Papst, Sommerresidenz

Papst kehrt in Sommerresidenz Castel Gandolfo zurĂŒck

06.07.2025 - 07:55:39

Von Franziskus wurde die pÀpstliche Sommerresidenz nie genutzt. Sein Nachfolger Leo XIV. macht dort jetzt wieder Ferien. Sogar einen Tennisplatz hat er anlegen lassen. Aber einiges fehlt noch.

  • Auf dem Platz vor dem Apostolischen Palast sind nur wenige Leute unterwegs. - Foto: Christoph Sator/dpa

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  • Papst Leo XIV. wird in Castel Gandolfo auch mehrere Messen lesen. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

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Auf dem Platz vor dem Apostolischen Palast sind nur wenige Leute unterwegs. - Foto: Christoph Sator/dpaPapst Leo XIV. wird in Castel Gandolfo auch mehrere Messen lesen. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

Auf dem Schreibtisch steht immer noch eine kleine Bayern-Flagge, die weiß-blauen Rauten. Dort findet sich auch das «Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche» in deutscher Sprache, zehn BĂ€nde samt Register und Zusatzband. Als ob der deutsche Papst Benedikt XVI., gestorben am Silvestertag 2022, im Apostolischen Palast von Castel Gandolfo noch jederzeit ins BĂŒro kommen könnte. Viel tut sich hier nicht.

Doch nach zwölf Jahren sowohl Sommer- als auch Winterschlaf ist es in dem 9.000-Seelen-StĂ€dtchen sĂŒdöstlich von Rom mit der Ruhe nun wieder vorbei. Heute kehrt wieder ein Papst nach Castel Gandolfo zurĂŒck: Der neue Pontifex Leo XIV., zwei Monate im Amt, bezieht seine Sommerresidenz - so wie fast alle OberhĂ€upter der katholischen Kirche vier Jahrhunderte lang.

Franziskus blieb den Sommer ĂŒber stets im Vatikan

Nur einer nicht: sein unmittelbarer VorgĂ€nger Franziskus. Der Argentinier verbrachte den Sommer stets im Vatikan, in seiner Wohnung im GĂ€stehaus Santa Marta - genauso, wie er als Erzbischof von Buenos Aires nie in Urlaub fuhr. «Das ist nicht meine Art», erzĂ€hlte er einmal. «Ich ruhe mich lieber zu Hause aus.» Außerdem gehörte das fĂŒr den Mann aus einfachen VerhĂ€ltnissen zur selbstverstĂ€ndlichen Bescheidenheit.

Was das Programmatische angeht, folgt Franziskus' Nachfolger bislang der Linie seines VorgĂ€ngers. In Äußerlichkeiten allerdings nicht: Mit dem Urlaub in Castel Gandolfo nimmt der erste Papst aus den USA eine weitere Tradition wieder auf, mit der der Argentinier gebrochen hatte: so wie er hĂ€ufiger Ornat trĂ€gt, auch das goldene Brustkreuz, grĂ¶ĂŸere Autos fĂ€hrt und im Vatikan zurĂŒck in die PapstgemĂ€cher ziehen will. Allerdings mĂŒssen die RĂ€ume nach dem langen Leerstand erst noch renoviert werden. 

Ein Papst in Badehose

Und nun also auch nach Castel Gandolfo, in die Berge oberhalb des Albaner Sees, eine halbe Autostunde von Rom. In der Sommerfrische ist die Luft ertrĂ€glicher als in der Hauptstadt, wo sich die Temperaturen seit Wochen auf 40 Grad hin bewegen. Der Papstpalast in der Provinz gehört bereits seit 1596 dem Vatikan. SpĂ€ter kamen noch zwei weitere Villen hinzu. Das GelĂ€nde ist sogar zehn Hektar grĂ¶ĂŸer als die Vatikanstadt.

Der erste Pontifex, der hier im Juli und August eine Auszeit nahm, hieß Urban VIII. (1623-1644). Seither wurde der Palast von den PĂ€psten gern genutzt. Der Pole Johannes Paul II. (1978-2005) ließ sogar einen Swimmingpool bauen - und sorgte prompt fĂŒr Schlagzeilen, weil ihn Paparazzi in der Badehose erwischten. Benedikt zog sich nach seinem ĂŒberraschenden RĂŒcktritt sogar fĂŒr eine Weile ganz nach Castel Gandolfo zurĂŒck.

Noch dĂŒrfen Besucher in den Apostolischen Palast

Aus dieser Zeit stammt eines der wenigen Fotos mit Franziskus, die von dort existieren: Der alte und der neue Papst machten im Palast 2013 eine Art AmtsĂŒbergabe. Die letzten Lebensjahre verbrachte Benedikt aber in der Vatikanstadt. Franziskus ließ den Palast 2016 zum Museum erklĂ€ren. Jetzt dĂŒrfen auch Touristen hinein.

Allerdings machten sich, seit Castel Gandolfo im Sommer nicht mehr Zentrum des katholischen Geschehens war, kaum noch Besucher dorthin auf den Weg. Hoteliers, Gastwirte und SouvenirhÀndler hoffen nun wieder auf bessere GeschÀfte. Allerdings geht es nicht so richtig voran: Im Palast merkt man nirgendwo, dass es einen neuen Pontifex gibt. Auf der Ahnentafel der PÀpste ist Franziskus noch am Leben. Und die SouvenirhÀndler klagen schwer, dass es immer noch keine Postkarten mit Leo gibt.

Swimmingpool, Tennis Court und Boccia-Platz

DafĂŒr hat sich der neue Papst nach einem Bericht des «Corriere della Sera» schon einen Tennisplatz anlegen lassen: Der 69-JĂ€hrige spielt immer noch. Außer dem Schwimmbad gibt es auch einen Boccia-Platz. Wohnen wird Leo selbstverstĂ€ndlich nicht im Museum, sondern in der Villa Barberini, einem NebengebĂ€ude in der Innenstadt. Am Donnerstag kam er schon einmal unangekĂŒndigt vorbei.

Offensichtlich will es Leo die nĂ€chsten beiden Wochen tatsĂ€chlich ruhiger angehen lassen. Alle Audienzen ließ er absagen. Die ersten zwei Monate im Amt hatte das neue Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken viele Termine gemacht, um sich um interne Dinge zu kĂŒmmern: In der Kurie, dem Machtapparat der Kirche, gab es doch einigen Unmut ĂŒber Franziskus. Auf Reisen ins Ausland verzichtete er bislang. Er gab auch nur ein einziges, nichtssagendes Interview. 

Sonntagsgebet nicht auf dem Petersplatz

Einige Termine hat Leo die nĂ€chsten beiden Wochen aber doch. So will er das allsonntĂ€gliche Angelus-Gebet, wozu normalerweise Zehntausende auf den Petersplatz kommen, nĂ€chste Woche in Castel Gandolfo sprechen. Am 20. Juli geht es fĂŒr eine Weile zurĂŒck nach Rom. Das MariĂ€-Himmelfahrt-Wochenende am 15. August, Höhepunkt der Feriensaison in Italien, verbringt er aber wieder in der Sommerresidenz. In der Pfarrkirche will er dann auch die Messe feiern. 

Eine Entscheidung steht noch aus: ob der Apostolische Palast in Castel Gandolfo weiterhin fĂŒr Besichtigungen geöffnet bleibt. Der Direktor der PĂ€pstlichen Villen, Andrea Tamburelli, sagt: «Die Entscheidung ĂŒber seine Zukunft liegt beim Papst.» Viele in dem StĂ€dtchen erwarten, dass Leo vom nĂ€chsten Sommer an den Palast als Unterkunft nutzen wird, so wie die meisten VorgĂ€nger. Die bayerische Flagge auf dem Schreibtisch kĂ€me dann weg.

@ dpa.de