USA, Venezuela

Maduro vor Gericht in New York: «Ich bin nicht schuldig»

05.01.2026 - 19:59:12

Venezuelas Staatschef Maduro wird einem US-Richter vorgefĂŒhrt. Der Vorwurf: «Drogenterrorismus». Vor dem GebĂ€ude in New York protestieren UnterstĂŒtzer, auch international wĂ€chst die Kritik am US-Kurs.

  • NicolĂĄs Maduro ist fĂŒr seinen ersten Termin zu einem Gericht in New York gebracht worden.  - Foto: Stefan Jeremiah/FR171756 AP/AP/dpa

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  • Maduro war nach seiner Gefangennahme zunĂ€chst auf einem Kriegsschiff nach GuantĂĄnamo gebracht und dann in die USA geflogen worden.  - Foto: Uncredited/TruthSocial/AP/dpa

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  • NicolĂĄs Maduro wurde von SpezialkrĂ€ften begleitet. - Foto: WABC/WABC TV/AP/dpa

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  • Vor dem GerichtsgebĂ€ude solidarisierten sich viele UnterstĂŒtzer mit Maduro.  - Foto: Milo Hess/ZUMA Press Wire/dpa

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  • Das GerichtsgebĂ€ude, in dem die Anhörung Maduros stattfand. - Foto: Zhang Fengguo/XinHua/dpa

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  • Demonstranten haben sich vor dem GerichtsgebĂ€ude versammelt.  - Foto: Anna Ringle/dpa

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NicolĂĄs Maduro ist fĂŒr seinen ersten Termin zu einem Gericht in New York gebracht worden.  - Foto: Stefan Jeremiah/FR171756 AP/AP/dpaMaduro war nach seiner Gefangennahme zunĂ€chst auf einem Kriegsschiff nach GuantĂĄnamo gebracht und dann in die USA geflogen worden.  - Foto: Uncredited/TruthSocial/AP/dpaNicolĂĄs Maduro wurde von SpezialkrĂ€ften begleitet. - Foto: WABC/WABC TV/AP/dpaVor dem GerichtsgebĂ€ude solidarisierten sich viele UnterstĂŒtzer mit Maduro.  - Foto: Milo Hess/ZUMA Press Wire/dpaDas GerichtsgebĂ€ude, in dem die Anhörung Maduros stattfand. - Foto: Zhang Fengguo/XinHua/dpaDemonstranten haben sich vor dem GerichtsgebĂ€ude versammelt.  - Foto: Anna Ringle/dpa

Unter weltweiter Beobachtung hat sich der von US-SpezialkrĂ€ften gefangengenommene venezolanische PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro vor einem Gericht in New York fĂŒr «nicht schuldig» erklĂ€rt. Der 63-JĂ€hrige wurde in GefĂ€ngniskleidung zu seiner ersten Anhörung vorgefĂŒhrt. Auf Spanisch sagte er, er sei «entfĂŒhrt» worden.

«Ich bin nicht schuldig», sagte Maduro laut Übersetzer, wie eine dpa-Reporterin aus dem GerichtsgebĂ€ude berichtete. Er ergĂ€nzte: «Ich bin ein anstĂ€ndiger Mensch, ich bin immer noch der PrĂ€sident meines Landes». Richter Alvin Hellerstein unterbrach ihn und sagte, es gebe die Zeit und den Ort dafĂŒr, sich ausfĂŒhrlicher zu Ă€ußern. Gefragt worden war Maduro nur nach seiner IdentitĂ€t.

Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores waren am Wochenende von US-Soldaten in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gefangengenommen worden und in eine Haftanstalt in New York gekommen. Dem sozialistischen, autoritÀr  Politiker werden vier Anklagepunkte vorgeworfen, unter anderem «Verschwörung zum Drogenterrorismus». 

Auch Maduros ebenfalls angeklagte Frau sagte, sie sei «komplett» unschuldig. Die Strafverteidiger des Paares sprachen von gesundheitlichen Problemen Maduros sowie von Verletzungen, die Flores erlitten habe, ohne genau ins Detail zu gehen.

Maduro blickt zu seiner Frau

Die Anhörung wurde in andere RĂ€ume im GerichtsgebĂ€ude ĂŒbertragen. Maduro und seine Ehefrau saßen an einer Tischreihe, aber nicht direkt nebeneinander. Maduro blĂ€tterte in Akten und machte sich Notizen. Beide waren umgeben von AnwĂ€lten. Als Maduros Ehefrau vor dem Richter sprach, blickte der entmachtete Staatschef zu seiner Frau.

Eine Freilassung gegen Kaution werde «zum jetzigen Zeitpunkt» nicht angestrebt, sagte Maduros Anwalt. Die nÀchste Anhörung wurde auf den 17. MÀrz terminiert. Richter Alvin Hellerstein sagte, es sei sein Job, dass es zu einem fairen Prozess komme.

Auf der Straße vor dem Bundesgericht hatten sich vor der gut 30-minĂŒtigen Anhörung Dutzende Demonstranten versammelt - sowohl UnterstĂŒtzer Maduros als auch solche von US-PrĂ€sident Donald Trump, der den Angriff auf das sĂŒdamerikanische Land und die Verschleppung des PrĂ€sidenten als einen Coup fĂŒr sich verbucht hatte.

Schwere VorwĂŒrfe gegen Maduro

Mitangeklagt in New York ist auch Maduros Sohn, der weiter in Venezuela ist. Zudem richten sich die VorwĂŒrfe unter anderem gegen den aktuellen sowie den frĂŒheren Innenminister.

Maduros Sohn, der Abgeordnete NicolĂĄs Maduro Guerra, prangerte vor dem Parlament in Caracas das gewaltsame Vorgehen der USA an. «Wenn wir die EntfĂŒhrung von Staatschefs normalisieren, ist kein Land mehr sicher. Heute ist es Venezuela, morgen kann es jedes andere Land sein, das sich nicht unterwirft.»

Die USA werfen Maduro vor, sein aus deren Sicht illegal erlangtes Amt dafĂŒr genutzt zu haben, dass Tausende Tonnen Kokain in die USA transportiert werden konnten. Maduro habe selbst fĂŒr sich daraus Vorteile gezogen und soll sich dafĂŒr mit DrogenhĂ€ndlern verbĂŒndet haben.

Diskussion ĂŒber die RechtsmĂ€ĂŸigkeit des US-Vorgehens

Experten betrachten den US-Angriff auf Venezuela als Verstoß gegen das Völkerrecht. Eine zentrale Frage ist auch, ob Maduro als Staatschef nicht besondere ImmunitĂ€t genießen sollte - und entsprechend nicht hĂ€tte außer Landes geschafft und angeklagt werden dĂŒrfen. Der Anwalt Maduros deutete bei der ersten Anhörung bereits an, dass es Zweifel an der RechtmĂ€ĂŸigkeit des Vorgehens gebe. 

StaatsoberhĂ€upter genießen nach geltendem Gewohnheitsrecht persönliche ImmunitĂ€t, wie Holger Hestermeyer, der an der Diplomatischen Akademie Wien Internationales Recht und EU-Recht lehrt, im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur erklĂ€rte. «Sie können nicht vor Gerichten anderer Staaten angeklagt werden», sagte er. Die USA dĂŒrften sich seiner EinschĂ€tzung nach aber darauf berufen, dass sie Maduros Regierung wie viele andere Staaten nicht anerkannt haben. Die Konsequenzen daraus seien aber umstritten.

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron kritisierte zudem die von den USA angewandte «Methode» zur Festnahme. Diese werde von Frankreich «weder unterstĂŒtzt noch gebilligt». 

Am Montag verurteilten außerdem Russland und China das Vorgehen der USA in einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates scharf. Russland beschrieb es als «Vorbote einer RĂŒckkehr in eine Ära der Gesetzlosigkeit und US-Dominanz durch Gewalt, Chaos und WillkĂŒr». China kritisierte: «Kein Land kann als Weltpolizei agieren, und kein Staat kann sich anmaßen, der internationale Richter zu sein». Beide LĂ€nder forderten die Freilassung Maduros und seiner Ehefrau.

«New York Times»: mehr als 80 Tote bei US-Angriff

Die venezolanische Regierung hat bislang nicht mitgeteilt, wie viele Menschen bei dem US-Einsatz zur Ergreifung Maduros getötet und verletzt wurden. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen ranghohen venezolanischen Beamten von ĂŒber 80 Toten. Die zur geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin ernannte Delcy RodrĂ­guez besuchte am Montag verletzte Soldaten.

Die Regierung in Venezuela richtete eine Kommission ein, die sich fĂŒr die Freilassung des seit 2013 amtierenden PrĂ€sidenten und dessen Frau einsetzen soll. Der Arbeitsgruppe gehören unter anderem der am Montag wieder gewĂ€hlte ParlamentsprĂ€sident Jorge RodrĂ­guez und Außenminister YvĂĄn Gil an. Beobachter halten es allerdings fĂŒr unwahrscheinlich, dass die US-Behörden Maduro wieder auf freien Fuß setzen.

MilitÀrs sollen DrogenhÀndler gegen Schmiergeld gewÀhren lassen

Nach Auffassung der US-Regierung ist Maduro schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr der rechtmĂ€ĂŸige PrĂ€sident des sĂŒdamerikanischen Landes. Damals verlor er nach EinschĂ€tzung der Opposition und internationaler Beobachter die PrĂ€sidentenwahl. Das regierungstreue Wahlamt erklĂ€rte ihn trotzdem zum Sieger, und er ließ sich fĂŒr eine weitere Amtszeit vereidigen.

Die US-Regierung geht davon aus, dass Maduro und ranghohe MilitĂ€rs ĂŒber das sogenannte «Cartel de los Soles» (Kartell der Sonnen) in den Drogenhandel verstrickt sind. Der Name ist den Sonnen auf den Schulterklappen venezolanischer GenerĂ€le entlehnt. 

Bei dem Kartell handelt es sich nach EinschÀtzung von Sicherheitsexperten allerdings nicht um eine hierarchisch organisierte Gruppe, die selbst mit Drogen handelt, sondern vielmehr um ein System der Patronage, in dem die MilitÀrs gegen Schmiergeld bereits etablierte Verbrechersyndikate in Venezuela operieren lassen und ihnen gegebenenfalls Schutz anbieten.

@ dpa.de