Trumps, GesprÀch

Was Trumps GesprÀch mit Putin zum Ukraine-Krieg bringen kann

17.03.2025 - 17:44:21

US-PrÀsident Trump will den russischen Angriffskrieg schnell beenden. Doch Kremlchef Putin steht im Ruf, eine Lösung herauszuzögern. An diesem Dienstag soll ein Telefonat mehr Klarheit bringen.

US-PrĂ€sident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin wollen erneut ĂŒber eine mögliche Beendigung des Kriegs in der Ukraine sprechen. Auf einen US-Vorschlag zu einer 30-tĂ€gigen Waffenruhe hat Putin bisher zurĂŒckhaltend reagiert. Auch ein Treffen der beiden Staatschefs ist angedacht – womöglich in Saudi-Arabien, allerdings bisher ohne konkreten Termin. Was von dem GesprĂ€ch am Dienstag zu erwarten ist – dazu einige Fragen und Antworten:

Es gab schon mehrere GesprĂ€che zwischen Amerikanern und Russen – wie ist der Stand bisher?

Eine Waffenruhe lĂ€sst auf sich warten. Putin erklĂ€rte vergangene Woche, dass Russland grundsĂ€tzlich bereit sei, die Kampfhandlungen - wie von Trump vorgeschlagen - zu beenden. Er betonte allerdings, dass dafĂŒr erst Bedingungen erfĂŒllt sein mĂŒssten. 

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff war vergangene Woche erneut nach Moskau gereist und hatte sich dort mehrere Stunden mit dem Kremlchef ausgetauscht, wie er im US-Sender CNN schilderte. Einer Frage nach Putins mutmaßlichen Forderungen – darunter die Kapitulation der ukrainischen StreitkrĂ€fte im russischen Gebiet Kursk, die internationale Anerkennung der von Moskau annektierten Gebiete sowie ein Stopp westlicher MilitĂ€rhilfen und ein Verbot auslĂ€ndischer Friedenstruppen –, wich Witkoff aus. Er gab an, dass man die Differenzen zwischen den beiden Seiten verringert habe und sie weiter verringern wolle - ohne inhaltliche Details preiszugeben.

Das geplante GesprÀch zwischen Trump und Putin wÀre nach offiziellen Angaben das zweite Telefonat der beiden PrÀsidenten seit Trumps Amtsantritt Ende Januar. 

Mit welchen Zielen und Angeboten fĂŒr Putin geht Trump in das GesprĂ€ch?

Trump drĂ€ngt weiterhin auf eine Waffenruhe. Sein Kurs setzte bislang vor allem die Ukraine unter Druck, wĂ€hrend unklar blieb, welche konkreten ZugestĂ€ndnisse er von Russland fordert. Mit Blick auf die laufenden GesprĂ€che erklĂ€rte er am Sonntag, dass sie unter anderem GebietsansprĂŒche und Kraftwerke betrĂ€fen. Trump sprach vage von einer «Aufteilung bestimmter GĂŒter». Er meinte einerseits, es gebe eine «sehr gute Chance», den Krieg zu beenden. Andererseits sagte er: «Vielleicht gelingt es uns. Vielleicht auch nicht.»

US-Außenminister Marco Rubio unterstrich beim US-Sender CBS, dass der erste Schritt darin bestehe, die Kampfhandlungen zu stoppen. «Es ist schwer, ein dauerhaftes Ende eines Kriegs auszuhandeln, solange man sich gegenseitig beschießt», sagte Rubio. Erst danach könnten alle Parteien an einen Tisch kommen. Es werde «ZugestĂ€ndnisse von beiden Seiten» brauchen.

Was ist von Putins bekundeter Bereitschaft zu einer Lösung des Konflikts zu halten?

Die Ukraine und ihre westlichen VerbĂŒndeten werfen Putin immer wieder vor, kein Interesse an einem Kriegsende zu haben, er wolle vielmehr das angegriffene Land zerstören. Russland selbst spielt vor allem auf Zeit, weil es auf dem Vormarsch ist - und bis zu einem eventuellen Friedensschluss der Ukraine noch möglichst viel Gebiet entreißen will. Eine wie auch immer geartete Waffenruhe dĂŒrfte sich Putin zudem gut bezahlen lassen von Trump - etwa mit einem Ende der Sanktionen.

Der Kreml betont immer wieder die Bereitschaft zum Dialog und zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts - allerdings zu Putins Bedingungen. Russland will, wie Vizeaußenminister Sergej Rjabkow sagte, eine eiserne Garantie, dass die Ukraine niemals Nato-Mitglied wird. Zu Moskaus Grundforderungen gehören auch weitgehende Rechte fĂŒr den verbleibenden russischsprachigen Teil der ukrainischen Bevölkerung.

Klar ist zudem, dass die Ukraine aus russischer Sicht mindestens auf die bisher besetzten Teile der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja und auf die bereits 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim verzichten mĂŒsste. Ein Kompromiss könnte laut der russischen Zeitung «Nesawissimaja Gaseta» aber darin bestehen, dass Putin abrĂŒckt von seiner Forderung, dass die Ukraine diese Gebiete komplett aufgibt. 

Wie reagiert die Ukraine auf die GesprÀche zwischen Washington und Moskau?

Kiew reagiert mit einer Mischung aus Anpassung und Trotz auf die neue Lage. Einerseits wird stark RĂŒcksicht auf die Befindlichkeiten Washingtons genommen und alles getan, um eine erneute Aussetzung der US-amerikanischen MilitĂ€rhilfen zu vermeiden. Andererseits versucht Kiew, Moskau die Sabotage eines Friedensschlusses anzulasten und neue VerbĂŒndete zu finden.

Trotz mehrfacher Äußerungen von US-Seite und auch von Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte, dass ein Beitritt zu dem VerteidigungsbĂŒndnis vom Tisch sei, bestehen ukrainische Vertreter weiter genau darauf. Im Interview der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine sagte Außenminister Andrij Sybiha trotzig: «Die Nato kann nicht von der Tagesordnung genommen werden, das ist Position Nummer eins.» Es sei das Recht seines Landes.

Ebenso unterstrich Sybiha das von Washington bereits ignorierte Prinzip «nichts ĂŒber die Ukraine ohne die Ukraine», womit Kiews Einbeziehung in alle GesprĂ€che gefordert wird. Auch einer von Moskau geforderten AbrĂŒstung der Ukraine erteilte Sybiha eine klare Absage. 

Worauf muss sich die Ukraine einstellen im Fall eines Deals zwischen Trump und Putin?

Neben dem möglichen Verlust einer Nato-Perspektive drohen dem Land wegen des Wegfalls von US-Hilfen finanziell schwierige Zeiten. Eine lange hinausgezögerte Steuerreform könnte Berichten zufolge nun schnell erfolgen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Das dĂŒrfte den Unmut in der Bevölkerung erhöhen. 

Offiziell wird die Ukraine kaum auf ihre von Russland besetzten Gebiete verzichten. Die Forderungen, dass die Russen aus allen besetzten Gebieten abziehen, sind aber praktisch verstummt. Selenskyj spricht weniger von einem Sieg, als von einem gerechten und dauerhaften Frieden sowie von Sicherheitsgarantien fĂŒr das Land. 

Die entscheidende Frage ist, wie die Ukraine nach einem Ende der KĂ€mpfe geschĂŒtzt werden kann vor neuen russischen Angriffen. «Die Ukraine kann nicht unter der Drohung eines erneuten Angriffs leben», sagte Selenskyj. Er will als Sicherheit eine Kombination von Nato- und EU-Mitgliedschaft, die Stationierung von europĂ€ischen Truppen und eine starke eigene Armee. 

Wie ist die militÀrische Lage in dem Land?

Entlang der ĂŒber 1.000 Kilometer langen Frontlinie stehen die ukrainischen Truppen weiter unter Druck. Der BrĂŒckenkopf im russischen Grenzgebiet Kursk droht nach der Aufgabe der Kleinstadt Sudscha innerhalb der kommenden Tage komplett verloren zu gehen. 

Mit dem RĂŒckzug aus Kursk droht auch die Stimmung im Land weiter ins Negative zu kippen. Der gewagte Vorstoß nach Kursk im August vergangenen Jahres war vor allem damit begrĂŒndet worden, einen Trumpf fĂŒr kommende Verhandlungen mit Russland herauszukĂ€mpfen. Diese Hoffnung scheint sich nun als trĂŒgerisch zu erweisen.

Und die russischen Truppen versuchen an anderen vermeintlich ruhigen Frontabschnitten wieder in die Offensive zu gehen. So sind im sĂŒdukrainischen Gebiet Saporischschja bei Orichiw nach Berichten beider Seiten mehrere Dörfer in russische Hand gefallen. Kleinere Gebietsgewinne verzeichnete die russische Seite auch im ostukrainischen Gebiet Charkiw. 

WĂ€hrenddessen ist die Front an mehreren Abschnitten im Donezker Gebiet vor allem bei der Bergarbeiterstadt Pokrowsk auch durch ukrainische Truppenverlegungen aus dem Kursker Gebiet vorerst stabilisiert worden. Dennoch sind die militĂ€rischen Aussichten nach mehr als drei Jahren Krieg fĂŒr die Ukraine insgesamt aktuell eher mau.

@ dpa.de