Ifo: Bundeswehr-Sondervermögen nur zur HÀlfte nutzbar
10.07.2023 - 09:17:29Das geht aus Berechnungen des MĂŒnchener Ifo-Instituts kurz vor dem Nato-Gipfel in Vilnius hervor. "Der Einsatz des Sondervermögens verfehlt damit die formulierten Ziele", sagte Ifo-MilitĂ€rexperte Marcel Schlepper.
33 Prozent des Sondervermögens gleichen demnach Einsparungen beim Verteidigungsetat im Kernhaushalt aus, acht Prozent werden fĂŒr Zinsen aufgewendet. Das Erreichen des Zwei-Prozent-Ziels der Nato sei auf Dauer gefĂ€hrdet. "Um dauerhaft zwei Prozent der Wirtschaftsleistung auszugeben, mĂŒsste der Verteidigungsetat schon jetzt sichtbar steigen", sagte Ifo-Forscher Florian Dorn. "Das wĂ€re eine echte Zeitenwende, die auch mit Geld abgesichert wĂŒrde." Aktuell finde das Gegenteil statt: Seit 2022 sinke der Verteidigungsetat nach Abzug der Inflation. Im Jahr 2023 verfehlt Deutschland damit das Zwei-Prozent-Ziel um einen zweistelligen Milliardenbetrag und gehört zu den Mitgliedsstaaten mit dem gröĂten Defizit. Geplante Investitionen werden in das Sondervermögen verschoben. Waren im Verteidigungsetat selbst im Jahre 2022 noch zehn Milliarden Euro fĂŒr neue AusrĂŒstung vorgesehen, sind es 2024 weniger als drei Milliarden Euro. FĂŒr die ĂŒbrigen Ministerien aber weitet sich der Spielraum in Folge der Einsparungen beim Verteidigungsetat aus. "Das Sondervermögen Bundeswehr ermöglicht durch Verschiebungen im Haushalt indirekt eine Umgehung der Schuldenbremse - auch fĂŒr jene Ausgaben, die nicht Zweck des Sondervermögens sind", sagte Dorn weiter. Die nĂ€chste Bundesregierung mĂŒsste mit Auslaufen des Sondervermögens eine noch gröĂere AusgabenlĂŒcke schlieĂen. Die jĂ€hrliche LĂŒcke zu den zwei Prozent liegt fĂŒr die Jahre 2026 bis 2029 durchschnittlich bei 25 Milliarden Euro. Hinzu kommen etwa drei Milliarden Euro fĂŒr die Zinslast der um 100 Milliarden Euro gestiegenen Schulden. "Die aktuellen HaushaltsplĂ€ne sĂ€en Zweifel, ob Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel wirklich dauerhaft erfĂŒllen will", sagte Schlepper. "Das erschwert die Planbarkeit bei den StreitkrĂ€ften und in der RĂŒstungsindustrie."
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


