Kritik, Deutschlands

Kritik an Deutschlands Umgang mit Pro-PalÀstina-Demos

09.11.2023 - 14:40:39

Versammlungsfreiheit, Rassismus, Rechte von Asylsuchenden: Deutschland muss sich beim Menschenrechtsrat Fragen gefallen lassen - und bekommt Rat, was verbessert werden sollte.

Bei einer turnusmĂ€ĂŸigen ÜberprĂŒfung der Menschenrechtslage in Deutschland im Rahmen des UN-Menschenrechtsrates haben mehrere LĂ€nder Kritik an der Bundesregierung geĂŒbt. Muslimisch geprĂ€gte Staaten bemĂ€ngelten am Donnerstag in Genf etwa die teilweise EinschrĂ€nkung von propalĂ€stinensischen Demonstrationen in Deutschland. Vertreter Katars, Libyens, Ägyptens und anderer LĂ€nder erklĂ€rten in ihren Wortmeldungen, dass damit das Recht auf Versammlungsfreiheit eingeschrĂ€nkt werde.

Eine Vertreterin der palĂ€stinensischen Gebiete kritisierte Waffenlieferungen an Israel, mit denen nach ihrer Darstellung Kriegsverbrechen begangen werden. Aus Sicht der TĂŒrkei werden Übergriffe gegen Muslime in Deutschland nicht ausreichend verfolgt. Der Iran und mehrere andere LĂ€nder bemĂ€ngelten die Diskriminierung von Musliminnen mit KopftĂŒchern. Deutsche Menschenrechtlerinnen kritisierten die BeschlĂŒsse des Migrationsgipfels.

Kritik an EinschrÀnkung von Asylbewerberleistungen

Franziska Vilmar von Amnesty International sagte, statt darĂŒber zu reden, wie Menschen abgeschoben oder von Deutschland ferngehalten werden können, solle mehr fĂŒr die Integration getan werden. Aus der Debatte darĂŒber, wie die Aufnahme von GeflĂŒchteten bewerkstelligt werden kann, sei eine Debatte ĂŒber Geld und die BeschrĂ€nkung der Rechte der Menschen geworden, sagte die Direktorin des Deutschen Instituts fĂŒr Menschenrechte, Beate Rudolf. Sie bezog sich auf die jĂŒngste Einigung von Bund und LĂ€ndern, Leistungen fĂŒr Asylbewerber zu kĂŒrzen. «Das ist nicht hinnehmbar», sagte sie.

Die Debatte drĂ€nge auch andere dringenden Themen aus dem Fokus, etwa die Armut in Deutschland. Das spiele Rechtspopulisten in die HĂ€nde, sagte Rudolf. Sie nutzten die Angst vor einem Abrutschen in die Armut aus und lenkten sie gegen FlĂŒchtlinge, indem sie ungerechtfertigten Neid auf Leistungen fĂŒr FlĂŒchtlinge weckten.

Problem Rassismus

Die deutsche Delegation rĂ€umte unter anderem ein, dass gegen Rassismus auf politischer Ebene lange zu wenig getan worden sei. In der Ausbildung von PolizeikrĂ€ften habe das Thema inzwischen hohe PrioritĂ€t. Sie versprach mehr Einsatz fĂŒr Rechte von Behinderten, Geschlechtergleichstellung und gegen den Klimawandel.

Im Rahmen des UN-Menschenrechtsrates muss die Bundesregierung in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden Rede und Antwort zur Lage der Menschenrechte in Deutschland stehen. Solche PrĂŒfungen finden fĂŒr jedes Land alle vier bis fĂŒnf Jahre statt. Mehr als 100 LĂ€nder hatten WortbeitrĂ€ge angemeldet.

@ dpa.de