Pita Limjaroenrat, Premier

Premierwahl in Thailand ohne Mehrheit

13.07.2023 - 14:45:37

Viele haben auf einen historischen Tag gehofft und darauf, dass ein pro-demokratischer MinisterprÀsident ab sofort das Land regiert. Aber das MilitÀr macht den Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung.

Bei der Wahl des neuen MinisterprÀsidenten in Thailand hat der pro-demokratische Spitzenkandidat Pita Limjaroenrat die einfache Mehrheit im Parlament klar verpasst. Der 42-JÀhrige von der progressiven Oppositionspartei Move Forward Party bekam 324 Stimmen von insgesamt 749.

FĂŒr eine einfache Mehrheit wĂ€ren 375 Stimmen nötig gewesen. Normalerweise hat das Parlament im Königreich 750 Sitze, ein Senator war jedoch kurz vor dem Votum zurĂŒckgetreten.

VerÀnderte Verfassung

Pita war der einzige Kandidat. Seine Partei hatte die Parlamentswahl Mitte Mai deutlich gewonnen und danach eine Koalition aus acht Parteien gebildet. Im Abgeordnetenhaus verfĂŒgt er damit ĂŒber eine deutliche Mehrheit - wegen einer besonderen Verfassungsklausel reichten diese Stimmen aber nicht aus.

Das mĂ€chtige MilitĂ€r, das bis jetzt an der Macht war, hat die Verfassung nach dem Putsch von 2014 zu seinen Gunsten verĂ€ndert. Nicht mit der Armee verbundene Kandidaten haben es seither schwer, ins Amt zu kommen: Neben den 500 neu gewĂ€hlten Abgeordneten bestimmen nĂ€mlich auch 250 nicht gewĂ€hlte, vom MilitĂ€r ernannte Senatoren den MinisterprĂ€sidenten. Es war bis zuletzt unklar, wie viele Senatoren dem Harvard-Absolventen ihre Stimme geben wĂŒrden.

Debatte um MajestÀtsbeleidigung

Der Abstimmung vorausgegangen war eine sechsstĂŒndige Debatte, in deren Zentrum vor allem das Vorhaben der Move Forward Party stand, das kontroverse LĂšse-MajestĂ©-Gesetz zu Ă€ndern: Das beliebte Urlaubsland bestraft MajestĂ€tsbeleidigung so hart wie kaum ein anderes Land der Welt. Das Gesetz sieht lange Haftstrafen vor, immer wieder kommt es zu Festnahmen auch sehr junger Thais. Dagegen gibt es in der Bevölkerung schon lange Proteste. Viele konservative Politiker wollen aber an dem Gesetz festhalten - und verweigerten Pita deshalb ihre Stimme.

Im Zuge der Debatte versuchte Pita ein weiteres Mal, möglichst viele Abgeordnete von sich zu ĂŒberzeugen. «Dies ist keine Stimme fĂŒr mich oder fĂŒr den MinisterprĂ€sidenten Thailands, sondern eine historische Chance, in Thailand zur NormalitĂ€t zurĂŒckzukehren», sagte er. Der Move-Forward-GeneralsekretĂ€r, Chaithawat Tulathon, sagte: «Millionen von WĂ€hlern fragen sich: Wenn wir nicht den Regierungschef und die Regierung bekommen, fĂŒr die eine Mehrheit gestimmt hat - wofĂŒr halten wir dann ĂŒberhaupt Wahlen ab?»

Vor dem Parlament hatten sich zahlreiche AnhĂ€nger von Pita versammelt, die die Abstimmung verfolgten. In dem beliebten Urlaubsland werden Proteste befĂŒrchtet. Die Polizei richtete eine Protestverbotszone rund um das ParlamentsgebĂ€ude ein.

NĂ€chste Abstimmung mit neuem Kandidaten?

Am nĂ€chsten Mittwoch und möglicherweise auch am Donnerstag soll nun erneut abgestimmt werden. Dabei könnte Medien zufolge auch ein anderer Kandidat als Pita nominiert werden - oder aber Pita wird erneut aufgestellt. Dann mĂŒsste er Beobachtern zufolge allerdings seinen Gegnern ZugestĂ€ndnisse machen, etwa beim Thema LĂšse MajestĂ©.

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass Pita seine Parlamentsmitgliedschaft verlieren könnte. Die Wahlkommission gab formal der Bitte statt, beim Verfassungsgericht seine sofortige Suspendierung anzufragen. Hintergrund sind Ermittlungen ĂŒber angebliche Aktienanteile an einem Medienunternehmen, die er wĂ€hrend seiner Kandidatur besessen haben soll - was in Thailand Teilnehmern an einer Wahl verboten ist.

Pita könnte aber trotzdem zum Regierungschef gewÀhlt werden. Die «Bangkok Post» zitierte ihn mit den Worten: «Das betreffende Medienunternehmen ist schon seit Ewigkeiten geschlossen, und ich hielt die Anteile nur als Testamentsvollstrecker des Nachlasses meines Vaters.»

@ dpa.de