EU-Netzwerk, Antisemitismus

Neues EU-Netzwerk soll Antisemitismus dokumentieren

16.04.2024 - 15:18:09 | dpa.de

Vor allem mit dem neuen Nahost-Krieg haben antisemitische VorfĂ€lle in Deutschland stark zugenommen. Auch in anderen LĂ€ndern steigen die Zahlen. Eine neue Initiative soll einen Überblick verschaffen.

Ein Davidstern hÀngt an der Wand. «Man muss Antisemitismus sichtbar machen, um ihn bekÀmpfen zu können», sagt die Antisemitismusbeauftragte der EuropÀischen Kommission, Katharina von Schnurbein. - Foto: David Inderlied/dpa
Ein Davidstern hÀngt an der Wand. «Man muss Antisemitismus sichtbar machen, um ihn bekÀmpfen zu können», sagt die Antisemitismusbeauftragte der EuropÀischen Kommission, Katharina von Schnurbein. - Foto: David Inderlied/dpa

Eine neue EU-Initiative soll antisemitische VorfĂ€lle europaweit erfassen und so einen lĂ€nderĂŒbergreifenden Überblick ĂŒber das Ausmaß an Judenfeindlichkeit geben. DafĂŒr wurde das EuropĂ€ische Netzwerk zur Überwachung des Antisemitismus (Enma) in Berlin ins Leben gerufen.

«Man muss Antisemitismus sichtbar machen, um ihn bekĂ€mpfen zu können», sagte die Antisemitismusbeauftragte der EuropĂ€ischen Kommission, Katharina von Schnurbein. Ein adĂ€quates Bild des Antisemitismus in der Gesellschaft zu erhalten, sei eine Voraussetzung, um Politiker und EntscheidungstrĂ€ger angemessen zu informieren. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres habe man einen «Tsunami an Antisemitismus» gesehen.

Der EU-Agentur fĂŒr Grundrechte (FRA) zufolge werden antisemitische VorfĂ€lle zu wenig gemeldet: Acht von zehn Menschen, die Antisemitismus erleben, zeigen dies demnach nicht an. Es sei zu «umstĂ€ndlich», dies zu melden, sagte von Schnurbein. Das Netzwerk Enma, das jĂŒdische und nichtjĂŒdische zivilgesellschaftliche Organisationen aus verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern vereint, soll dazu fĂŒhren, dass die Schwelle zur Anzeige solcher VorfĂ€lle bei der Polizei gesenkt wird.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erlĂ€uterte, es könnten alle antisemitischen VorfĂ€lle auf dem direktesten, schnellsten und unkompliziertesten Weg mitgeteilt werden. Diese Informationen wĂŒrden dann gesammelt, verifiziert, analysiert und veröffentlicht. Die so gesammelten Daten zeichneten ein Bild, das die Wirklichkeit des Antisemitismus in den LĂ€ndern realistischer wiedergebe.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbandes der Antisemitismus-Meldestelle Rias, Benjamin Steinitz, sprach von einem Meilenstein in der Antisemitismusforschung und -prĂ€vention. «Antisemitismus ist in Europa auf dem Vormarsch, aber es ist zu wenig ĂŒber seine transnationale Dimension bekannt», betonte er.

Antisemitische VorfÀlle in den USA um 140 Prozent gestiegen

Die Anzahl der antisemitischen VorfĂ€lle in den USA ist indes nach Angaben der jĂŒdischen Organisation Anti-Defamation League (ADL) im vergangenen Jahr um 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insgesamt habe es 8.873 Übergriffe, BelĂ€stigungen und VandalismusvorfĂ€lle gegeben - also durchschnittlich 24 pro Tag, teilte die ADL bei einer Pressekonferenz in New York mit. Darunter seien strafbare und nicht strafbare Handlungen.

Die Zunahme sei zumindest teilweise auf das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023 in Israel nahe der Grenze zu Gaza verĂŒbt hatten, und die darauffolgende Reaktion Israels mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen zurĂŒckzufĂŒhren, hieß es von der ADL.

Die Daten sammelte die 1913 gegrĂŒndete ADL eigenen Angaben zufolge unter anderem auf Basis von Informationen von Opfern und Strafverfolgungsbehörden.

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