Blockade, GrĂ¶ĂŸere

Nach Blockade: GrĂ¶ĂŸere Hilfslieferungen erreichen Gaza

27.07.2025 - 15:24:58 | dpa.de

Viele Menschen im abgeriegelten KĂŒstenstreifen leiden Hunger. Seit MĂ€rz lĂ€sst Israel nur wenig humanitĂ€re Hilfe durch. Weltweit sorgt das fĂŒr massive Kritik. Kommt es nun zur Kehrtwende?

  • Erstmals seit Monaten lĂ€sst Israel humanitĂ€re Hilfe in grĂ¶ĂŸerem Stil in den Gazastreifen.  - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa
    Erstmals seit Monaten lĂ€sst Israel humanitĂ€re Hilfe in grĂ¶ĂŸerem Stil in den Gazastreifen. - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa
  • Erstmals seit Monaten lĂ€sst Israel humanitĂ€re Hilfe in grĂ¶ĂŸerem Stil in den Gazastreifen.  - Foto: Mohammed Arafat/AP/dpa
    Erstmals seit Monaten lĂ€sst Israel humanitĂ€re Hilfe in grĂ¶ĂŸerem Stil in den Gazastreifen. - Foto: Mohammed Arafat/AP/dpa
  • Trotz teilweiser humanitĂ€rer Feuerpause greift Israel weiter im Gazastreifen an - in den KrankenhĂ€usern trauern die Angehörigen um ihre Toten. - Foto: Omar Ashtawy/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa
    Trotz teilweiser humanitÀrer Feuerpause greift Israel weiter im Gazastreifen an - in den KrankenhÀusern trauern die Angehörigen um ihre Toten. - Foto: Omar Ashtawy/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa
  • Erstmals seit Monaten lĂ€sst Israel humanitĂ€re Hilfe in grĂ¶ĂŸerem Stil in den Gazastreifen.  - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
    Erstmals seit Monaten lĂ€sst Israel humanitĂ€re Hilfe in grĂ¶ĂŸerem Stil in den Gazastreifen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
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Nach einer monatelangen faktischen Blockade durch Israel haben erstmals wieder grĂ¶ĂŸere Hilfslieferungen den Gazastreifen erreicht. Am Sonntag fuhr eine Kolonne von rund 100 Lastwagen mit GĂŒtern fĂŒr die notleidende Bevölkerung ĂŒber den israelischen GrenzĂŒbergang Kerem Schalom in das großflĂ€chig zerstörte KĂŒstengebiet, wie Quellen dort bestĂ€tigten. 

Die Waren – Lebensmittel, Medikamente, Baby-Nahrung - werden dringend benötigt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte zuletzt vor einer tödlichen Hungerkrise unter den rund zwei Millionen Bewohnern des Gazastreifens. Fotos aus dem abgeriegelten Gebiet, in dem Israel Krieg gegen die islamistische Hamas fĂŒhrt, zeigten Kleinkinder in den KrankenhĂ€usern, die nur noch Haut und Knochen waren. 

Nach Angaben des von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums starben bereits mehr als 100 Menschen an UnterernÀhrung, 80 Prozent von ihnen Kinder. Israel bestreitet, dass es im Gazastreifen eine Hungerkatastrophe gebe und spricht stattdessen von einer «Kampagne» der Hamas. 

Den UN-Organisationen warf Israel zuletzt immer wieder vor, die Hilfe im Gazastreifen nicht verteilen zu wollen. Diese konterten, dass Israel keine sicheren Transportwege innerhalb des umkÀmpften Gebiets garantieren wollte. TatsÀchlich gelangte seit Ende MÀrz, als Israel eine damalige Waffenruhe beendete, nur sehr wenig Hilfe zu den Menschen im Gazastreifen. 

Kehrtwende nach weltweiter Kritik

Die weltweite Kritik an ihrer Vorgangsweise in dem PalĂ€stinensergebiet hat die israelische FĂŒhrung nun offensichtlich zu einer Kehrtwende bewogen. Überraschend kĂŒndigte das MilitĂ€r in der Nacht zum Sonntag an, bis auf Widerruf jeden Tag von 10.00 bis 20.00 Uhr Ortszeit eine selbst erklĂ€rte humanitĂ€re Feuerpause in Teilen des Gazastreifens einzuhalten. 

Die Pause gelte in den Gebieten, in denen die Armee nicht operiere: Al-Mawasi im SĂŒdwesten des abgeriegelten KĂŒstenstreifens, in Deir al-Balah im Zentrum sowie in der Stadt Gaza im Norden. Ferner wĂŒrden von 06.00 bis 23.00 Uhr Ortszeit Korridore eingerichtet, um die sichere Durchfahrt von Konvois der UN- und anderer Hilfsorganisationen zu ermöglichen, teilte die Armee weiter mit.

Auch eine Entsalzungsanlage zur Aufbereitung von Trinkwasser im Gazastreifen sei nun wieder an das israelische Stromnetz angeschlossen worden, teilte die Armee mit. Die eingeleiteten Maßnahmen zielten darauf ab, «die falsche Behauptung zu widerlegen, dass der Gazastreifen absichtlich ausgehungert wird». 

Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher begrĂŒĂŸte die AnkĂŒndigung des israelischen MilitĂ€rs. «Mit unseren Teams vor Ort werden wir alles tun, was wir können, um in diesem Zeitfenster so viele hungrige Menschen wie möglich zu erreichen», schrieb er auf der Plattform X. 

Paletten aus der Luft abgeworfen

In der Nacht zum Sonntag warf die israelische Luftwaffe erstmals HilfsgĂŒter aus der Luft ĂŒber dem Gazastreifen ab. Es seien zunĂ€chst sieben Paletten mit HilfsgĂŒtern wie Mehl, Zucker und Lebensmittelkonserven abgeworfen worden, die von internationalen Organisationen bereitgestellt worden seien, teilte das MilitĂ€r mit. Im Laufe des Sonntags sei diese Methode fortgesetzt worden. Insgesamt seien somit - auch in Kooperation mit Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten - 28 Paletten aus der Luft abgeworfen worden. 

Bereits im vergangenen Jahr hatten Jordanien, Deutschland und andere LĂ€nder einige Wochen lang HilfsgĂŒter abgeworfen. Helfer halten die Methode jedoch wegen der relativ geringen Mengen fĂŒr ineffektiv und teuer, etwa im Vergleich zu Lastwagentransporten. Außerdem könnten Menschen am Boden durch die Paletten verletzt werden.

Wieder Dutzende Tote bei Angriffen 

Trotz humanitĂ€rer Feuerpause in Teilen des Gazastreifens griff Israel dort weiterhin an. Bei Deir al-Balah sollen auch Zelte mit Vertriebenen getroffen worden sein, wie Mitarbeiter der RettungskrĂ€fte berichteten. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen seit dem Morgengrauen mindestens 53 PalĂ€stinenser ums Leben. Die unabhĂ€ngig nicht ĂŒberprĂŒfbare Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern. 

Allein 32 Menschen sollen beim Warten auf humanitĂ€re Hilfe getötet worden sein. Vor allem im Umfeld der Verteilzentren der von Israel und den USA unterstĂŒtzten Gaza Humanitarian Foundation (GHF) kommt es immer wieder zu tödlichen ZwischenfĂ€llen. 

Seit VerhĂ€ngung der faktischen Blockade ließ Israel den Großteil der wenigen GĂŒter, die in den Gazastreifen kamen, durch die GHF verteilen. Dort kam es bei der - von Experten als unsachgemĂ€ĂŸ kritisierten - Ausgabe der Lebensmittelpakete hĂ€ufig zu chaotischen Szenen. Israelische Soldaten, die das Umfeld sichern sollten, schossen immer wieder in die Menge der Hilfesuchenden. Nach UN-Angaben sollen auf diese Weise rund 900 Menschen ums Leben gekommen sein. 

Auslöser des Gaza-Kriegs war der Überfall der Hamas und anderer islamistischer Terrororganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seither sind laut dem Gesundheitsministerium bis zum Sonntag 59.821 Menschen getötet worden. Auch diese Angaben lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen und unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern. Sie werden aber von UN-Organisationen als weitgehend zuverlĂ€ssig angesehen.

WaffenruhegesprÀche in der Schwebe

Die indirekten GesprĂ€che ĂŒber eine 60-tĂ€gige Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der Hamas gerieten zuletzt in eine Sackgasse. Es seien nun jedoch «wirkliche BemĂŒhungen» im Gange, um sie wieder auf die Schienen zu bringen, zitierte das öffentlich-rechtliche Kan-Radio am Sonntagmorgen namentlich nicht genannte israelische Regierungsvertreter. 

Bei den seit Monaten laufenden, sich oft im Kreis drehenden Verhandlungen vermitteln Katar, Ägypten und die USA. Israel und die USA hatten zuletzt ihre Delegationen aus der katarischen Hauptstadt zu «Konsultationen» zurĂŒckbeordert. Beide LĂ€nder warfen der Hamas vor, durch ĂŒberzogene Forderungen die GesprĂ€chsgrundlage unterminiert zu haben. Die Hamas bestritt dies. 

Die Tageszeitung «Israel Hajom» zitierte am Sonntag einen israelischen Regierungsbeamten mit den Worten, die GesprĂ€che seien «weder kollabiert noch geplatzt». Wann es zu einer RĂŒckkehr an den Verhandlungstisch kommen könnte, blieb aber unklar. 

Merz dringt bei Netanjahu auf Einigung

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) telefonierte derweil erneut mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu. Dabei drang er einem Sprecher zufolge auf eine Verbesserung der humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen. «Der Bundeskanzler brachte seine große Sorge zur katastrophalen humanitĂ€ren Lage in Gaza zum Ausdruck. Er forderte Premierminister Netanjahu auf, alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, um umgehend einen Waffenstillstand zu erreichen», teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit.

Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron verwies auf eine an diesem Montag in New York von seinem Land und Saudi-Arabien geplante internationale Konferenz zur Zweistaatenlösung. Dort solle eine neue Dynamik zugunsten einer gerechten und dauerhaften Lösung des israelisch-palĂ€stinensischen Konflikts auf der Grundlage der Zweistaatenlösung geschaffen werden. Macron hatte zuvor bereits angekĂŒndigt, er werde dort dann die Anerkennung PalĂ€stinas als Staat verkĂŒnden. DafĂŒr hatte er scharfe Kritik Israels und seines VerbĂŒndeten USA auf sich gezogen. 


 

 

 

 

 

 

 

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