US-Kongresswahl: Demokraten greifen Trumps Mehrheit an
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 04:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie umkämpfte Kongressmehrheit
- In Michigan tritt der Demokrat Abdul El-Sayed um einen Senatssitz an.
- Bei den Midterms werden alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses neu vergeben.
- Erste Ergebnisse werden in der Nacht zu Mittwoch mitteleuropäischer Zeit erwartet.
US-Kongresswahl entscheidet über Trumps Handlungsspielraum
Millionen Menschen in den USA stimmen über die künftige Zusammensetzung des Kongresses in Washington ab. Zur Wahl stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und gut ein Drittel der 100 Senatssitze.
Republikaner verteidigen knappe Mehrheit
Die Republikaner von Präsident Donald Trump halten bislang eine hauchdünne Mehrheit in beiden Kammern. Meinungsforscher und Wahlanalysten sehen Chancen für die Demokraten, die von Trumps schlechten Beliebtheitswerten profitieren könnten.
Erste Ergebnisse werden nach mitteleuropäischer Zeit in der Nacht zu Mittwoch erwartet. Bei einem knappen Ausgang kann die Entscheidung über die Mehrheiten mehrere Tage dauern; in einzelnen Bundesstaaten sind spätere Stichwahlen möglich.
Mehrheitswahlrecht prägt Auszählung
Anders als in Deutschland gibt es keine zentrale Prognose zu einem vorher feststehenden Zeitpunkt. Hochrechnungen großer Medien machen schrittweise sichtbar, welche Kandidaten ihre Wahlkreise gewinnen.
Entscheidend ist jeweils, welcher Kandidat am Ende die meisten Stimmen erhält. Die Midterms gelten traditionell als Stimmungstest für die Regierung in der Mitte der Präsidentschaft.
Folgen für Trumps Politik
Verlieren die Republikaner eine oder beide Kammern, könnte Trump Gesetzesvorhaben und den Haushalt für die Regierung schwerer durch den Kongress bringen. Anhörungen von Regierungsmitgliedern könnten zunehmen, und Personalvorschläge für Spitzenämter könnten scheitern.
Bei einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus könnte zudem ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump angestoßen werden. International wird beobachtet, ob das Ergebnis seinen Kurs im Ukraine-Krieg, im Zollstreit und im Iran-Konflikt beeinflusst.
Preise und Michigan im Mittelpunkt
Im Wahlkampf belasteten hohe Lebensmittelpreise viele Wählerinnen und Wähler. Nach Trumps Iran-Krieg stiegen zudem die Preise an Tankstellen, was Demokraten mit Kritik an seiner Politik im Nahen Osten verbanden.
Die Republikaner warnten zugleich vor den Demokraten als „Linksradikalen“ und „Kommunisten“. Besonders umkämpft ist ein Senatssitz in Michigan, den bislang die Demokraten halten.
Für die Demokraten tritt dort Abdul El-Sayed an. Bei einem Sieg wäre er der erste muslimische Senator der USA; er fordert unter anderem eine allgemeine staatliche Krankenversicherung und eine stärkere Besteuerung von Superreichen.
Parteiinterner Streit in Michigan
Trump bezeichnete El-Sayed im Wahlkampf als „Dschihadisten“. Kurz vor der Wahl stellte sich eine scheidende demokratische Abgeordnete gegen ihn und unterstützte den republikanischen Kandidaten.
El-Sayeds Abschneiden könnte damit auch für die Ausrichtung der Demokraten Bedeutung gewinnen. Ein Erfolg würde zeigen, dass linkere Kandidaten in umkämpften Wahlen bestehen können.
Signal für die Wahl 2028
Trump hat die Kongresswahl zu einer Abstimmung über seine Politik erklärt, obwohl er selbst nicht auf dem Stimmzettel steht. Eine Niederlage könnte seine politische Stellung schwächen und die Frage aufwerfen, ob seine Machtbasis in der konservativen Bewegung bröckelt.
Die Wahl dürfte außerdem den Ton für den Präsidentschaftswahlkampf 2028 setzen. Die Demokraten suchen nach ihrer Niederlage gegen Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 weiterhin nach einer verbindenden politischen Ausrichtung.
Die US-Zwischenwahlen entscheiden darüber, ob Donald Trump seine Gesetzesvorhaben weiterhin auf eine republikanische Mehrheit im Kongress stützen kann. Im Repräsentantenhaus verfügen die Republikaner laut der aktuellen Sitzverteilung über 218 Mandate, die Demokraten über 214; für eine Mehrheit werden 218 Sitze benötigt.
Besonders eng ist die Lage im Senat. Dort halten die Republikaner 53 Sitze, die Demokraten 47. Weil 22 der 35 zur Wahl stehenden Senatssitze bislang republikanisch besetzt sind, müssen die Demokraten mehrere schwierige Rennen gewinnen, um die Kammer zu übernehmen.
Was ein Machtverlust bedeuten würde
Eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus könnte Gesetzesvorhaben der Regierung blockieren und Untersuchungen gegen Regierungsmitglieder einleiten. Im Senat wären unter anderem Bestätigungen wichtiger Personalentscheidungen und die Arbeit an Gesetzesvorhaben betroffen.
Die Wahl hat damit Folgen über den Wahltag hinaus. Ein knappes Ergebnis könnte wegen der Auszählung von Briefwahlstimmen mehrere Tage offenbleiben. Für Leserinnen und Leser in Deutschland wird zudem relevant, ob sich die innenpolitische Schwächung auf Trumps Entscheidungen in der Außen- und Wirtschaftspolitik auswirkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Was das Rennen bei den Midterms entscheiden könnte“ (03.11.2026)
Der Beitrag ordnet die umkämpften Rennen ein und berichtet, Umfragen deuteten auf eine Rückeroberung des Repräsentantenhauses durch die Demokraten hin. Anders als der dpa-Text richtet er den Schwerpunkt stärker auf die Frage, ob die Partei auch den Senat gewinnen kann.
Tagesschau: „Zwischenwahlen in den USA: Bleibt das Land regierbar?“ (03.11.2026)
Der Artikel hebt die möglichen Folgen eines republikanischen Machtverlusts hervor: Demokraten könnten Gesetzesvorhaben blockieren und Untersuchungen gegen die Regierung einleiten. Offen bleibt auch dort, wie schnell nach der Abstimmung eine belastbare Mehrheitsentscheidung feststeht.
Beide Beiträge bestätigen die zentrale Bedeutung der Kongressmehrheiten für Trumps Handlungsspielraum. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Fokus: Während der eine die entscheidenden Wahlrennen betrachtet, konzentriert sich der andere auf die Folgen für die Regierungsarbeit.
