Unesco: Wasserknappheit kann Frieden weltweit bedrohen
22.03.2024 - 00:23:47Die zunehmende Wasserknappheit kann nach Ansicht der UN-Kulturorganisation Unesco Konflikte auf der ganzen Welt anfachen. «Wenn wir den Frieden bewahren wollen, mĂŒssen wir nicht nur schnell handeln, um die Wasserressourcen zu schĂŒtzen, sondern auch, um die regionale und globale Zusammenarbeit in diesem Bereich zu stĂ€rken», sagte Generaldirektorin Audrey Azoulay anlĂ€sslich der Veröffentlichung des jĂ€hrlichen Unesco-Wasserberichts.
Demnach leidet etwa die HÀlfte der Weltbevölkerung zumindest saisonal unter schwerer Wasserknappheit. Und mehr als zwei Milliarden Menschen leben ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 3,5 Milliarden Menschen können keine sauberen SanitÀreinrichtungen benutzen.
Das Bevölkerungswachstum ist den Angaben zufolge nicht unbedingt verantwortlich fĂŒr den steigenden Wasserbedarf: Dort, wo die Bevölkerung am schnellsten wĂ€chst, ist der Pro-Kopf-Verbrauch oft am niedrigsten.
Wassermangel aufgrund des Klimawandels
Der SĂŒĂwasserverbrauch steigt den Angaben zufolge jĂ€hrlich um ein Prozent. Grund seien etwa verĂ€nderte ErnĂ€hrungsgewohnheiten, hieĂ es. Auch wenn knapp 70 Prozent des aus dem natĂŒrlichen Kreislauf entnommenen SĂŒĂwassers auf die Landwirtschaft entfielen, seien fĂŒr den steigenden Bedarf vor allem die Industrie (20 Prozent) und die Haushalte (10 Prozent) verantwortlich.
Wasserknappheit hat demnach auch negative Folgen fĂŒr Frauen und MĂ€dchen, insbesondere fĂŒr deren Schulbildung. In vielen lĂ€ndlichen Gebieten sind sie den Angaben zufolge fĂŒr die immer zeitraubendere Wasserversorgung zustĂ€ndig - worunter die Ausbildung leide. Der Wassermangel gilt dem Bericht zufolge auch als ein Treiber fĂŒr Migration. «Fast immer sind es die Ă€rmsten und schwĂ€chsten Gruppen, deren Wohlergehen und Existenz am stĂ€rksten gefĂ€hrdet sind», heiĂt es in dem Unesco-Bericht.
Internationale Lösungen werden gefordert
Zu einem signifikanten «Auslöser» fĂŒr Konflikte hat sich Wasser zwar anders als erwartet bislang nicht entwickelt. Die Wasserknappheit hat nach Ansicht der Unesco aber das Potenzial, Streitigkeiten anzufachen. Zum Beispiel habe die EntwĂ€sserung von Sumpfgebieten in der Sahelzone in Afrika - etwa durch schlecht durchdachte WassererschlieĂungsprojekte - zu Streitigkeiten ĂŒber den Zugang zu Wasser und fruchtbarem Land gefĂŒhrt.
«Unter anderem aufgrund des Klimawandels gibt es immer mehr Wasserknappheit, mehr Konflikte und es besteht die Gefahr, dass es in Zukunft auch Kriege um Wasser geben könnte», sagte Sonja Köppel, Leiterin des Sekretariats der UN-Wasserkonvention, der Deutschen Presse-Agentur. Daher empfiehlt die Unesco mehr Zusammenarbeit bei der grenzĂŒberschreitenden Wassernutzung, etwa durch die Wasserkonvention.
Die Konvention von 1992 hilft NachbarlĂ€ndern, die sich Wasserressourcen teilen, ein gemeinsames Management zu schaffen, um Konflikte zu verhindern. Sie erlebt nach Angaben von Köppel gerade einen Boom: Die Vereinbarung war ursprĂŒnglich fĂŒr die Region Europa und Zentralasien konzipiert, ist seit 2016 aber fĂŒr LĂ€nder in aller Welt offen. Seitdem stieg die Zahl der Mitglieder von 41 auf 52. Weitere rund 30 LĂ€nder seien im Prozess des Beitritts.
Unesco: Wasserknappheit kann Frieden weltweit bedrohen
«Wir konnten in den vergangenen Jahren und sogar Jahrhunderten sehen, dass gemeinsames Wassermanagement eine Rolle als Friedensstifter gespielt hat», sagte sie. Die Anrainer des Flusses Sava - Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien - hĂ€tten kurz nach dem Ende des Krieges 2002 ein internationales Abkommen geschlossen, in dem es unter anderem um den Austausch von Daten etwa ĂŒber WasserqualitĂ€t und -quantitĂ€t ging. Dies habe zu weiterer Kooperation gefĂŒhrt, etwa im Bereich Umweltschutz. «Das hat zur Befriedung der Region beigetragen.»
Engere Kooperation habe es ĂŒber das Management gemeinsamer FlĂŒsse auch zwischen der Ukraine und Moldau und zwischen Kasachstan und Kirgistan gegeben. Auch zwischen Belarus (WeiĂrussland) und Litauen sei es ĂŒber eine anfĂ€ngliche technische Kooperation gelungen, ein Protokoll ĂŒber das Management eines gemeinsamen Flusses zu erarbeiten. Diese Vereinbarung liege aber wegen der politischen Lage angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zurzeit auf Eis.
153 LĂ€nder weltweit teilen sich mit NachbarlĂ€ndern Wasserressourcen. Nur 24 hĂ€tten bislang bei sĂ€mtlichen FlĂŒssen und Seen auf ihrem Gebiet Vereinbarungen mit NachbarlĂ€ndern getroffen. Dazu gehöre Deutschland.


