US-Kongresswahlen: Demokraten gewinnen beide Kammern zurück
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 09:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNeue Mehrheiten im US-Kongress
- Die Republikaner verlieren bei den Parlamentswahlen erstmals seit 20 Jahren beide Kongresskammern.
- Die Demokraten können ab Januar Untersuchungen gegen Trump und Mitglieder seines Kabinetts einleiten.
- Für ein Überstimmen eines Präsidentenvetos bleibt eine Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern nötig.
Demokraten übernehmen beide Kammern des US-Kongresses
Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump haben bei den Parlamentswahlen erstmals seit 20 Jahren beide Kammern des US-Kongresses an die Demokraten verloren. Trump hatte die Midterms zu einer Abstimmung über seine Präsidentschaft erklärt, muss nun aber mit deutlich mehr Kontrolle und Widerstand rechnen.
Mehr Einfluss bei Haushalt und Gesetzgebung
Die Demokraten können künftig versuchen, Trumps Zollpolitik parlamentarisch einzuhegen und eigene Gesetzesvorhaben voranzubringen. Im Senat bleiben die Hürden für zentrale Vorhaben jedoch hoch, weil dafür häufig die Zustimmung von mindestens 60 Senatorinnen und Senatoren erforderlich ist.
Trump kann Gesetze zudem mit einem Veto stoppen. Um dieses Veto zu überstimmen, benötigen die Demokraten in beiden Kammern jeweils eine Zweidrittelmehrheit, die nur schwer zu erreichen ist.
Untersuchungen gegen Regierung möglich
Mit ihrer Mehrheit erhalten die Demokraten zugleich mehr Möglichkeiten, Personalentscheidungen Trumps zu blockieren und republikanische Gesetzesvorhaben zu verändern. Ab Januar, wenn das neu gewählte Parlament erstmals zusammentritt, können sie Untersuchungen gegen Trump und Mitglieder seines Kabinetts einleiten.
Ausschüsse können Aussagen erzwingen und interne Unterlagen anfordern. Im Zentrum möglicher Untersuchungen könnten das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE, der Iran-Krieg und die geschäftlichen Aktivitäten der Familie Trump stehen.
Impeachment als mögliche Folge
Ergebnisse solcher Untersuchungen könnten im äußersten Fall die Grundlage für ein weiteres Amtsenthebungsverfahren gegen Trump oder Mitglieder seines Kabinetts bilden. Bereits in Trumps erster Amtszeit verloren die Republikaner bei den Midterms 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Demokraten.
Demokraten profitieren von Trumps Schwäche
Der Sieg wirkt nach dem Debakel der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2024 wie ein Comeback. Zugleich bleiben innerparteiliche Streitigkeiten und die Suche nach einer klaren Führungsfigur ungelöst.
Trump hatte vor den Wahlen besonders niedrige Zustimmungswerte. Viele Amerikaner machten ihn für hohe Lebenshaltungskosten und gestiegene Spritpreise verantwortlich; zusätzlich belastete der seit mehr als acht Monaten andauernde Iran-Krieg die Republikaner.
Trump signalisiert Zusammenarbeit und Abwehr
Nach der Niederlage schrieb Trump, er habe nicht auf dem Stimmzettel gestanden und hätte andernfalls erdrutschartig gewonnen. Zugleich kündigte er an, die Ergebnisse zu akzeptieren und mit den Demokraten zusammenzuarbeiten.
Mit einem veröffentlichten Bild einer roten Kappe mit der Aufschrift „VETO“ deutete Trump jedoch auch an, dass er von seinem Vetorecht Gebrauch machen könnte. Einzelne Republikaner hatten sich bereits im Wahlkampf von Teilen seiner Politik distanziert.
Blick auf die Wahl 2028
Mit dem Ende der Midterms könnte der Druck auf republikanische Kandidaten nachlassen, Trump öffentlich zu unterstützen. Da er nach der US-Verfassung 2028 nicht erneut antreten darf, dürfte die Suche nach einer republikanischen Nachfolge und der politische Kurs der Partei stärker in den Vordergrund rücken.
Der Verlust beider Kongresskammern verändert die politischen Kräfteverhältnisse in Washington deutlich. Die Demokraten erhalten dadurch mehr Möglichkeiten, Trumps Regierung zu kontrollieren, Personalentscheidungen zu blockieren und bei Haushaltsverhandlungen eigene Forderungen durchzusetzen. Für viele Gesetzesvorhaben bleiben die Hürden dennoch hoch, weil im Senat häufig eine Mehrheit von 60 Stimmen erforderlich ist.
Besonders relevant ist die neue Untersuchungsbefugnis. Sobald der neu gewählte Kongress im Januar zusammentritt, können demokratische Ausschüsse Vorgänge der Regierung und des Präsidentenumfelds intensiver prüfen, Vorladungen aussprechen und Unterlagen anfordern. Themen wie die Einwanderungspolitik, Trumps außenpolitische Entscheidungen und die Geschäfte seiner Familie könnten dadurch stärker in den Mittelpunkt rücken.
Folgen für Trumps Partei
Politisch trifft die Niederlage Trump auch deshalb, weil er die Midterms selbst zu einer Abstimmung über seine Präsidentschaft erklärt hatte. Der Verlust traditionell republikanischer Gebiete und die Belastung durch hohe Lebenshaltungskosten, gestiegene Spritpreise und den Iran-Krieg verschärfen den Druck auf das Weiße Haus.
Ein unmittelbarer Kurswechsel ist nicht zwingend zu erwarten, weil Trump weiterhin über das Vetorecht und weitreichende exekutive Befugnisse verfügt. Gleichzeitig könnte der Wegfall des Wahldrucks republikanischer Abgeordneter die Bereitschaft erhöhen, sich öffentlich von ihm zu distanzieren. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028 dürfte damit die Debatte über die Zukunft der Republikaner nach Trump an Bedeutung gewinnen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „US-Midterms 2026: Das sind die Zwischenergebnisse der Kongresswahl“ (04.11.2026)
Der Artikel bestätige, dass die Demokraten beide Kammern zurückerobert hätten. Im Mittelpunkt stünden die laufenden Ergebnisse und die konkrete Zusammensetzung des neuen Kongresses, während die politischen Folgen für Trump weniger ausführlich behandelt würden.
Tagesschau: „++ Demokraten erobern mindestens zwei Senatssitze ++“ (04.11.2026)
Der Liveblog berichte ebenfalls von Mehrheiten der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus. Anders als die ausführliche politische Analyse lege er den Schwerpunkt auf die fortlaufende Ergebnisermittlung und einzelne Sitzgewinne.
Einigkeit bestehe damit beim Machtwechsel in beiden Kammern; Unterschiede lägen vor allem zwischen der laufenden Ergebnisberichterstattung und der weitergehenden Bewertung der Folgen für Trumps Regierung.
