Ukraine, Russland

Schicksalstage fĂŒr die Ukraine: Was kann Europa noch tun?

23.11.2025 - 12:56:02

US-PrĂ€sident Trump hat nicht nur die Ukraine, sondern auch seine europĂ€ischen VerbĂŒndeten mit seinem neuen Friedensplan geschockt. Unter großem Zeitdruck wird nun verhandelt.

  • Der Krieg in der Ukraine hat bereits Hunderttausende Opfer gefordert - US-PrĂ€sident Donald Trump will ihn beenden. Um jeden Preis? (Archivbild) - Foto: Vlad Kravchuk/AP/dpa

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  • Keine erzwungene Kapitulation: Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron und Kanzler Friedrich Merz wollen versuchen, das Schlimmste zu verhindern. - Foto: Thomas Mukoya/Pool Reuters/AP/dpa

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  • Von EuropĂ€ern wird Trump vorgeworfen, zu stark auf Forderungen von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin einzugehen. (Archivbild) - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

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Der Krieg in der Ukraine hat bereits Hunderttausende Opfer gefordert - US-PrÀsident Donald Trump will ihn beenden. Um jeden Preis? (Archivbild) - Foto: Vlad Kravchuk/AP/dpaKeine erzwungene Kapitulation: Der französische PrÀsident Emmanuel Macron und Kanzler Friedrich Merz wollen versuchen, das Schlimmste zu verhindern. - Foto: Thomas Mukoya/Pool Reuters/AP/dpaVon EuropÀern wird Trump vorgeworfen, zu stark auf Forderungen von Russlands PrÀsident Wladimir Putin einzugehen. (Archivbild) - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

Mit seinem neuen Ukraine-Friedensplan hat US-PrĂ€sident Donald Trump seine europĂ€ischen VerbĂŒndeten in Alarmstimmung versetzt. Beim G20-Gipfel in Johannesburg haben sich die EuropĂ€er am Wochenende sortiert. In den nĂ€chsten Tagen wird es fĂŒr sie nun unter massivem Zeitdruck darum gehen, das Ganze doch noch in eine Bahn zu lenken, die fĂŒr sie und die von Russland angegriffene Ukraine akzeptabel ist. «Kriege können nicht beendet werden durch GroßmĂ€chte ĂŒber die Köpfe der beteiligten LĂ€nder hinweg», gab Bundeskanzler Friedrich Merz als Losung fĂŒr den Verhandlungsprozess aus.

Welche Punkte sind fĂŒr die EuropĂ€er nicht akzeptabel?

Trumps Plan hat 28 Punkte, viele davon sind fĂŒr die EuropĂ€er inakzeptabel, weil damit aus ihrer Sicht der Aggressor Russland belohnt wĂŒrde. Einige meinen, in Teilen komme der Plan einer Kapitulation gleich. Um diese Punkte geht es vor allem:

  • Die Ukraine soll akzeptieren, dass ein erheblicher Teil ihres Staatsgebiets kĂŒnftig zu Russland gehört - dabei geht es sogar um Gebiete, die bislang nicht von den russischen StreitkrĂ€ften erobert wurden.
  • Die Ukraine soll einwilligen, dass ihre StreitkrĂ€fte auf 600.000 Soldaten begrenzt werden.
  • Russland soll fĂŒr Kriegsverbrechen keine Bestrafung fĂŒrchten mĂŒssen.
  • Russland soll eine Wiederaufnahme in die Gruppe der großen Industrienationen zugesichert werden. Aus der G7 wĂŒrde wieder die G8.
  • Die Nato soll nicht nur auf die Aufnahme der Ukraine, sondern auch auf die Aufnahme anderer neuer Mitglieder verzichten.

Was stört die EuropÀer noch?

Dass die USA selbst Profit aus einem Friedensschluss schlagen wollen. Nach den Vorstellungen Trumps sollen in der EU eingefrorene Gelder der russischen Zentralbank so in den Wiederaufbau der Ukraine investiert werden, dass davon maßgeblich auch US-Unternehmen profitieren.

Mit welchen Punkten können die EuropÀer etwas anfangen?

Es gibt einige AnsĂ€tze, die als konstruktiv angesehen werden. So soll festgelegt werden, dass die Ukraine ihre von Russland infrage gestellte SouverĂ€nitĂ€t behĂ€lt und umfangreiche Sicherheitsgarantien und Hilfe beim Wiederaufbau bekommt. Aus europĂ€ischer Sicht sind allerdings vor allen die Sicherheitsgarantien bislang nicht so ausformuliert, dass sie Russland dauerhaft und wirksam von einem erneuten Angriff abschrecken wĂŒrden. 

Warum ist die EU unmittelbar vom Ukraine-Krieg betroffen?

Die EU-Staaten vertreten ziemlich einhellig die Auffassung, dass in der Ukraine auch ihre eigene Sicherheit verteidigt wird. Gibt man den russischen Angreifern in der Ukraine nach, dann könnten andere europĂ€ische Staaten als NĂ€chstes angegriffen werden. Vor allem die baltischen Staaten und Polen fĂŒhlen sich unmittelbar bedroht. «Wenn die Ukraine diesen Krieg verlieren sollte und möglicherweise kollabiert, dann hat das Auswirkungen auf die gesamte europĂ€ische Politik, auf den gesamten europĂ€ischen Kontinent», sagt Merz.

Mit welcher BegrĂŒndung fordern die EuropĂ€er eine Einbindung? 

Ihre Forderung nach Einbindung in den Friedensprozess begrĂŒnden die EuropĂ€er unter anderem damit, dass einige Punkte sie ganz unmittelbar betreffen, zum Beispiel das Nein zu einer Nato-Mitgliedschaft, die Verwendung des eingefrorenen russischen Vermögens oder die RĂŒckkehr zu einer G8 mit Russland.

Wie gehen die EuropÀer nun vor?

Als Reaktion auf den Friedensplan haben Deutschland, Frankreich und Großbritannien «ÄnderungsvorschlĂ€ge» erarbeitet, die bereits am Samstagmorgen an die USA ĂŒbermittelt wurden. Öffentlich kommuniziert wurden sie bisher nicht, sie werden aber als sehr weitgehend beschrieben. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen soll es unter anderem um weitere Sicherheitsgarantien und den Punkt der Gebietsabtretungen an Russland gehen. Die EuropĂ€er wollen ihre Ideen explizit nicht als «Gegenvorschlag» verstanden wissen, um die Amerikaner nicht von vorneherein zu verprellen. Ziel ist eine gemeinsame Lösung, mit der alle leben können.

Was ist beim G20-Gipfel passiert?

Dort haben sich die dort anwesenden EuropĂ€er getroffen, um sich abzustimmen - allen voran die G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Auch Japan und Kanada wurden eingeladen. Es wurden quasi alle zusammengetrommelt, die die Ukraine in der entscheidenden Phase des Abwehrkampfes gegen Russland nicht im Stich lassen wollen.

Welche Bedeutung hat das Berater-Treffen in Genf?

Es ist die erste direkte Kontaktaufnahme zwischen den USA, der Ukraine und den EuropĂ€ern zu dem Friedensplan. FĂŒr die USA ist Außenminister Marc Rubio dabei, fĂŒr die Ukraine PrĂ€sidentenberater Andrij Jermak und fĂŒr Deutschland flog Kanzlerberater GĂŒnter Sautter von Johannesburg in die Schweiz. Daneben sind Vertreter von Frankreich, Großbritannien, Italien und der EU dabei. Die Runde soll ausloten, was auf der Grundlage des Friedensplans machbar ist. Die Ergebnisse des Treffens sollen der Ausgangspunkt fĂŒr weitere Verhandlungen in den nĂ€chsten Tagen sein.

Wie gut sind die Karten der EuropÀer?

Sie haben kaum Druckmittel in der Hand. Die Alternative zu einem schnellen Friedensschluss ist eine Fortsetzung des Krieges, bei dem die EuropĂ€er die Ukraine möglicherweise alleine ohne die USA unterstĂŒtzen mĂŒssen. Etliche europĂ€ische Spitzenpolitiker geben mehr oder weniger offen zu, dass das mittel- bis langfristig kaum zu leisten ist. So gelten zum Beispiel amerikanische Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot auf absehbare Zeit als unverzichtbar, um den ukrainischen Luftraum gegen russische Drohnen und Raketenangriffe zu verteidigen. Ähnliches gilt fĂŒr die US-Geheimdienstinformationen und weitreichende Raketenwerfer.

Welches Problem haben die EuropÀer noch?

Außerdem sind viele Staats- und Regierungschefs zu Hause mit kriegsmĂŒden WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern konfrontiert, die die kostspielige UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine mehr und mehr infrage stellen. Innerhalb der EU können weitreichende PlĂ€ne fĂŒr mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine schon heute nicht mehr durchgesetzt werden, weil sie Einstimmigkeit erfordern und von LĂ€ndern wie Ungarn und der Slowakei blockiert werden. Aktuell wird darum gerungen, das in der EU eingefrorene Milliarden-Vermögen der russischen Staatsbank fĂŒr die militĂ€rische Hilfe der Ukraine zu nutzen.

Was macht den EuropÀern Hoffnung?

Die Erfahrungen mit der letzten Friedensinitiative Trumps. Damals hatte es nach dem persönlichen Treffen von Trump und Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin in Alaska schon die BefĂŒrchtung gegeben, dass der Ukraine eine Zustimmung zu einem Friedensvertrag aufgezwungen wird. Die EuropĂ€er schafften es dann aber, Trump zu einem Umdenken zu bringen. Ein geplantes zweites Treffen mit Putin kam nicht zustande. Stattdessen ließ Trump sogar neue Sanktionen gegen russische Energieunternehmen verhĂ€ngen. 

Wie verhandlungsbereit sind die Amerikaner jetzt?

Es gibt Signale, dass sie fĂŒr Änderungen offen sind. Am Samstagabend verneinte Trump in Washington die Frage einer Reporterin, ob sein Friedensplan denn nun das letzte Angebot sei. 

Bis wann will Trump zu einer Einigung kommen?

Er hat eine Frist bis Donnerstag gesetzt. In den USA ist dann Thanksgiving, einer der wichtigsten Festtage des Landes. Es gibt Spekulationen darĂŒber, dass Trump bereits konkrete PlĂ€ne fĂŒr eine Unterzeichnungszeremonie in den USA hat. Allerdings gibt es Zweifel, dass Thanksgiving von den Amerikanern wirklich als unverrĂŒckbare Frist angesehen wird. Zu oft haben sich Trumps Fristen in der Vergangenheit als wirkungslos erwiesen.

@ dpa.de

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