US-Vermittler Witkoff und Kushner erstmals in Kiew
Veröffentlicht am: 06.09.2026 um 12:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs haben die US-UnterhĂ€ndler Steve Witkoff und Jared Kushner erstmals Kiew besucht. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj empfing sie unter freiem Himmel vor der Sophienkathedrale, einem Symbol fĂŒr die lange historische Tradition des Landes. «Wir haben GesprĂ€che begonnen», schrieb Selenskyj auf dem Portal X.Â
Nach einer ersten GesprĂ€chsrunde stieĂen die ebenfalls angereisten die Sicherheitsberater der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien zu den Unterredungen hinzu, wie ukrainische Medien berichteten. Zum Verlauf der GesprĂ€che wurden zunĂ€chst keine Informationen veröffentlicht.
Am Vortag hatten der Sondergesandte Witkoff und Kushner, der Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump, in Moskau GesprĂ€che ĂŒber ein mögliches Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gefĂŒhrt. Sie sprachen fast drei Stunden mit Kremlchef Wladimir Putin.
Selenskyj erklĂ€rte: «Wir sind daran interessiert, ein Ende des Krieges nĂ€herzubringen.» Die Ukraine brauche Sicherheitsgarantien und eine wĂŒrdige Nachkriegsordnung. Insgesamt waren die Erwartungen in Kiew wie in Moskau an die neuen VermittlungsbemĂŒhungen der USA aber gering.Â
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US-UnterhÀndler waren mehrfach in Moskau
Witkoff und Kushner haben seit 2025 mehrmals Moskau besucht, waren fĂŒr ihre VermittlungsbemĂŒhungen aber noch nie in Kiew. Damit hatten sie bei Selenskyj fĂŒr Unmut gesorgt. Im April kritisierte er, es sei respektlos, nach Moskau zu reisen und nicht nach Kiew zu kommen.Â
Trotzdem dĂŒrften auch die jĂŒngsten EindrĂŒcke aus Moskau in Kiew nicht gut angekommen sein. Putin erklĂ€rte, dass Witkoff und Kushner inzwischen das Vertrauen der russischen Seite hĂ€tten. «FĂŒr uns ist die Zusammenarbeit mit ihnen komfortabel», sagte der PrĂ€sident. Witkoff sagte, die Treffen mit Putin gehörten fĂŒr ihn zu den erinnerungswĂŒrdigsten ĂŒberhaupt.
Putin habe seine EinschĂ€tzung der Lage abgegeben, berichtete dessen auĂenpolitischer Berater Juri Uschakow. «Insbesondere wurden die tatsĂ€chlichen Erfolge der russischen Armee beim Vormarsch im Einsatzgebiet hervorgehoben», sagte er. Allerdings geben Experten ĂŒber die vermeintlichen und realen Fortschritte der Kriegsparteien im Frontgebiet unterschiedliche EinschĂ€tzungen ab. Immer wieder gibt es Zweifel, ob Putin von seinem Generalstab wahrheitsgemĂ€Ă ĂŒber die Lage informiert wird.
Die «New York Times» hatte im Vorfeld unter Berufung auf mit den diplomatischen BemĂŒhungen vertraute Beamte berichtet, dass sich die Verhandlungen ĂŒber die Reise wochenlang zogen. Die USA hĂ€tten darauf bestanden, dass die Ukrainer ihre Drohnenangriffe auf Moskau und die russische Energieinfrastruktur vorĂŒbergehend einstellen, solange sich Witkoff und Kushner in Russland aufhalten. Die russischen StreitkrĂ€fte mĂŒssten ihre Raketenangriffe auf Kiew stoppen, schrieb die Zeitung.Â
Anreise mit der Bahn aus Polen
Nach dem Treffen in Moskau flogen die US-UnterhĂ€ndler zurĂŒck auf EU-Gebiet und landeten in Rzeszow in Ostpolen. Von dort nahmen sie wie andere auslĂ€ndische Politiker den Zug fĂŒr den Besuch in Kiew. Vorher hatte es Ăberlegungen ĂŒber eine Anreise mit dem Flugzeug gegeben. Allerdings ruht der zivile Flugverkehr ĂŒber der Ukraine seit Kriegsbeginn 2022. Selenskyj warf Russland vor, vor dem Besuch gezielt die Kiewer FlughĂ€fen Schuljany und Boryspil beschossen zu haben, um die US-Vermittler abzuschrecken.
Trotzdem galten fĂŒr die Dauer der Vermittlungsmission Zusagen beider Seiten, die HauptstĂ€dte Moskau und Kiew nicht anzugreifen. In Kiew freuten sich viele Menschen, nach Tagen mit Luftalarm fast rund um die Uhr in der Nacht zu Sonntag wieder einmal durchzuschlafen.Â
An anderen Orten gab es indes Luftangriffe. In der frontnahen sĂŒdukrainischen GroĂstadt Saporischschja wurden zwei Frauen durch russische Drohnen verletzt. Am Abend vorher hatte es drei Tote in der Stadt Tschuhujiw im Gebiet Charkiw gegeben. Ukrainische Drohnen verursachten einen Brand in der Raffinerie der russischen Stadt Rjasan sĂŒdöstlich von Moskau. Auch das Gebiet Rostow im SĂŒden wurde angegriffen.
Zeichen stehen auf EskalationÂ
Witkoff und Kushner sind in der Trump-Regierung fĂŒr die BemĂŒhungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs zustĂ€ndig. «Wir haben sie dorthin geschickt, um zu prĂŒfen, ob wir etwas erreichen können», hatte US-PrĂ€sident Trump im Vorfeld gesagt. Er zeigte sich erneut optimistisch, dass dies gelingen könne. Bisher haben die BemĂŒhungen der USA aber noch keinen Durchbruch gebracht. Als Vermittler saĂ Washington bei direkten GesprĂ€chen Moskaus und Kiews in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Februar in Genf mit am Tisch. Zuletzt lagen die Verhandlungen auf Eis â auch weil die USA durch ihren eigenen Krieg im Iran abgelenkt waren.
Auch im Ukraine-Krieg stehen die Zeichen derzeit eher auf Eskalation. An der Front gibt es kaum Bewegung, gleichzeitig haben beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensiviert. Moskau setzt vermehrt auf Angriffe mit den besonders schwer abzuwehrenden ballistischen Raketen â auch in dem Wissen, dass es Kiew an Abwehrraketen mangelt. Die Ukraine hat ihre Angriffe vor allem mit Drohnen ins russische Hinterland stark ausgeweitet. RegelmĂ€Ăig nimmt sie Raffinerien und Logistikzentren von Online-VersandhĂ€ndlern ins Visier. Im Juli sind Beobachtern der Vereinten Nationen zufolge so viele Zivilisten ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr in einem Monat.Â
