Präsident gewinne die Midterms aus seiner Sicht aus einem bestimmten Grund üblicherweise nicht. Zugleich erklärte er, die Republikaner hätten im Wahlkampf alles gegeben.
Offen ist, wie Trump auf einen Verlust der knappen Mehrheiten reagieren würde. Er hat erklärt, ein Ergebnis anzuerkennen, sofern die Wahlen ehrlich durchgeführt würden, erkennt seine Niederlage gegen Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl 2020 jedoch weiterhin nicht an.
Namensstreit belastet Senatsrennen in Alaska
Vor der Wahl hatte das Justizministerium auf Trumps Veranlassung gegen Alaska geklagt. Die Regierung wollte verhindern, dass ein Wahlergebnis zugunsten der Demokratin Mary Peltola zunächst bestätigt wird, weil zwei Kandidaten den Nachnamen Sullivan tragen.
Die Klage wurde abgewiesen, der republikanische Amtsinhaber Dan S. Sullivan kündigte die Anerkennung einer Niederlage an. Das Justizministerium will dagegen in Berufung gehen.
Die Zwischenwahlen markieren die erste landesweite Abstimmung seit Beginn von Donald Trumps aktueller Amtszeit, bei der seine politische Bilanz unmittelbar auf dem Stimmzettel steht. Zwar wird der Präsident selbst nicht gewählt, doch die Zusammensetzung des Kongresses entscheidet darüber, wie weit seine Regierung ihre Vorhaben gesetzgeberisch absichern kann.
Der wichtigste institutionelle Unterschied liegt zwischen den beiden Kammern: Im Repräsentantenhaus werden sämtliche 435 Sitze neu vergeben, im Senat 35 von 100. Schon ein begrenzter Wechsel kann deshalb die Mehrheitsverhältnisse verändern. Eine demokratische Mehrheit könnte Ausschüsse kontrollieren, Untersuchungen anstoßen und Regierungsvertreter vorladen. Für eine tatsächliche Amtsenthebung wären dagegen zusätzliche hohe Hürden im Senat zu überwinden.
Frühe Stimmabgabe verändert den Wahltag
Mit knapp 58,7 Millionen vorzeitig abgegebenen Stimmen ist der Wahltag nur der sichtbare Höhepunkt eines länger laufenden Wahlprozesses. Briefwahl und frühe Stimmabgabe spielen in den Bundesstaaten eine unterschiedlich große Rolle; deshalb lassen sich aus den ersten Auszählungen nicht automatisch Rückschlüsse auf das Endergebnis ziehen.
Für die politische Bewertung werden neben den Mehrheiten im Kongress auch die zahlreichen Einzelrennen relevant sein. Besonders eng umkämpfte Senatswahlen können darüber entscheiden, ob die Republikaner ihre Position halten. Zugleich dürfte der Umgang mit dem Ergebnis die politische Wirkung der Wahl prägen: Ein Machtverlust würde Trumps Handlungsspielraum im Kongress begrenzen, während ein Erhalt der Mehrheiten seine Regierung politisch stärken könnte.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Millionen Stimmen schon abgegeben: Erste Zahlen der Midterms deuten auf klares Ergebnis hin“ (03.11.2026)
Der Beitrag bestätigt die große Zahl vorzeitig abgegebener Stimmen und richtet den Schwerpunkt auf erste Hinweise aus den frühen Auszählungen. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stärker auf die mögliche Richtung des Wahlergebnisses.
Deutschlandfunk: „USA - Zwischenwahlen beginnen am späten Vormittag“ (03.11.2026)
Der Bericht bestätigt den Beginn der Abstimmung und die Zahl der zu vergebenden Sitze. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Ablauf und der institutionellen Bedeutung der Kongresswahl, während die dpa-Meldung zusätzlich Trumps möglichen Umgang mit einer Niederlage beleuchtet.
Übereinstimmung besteht beim Umfang der Wahl und der Bedeutung der Mehrheitsverhältnisse. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Fokus auf frühe Zahlen, Wahlablauf und die möglichen politischen Folgen für Trump.
