Lula attackiert Trump vor Beratungen mit Merz
20.04.2026 - 04:30:10 | dpa.deBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der brasilianische PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva beraten am Montag in Hannover zusammen mit insgesamt 15 Ministern beider Seiten ĂŒber den Ausbau der Beziehungen der LĂ€nder. Kurz bevor das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten vorlĂ€ufig in Kraft tritt, wird es bei dem Treffen vor allem um wirtschaftliche Fragen gehen. Das Abkommen, durch das eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen entsteht, kann ab dem 1. Mai angewendet werden.
Lula nennt Iran-Krieg «Wahnsinn»
Aber auch die aktuelle Energiekrise und das Agieren von US-PrĂ€sident Donald Trump gegen den Iran sowie gegenĂŒber lateinamerikanischen LĂ€ndern wie Venezuela und Kuba dĂŒrften Thema werden. Bei der Eröffnung der Hannover Messe am Sonntagabend prangerte Lula den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als «Wahnsinn» an.Â
Es sei im 21. Jahrhundert nicht hinnehmbar, so der 80-jĂ€hrige, dass Hunger, Analphabetismus und fehlender Zugang zu ElektrizitĂ€t fĂŒr Milliarden Menschen weiter ungelöst blieben, wĂ€hrend zugleich 2,7 Billionen US-Dollar fĂŒr Kriege ausgegeben wĂŒrden. «Wir erleben einen kritischen Moment in der globalen Geopolitik, geprĂ€gt von groĂen Paradoxa: WĂ€hrend Astronauten zum Mond fliegen, werden bei den Bombardements im Nahen Osten wahllos Frauen und Kinder getötet», klagte der linksgerichtete Staatschef aus SĂŒdamerika.
Brasilien und Deutschland wollen in den UN-Sicherheitsrat
Lula kritisierte nicht nur Trump, sondern alle fĂŒnf stĂ€ndigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats. Das Gremium sei geschaffen worden, um Frieden zu sichern und eine Wiederholung des Zweiten Weltkriegs zu verhindern. Stattdessen erlebe die Welt heute so viele Konflikte wie nie seit 1945, und die MĂ€chtigen schauten tatenlos zu. Man mĂŒsse die Staats- und Regierungschefs Donald Trump, Wladimir Putin, Xi Jinping, Emmanuel Macron sowie Keir Starmer fragen, wozu der Sicherheitsrat ĂŒberhaupt diene, sagte Lula.
Brasilien dringt wie Deutschland auf eine Reform des Gremiums. Beide LĂ€nder streben einen stĂ€ndigen Sitz in dem Gremium. Seit Jahrzehnten scheitern alle Reformversuche an den Strukturen, in denen die fĂŒnf stĂ€ndigen Mitglieder USA, China, Russland, Frankreich und GroĂbritannien Veto-Recht haben.Â
Gemeinsamer Messerundgang vor Konsultationen
Merz und seine Frau Charlotte hatten Lula und seine Frau Janja bereits am Sonntagabend am Schloss Herrenhausen in Empfang genommen, wo heute die Regierungskonsultationen stattfinden. Vorher werden Lula und Merz noch gemeinsam den traditionellen Messerundgang absolvieren und an einem Wirtschaftsforum teilnehmen. Brasilien ist Partnerland der Hannover Messe.Â
Deutschland fĂŒhrt Regierungskonsultationen mit besonders engen Partnern wie Frankreich, Polen und Italien oder besonders wichtigen LĂ€ndern wie Brasilien oder Indien durch.Â
Merz betonte bereits am Freitag, wie bedeutend das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten fĂŒr die Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika sei. «Wir treffen uns zu einem Zeitpunkt, der auf der einen Seite besser nicht sein könnte, was das europĂ€isch-sĂŒdamerikanische VerhĂ€ltnis betrifft», sagte Merz mit Blick auf die Vereinbarung. «Aber wir treffen uns auch zu einer Zeit groĂer Herausforderungen und VerĂ€nderungen.»
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