Volkswagen, Stefan Bratzel

Volkswagen: Bratzel kritisiert VersÀumnisse im China-GeschÀft

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Der Direktor des Center of Automotive Management sieht bei Volkswagen seit Jahren ungelöste Strukturprobleme. Der jĂŒngste Quartalsverlust wird nach seiner EinschĂ€tzung allerdings nur teilweise durch hausgemachte Faktoren verursacht.

Volkswagens Belastungen im Herbst 2026

  • Stefan Bratzel macht Management, Anteilseigner und BetriebsrĂ€te fĂŒr verspĂ€tete Reaktionen verantwortlich.
  • Der Konzern meldete im dritten Quartal einen Verlust von 5,8 Milliarden Euro.
  • US-Zölle und Porsche-Abschreibungen verschĂ€rfen die Belastungen neben dem China-GeschĂ€ft.
Volkswagen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bratzel kritisiert Volkswagens verspÀtete Reaktion

Automobilexperte Stefan Bratzel wirft dem Volkswagen-Konzern schwere VersÀumnisse vor. Der Direktor des Center of Automotive Management sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, Volkswagen habe in China die Dynamik der chinesischen Autobauer, die Bedeutung der ElektromobilitÀt und die Rolle der Kosten zu spÀt erkannt.

Strukturelle Probleme in Wolfsburg

Bratzel kritisierte das gesamte Unternehmen: Management, Anteilseigner und BetriebsrÀte hÀtten die Dramatik der Lage zu spÀt erkannt. Die lange Zeit erfolgreichen GeschÀfte in China hÀtten strukturelle Probleme am Standort Wolfsburg verdeckt.

Probleme am deutschen Standort seien nicht ausreichend angegangen worden. Das bezeichnete Bratzel als schwerwiegenden Fehler.

Quartalsverlust mit mehreren Ursachen

Volkswagen hatte zuvor fĂŒr das dritte Quartal einen milliardenschweren Verlust gemeldet. Bratzel betonte zugleich, nur ein Teil des Ergebnisses sei hausgemacht.

Der Konzern sei auch durch verÀnderte Rahmenbedingungen belastet. Besonders die neuen US-Zölle trÀfen Volkswagen sowie die Marken Porsche und Audi.

China bleibt zentraler Belastungsfaktor

Der chinesische Automarkt schrumpfte laut Bratzel um 20 Prozent. FĂŒr diese Marktentwicklung könne Volkswagen nichts, die verspĂ€tete Reaktion auf den technologischen und preislichen Wandel werfe dem Konzern jedoch grundlegende strategische Fragen auf.

Der aktuelle Quartalsverlust fÀllt in eine Phase, in der Volkswagen zugleich seine Kosten senken, die ElektromobilitÀt ausbauen und seine Position in China behaupten muss. Damit verbindet sich die Kritik an vergangenen Entscheidungen mit dem laufenden Umbau des Konzerns.

Volkswagen steht zugleich unter konjunkturellem, technologischem und strukturellem Druck. Der chinesische Markt ist fĂŒr den Konzern traditionell besonders bedeutend, doch lokale Hersteller haben bei Elektroautos, Software und Kostenstrukturen deutlich aufgeholt. Ein schrumpfender Gesamtmarkt verschĂ€rft den Wettbewerb zusĂ€tzlich.

Der im dritten Quartal gemeldete Verlust von 5,8 Milliarden Euro enthÀlt erhebliche Sondereffekte. Dazu zÀhlen insbesondere eine milliardenschwere Abschreibung auf den Porsche-Firmenwert und Kosten des Konzernumbaus. Daneben belasten das schwache China-GeschÀft, der Preisdruck und US-Zölle das operative GeschÀft.

Umbau belastet Standorte

Volkswagen hat bereits ein Sparprogramm aufgelegt, das den Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 vorsieht. Zugleich verhandelt der Konzern mit Arbeitnehmervertretern ĂŒber weitere Einschnitte. Die Debatte ĂŒber Kosten, Werke und BeschĂ€ftigung macht deutlich, dass die Probleme nicht auf einzelne Modelle oder Marken begrenzt sind.

FĂŒr die weitere Entwicklung kommt es darauf an, ob Volkswagen Elektrofahrzeuge wettbewerbsfĂ€hig und profitabler produzieren kann. Ebenso entscheidend sind schnellere Produktentscheidungen, niedrigere Kosten und eine ĂŒberzeugende Strategie fĂŒr China. Die Kritik von Stefan Bratzel richtet den Blick deshalb auf Verantwortlichkeiten im gesamten Konzern und nicht nur auf die aktuelle Quartalsbilanz.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Milliardenverlust bei Volkswagen“ (29.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt den Verlust von rund 5,8 Milliarden Euro und fĂŒhrt ihn vor allem auf hohe Abschreibungen, das schwache China-GeschĂ€ft und US-Zölle zurĂŒck. Anders als die dts-Meldung zur Expertenkritik legt er den Schwerpunkt auf die Bilanz, das Sparprogramm und die Risiken fĂŒr deutsche Werke.

FOCUS online: „VW-Dilemma: E-Autos immer noch weniger profitabel als Benziner“ (29.10.2026)

Der Artikel hebt hervor, dass Volkswagen mit Elektroautos bislang geringere ErtrÀge erzielt als mit Verbrennern. Er setzt damit einen anderen Akzent als Bratzels Kritik und beschreibt vor allem das Spannungsfeld zwischen Elektrifizierung, EU-Vorgaben, Preisdruck und ProfitabilitÀt.

Übereinstimmung besteht beim Bild eines mehrfach belasteten Konzerns. Offen bleibt, wie schnell Volkswagen Kosten senken, die Elektrostrategie wirtschaftlich stabilisieren und im chinesischen Wettbewerb wieder Boden gutmachen kann.

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