Doch keine Zölle: Trump und «das groĂe, schöne StĂŒck Eis»
21.01.2026 - 22:43:45 | dpa.deErst hĂ€lt Donald Trump eine Rede voller Feindseligkeiten gegenĂŒber Europa - dann scheint es plötzlich eine AnnĂ€herung im Grönland-Konflikt zu geben. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ĂŒberschlagen sich am Abend die Ereignisse zu Trumps Ansinnen, Grönland den USA einzuverleiben.
Der US-PrĂ€sident will seine Zollandrohung gegen Deutschland und andere europĂ€ische LĂ€nder zum 1. Februar in Höhe von 10 Prozent auf Warenimporte in die USA nun doch nicht wahr machen. Der Grund: Es gab ein Treffen mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte. Was genau besprochen wurde, ist kurz danach ziemlich unklar. Trump verkĂŒndet auf seinem Sprachrohr Truth Social lediglich, es sei ein Rahmen fĂŒr eine zukĂŒnftige Vereinbarung ĂŒber Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden - daher sollen doch keine Zusatzzölle kommen. Rutte bestĂ€tigte Trumps Angaben zu einem Rahmen fĂŒr ein mögliches Grönland-Abkommen.
Nur wenige Stunden zuvor hatte das EU-Parlament im Gegenzug zu Trumps Zollandrohung die Ratifizierung des Handelsdeals mit den USA gestoppt.
Damit hatte Trump gedroht
Es ist nicht einmal eine Woche her, dass der US-PrĂ€sident in einem beispiellosen Schritt unter Verweis auf den Grönland-Konflikt die Zölle ausgesprochen hatte - es sollten acht Nato-LĂ€nder damit bestraft werden, die Widerstand gegen Trumps BesitzansprĂŒche auf die Arktisinsel geĂ€uĂert haben. Darunter ist Deutschland. Nach den ersten 10 Prozent sollten die Zölle zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen - auf alle Waren, die in die USA gesendet werden. Aktuell gilt seit Sommer fĂŒr die meisten EU-Exporte nach Amerika ein Zollsatz von 15 Prozent.Â
Was haben Trump und Rutte vereinbart?Â
Konkrete Details dazu, wie der Rahmen fĂŒr eine zukĂŒnftige Vereinbarung aussehen soll, lieĂ Trump zunĂ€chst offen. Auf die Frage, ob es um einen Deal zum Besitz Grönlands gehe, sagte Trump dem US-Sender CNBC nur, es sei «etwas komplex». Er betonte allerdings, die Vereinbarung wĂ€re «fĂŒr immer». Dabei gehe es unter anderem um Sicherheitsfragen.Â
«Der Tag endet besser, als er begonnen hat», sagte der dĂ€nische AuĂenminister Lars LĂžkke Rasmussen dem dĂ€nischen Rundfunk. «Zwei Dinge nehme ich aus Davos mit: Dass Trump sagt, dass er Grönland nicht angreift (...) und dass der Zoll-Krieg auf Standby ist. Das ist positiv.»
Angaben aus informierten Kreisen in Davos deuteten darauf hin, dass es bei der Ăbereinkunft zwischen Trump und Rutte nicht um den Besitz der ganzen Insel zu gehen scheint. Demnach soll ein zwischen den USA und DĂ€nemark 1951 geschlossenes Verteidigungsabkommen fĂŒr Grönland neu ausgearbeitet werden. Zudem soll es um das Thema Investitionskontrolle gehen - die Amerikaner wollen mit entscheiden, wer auf Grönland investiert und zum Beispiel Rohstoffe abbaut. Teil der Ăbereinkunft soll den Angaben nach auch ein stĂ€rkeres Engagement der europĂ€ischen Nato-Staaten im arktischen Raum sein.Â
Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Teil der Diskussion in der Nato ĂŒber einen möglichen Kompromiss sei, dass DĂ€nemark den Vereinigten Staaten die SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber kleine Gebiete Grönlands ĂŒbertragen könnte, auf denen die USA dann MilitĂ€rstĂŒtzpunkte errichten könnten. In dem Bericht wurde aber auch klar, dass noch vieles im Fluss zu sein scheint.Â
Trumps Rede in Davos
Der Tag hatte ganz anders begonnen. Ein «groĂes, schönes StĂŒck Eis» - so nannte Trump das, was er will. Immer wieder kam er in seiner Rede vor den MĂ€chtigen aus Wirtschaft und Politik in dem Schweizer Alpenort auf den Kern der jĂŒngsten Aufregung zurĂŒck - er verlangt Grönland. Nur so seien die USA, nur so sei die Welt sicher, sagte Trump. Von einer gewaltsamen Ăbernahme Grönlands wolle er zwar absehen. Aber ĂŒber einen Deal wolle er unverzĂŒglich verhandeln. Der Druck auf Europa, dem Trump wegen Grönland mit neuen Zöllen droht, war nach seiner Rede weiter gewachsen.Â
Mantra Grönlandkauf
Der US-PrĂ€sident teilte darin in bekannter Manier aus. Er Ă€uĂerte sich herablassend ĂŒber die EuropĂ€er, die doch stets vor ihm einknicken wĂŒrden. Zwischendurch sagte er, dass er Europa liebe.
Immer wieder knöpfte sich Trump in der Rede, die auch Rutte mitverfolgte, die Nato vor. Die USA seien es, die das BĂŒndnis fast vollstĂ€ndig finanzierten, so der Vorwurf. Und das Einzige, was er im Gegenzug wolle, sei doch nur dieses StĂŒck Eis namens Grönland. Wie ein Mantra zog sich das durch die Rede. Manchmal schien er sich zu versprechen und redete von Island («Iceland»).Â
«Ich habe groĂen Respekt sowohl gegenĂŒber den Menschen in Grönland als auch gegenĂŒber den Menschen in DĂ€nemark», sagte Trump. Aber jeder Nato-VerbĂŒndete mĂŒsse eben sein eigenes Territorium verteidigen können - und das könnten Grönland und DĂ€nemark nicht.Â
Trumps Grönland-AnsprĂŒche und die damit verbundenen Drohungen haben die EuropĂ€er in eine schwierige Lage gebracht: Sie können nicht einfach den Bruch mit Trump riskieren, denn ihre LĂ€nder sind militĂ€risch von den Vereinigten Staaten abhĂ€ngig. Oder wie Trump es sagt: Die Nato wĂ€re ohne ihn nichts.Â
Von den USA zeichnete er ein Bild der StĂ€rke - ein Jahr nach seinem Amtsantritt als 47. PrĂ€sident der Vereinigten Staaten. Die USA seien das angesagteste Land der Welt.Â
Trump: Ein Schutzschild auf Grönland
Immer stĂ€rker deutet sich an, warum Trump es auf Grönland abgesehen haben könnte: Auf der Insel plant er den Bau des gröĂten «Golden Dome», den es je gegeben hat. Das wĂ€re ein Verteidigungssystem, Ă€hnlich wie Israel es nutzt. Der Schutzschild soll Nordamerika verteidigen. Die Ăbereinkunft mit Rutte könnte Trump nun die Möglichkeit eröffnen, diesen «Dome» auf Grönland zu errichten.Â
Schon lĂ€nger beansprucht die Trump-Regierung die Kontrolle ĂŒber die sogenannte HemisphĂ€re mit dem Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln. Das zeigen viele Beispiele: Die Umbenennung des Golfs von Mexiko in «Golf von Amerika», Angriffe auf angeblich mit Drogen beladene Schiffe in der Karibik und im Ost-Pazifik, der Sturz des autoritĂ€r regierenden venezolanischen Staatschefs NicolĂĄs Maduro - und jetzt der Besitzanspruch auf Grönland.Â
Merz kann morgen antworten
Aus der Bundesregierung kam eine erste zurĂŒckhaltende Reaktion auf Trumps ZollrĂŒckzieher. «Nach dem Hin und Her der letzten Tage warten wir jetzt mal das Substanzielle ab, welche Verabredung es zwischen Herrn Rutte und Herrn Trump gibt», sagte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) im ZDF-«Heute Journal». Am Donnerstag könnte sich Bundeskanzler Friedrich Merz zu Trumps AnkĂŒndigung verhalten. Dann ist er dran in Davos mit einer Rede.
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