Neues EU-Netzwerk soll Antisemitismus dokumentieren
16.04.2024 - 15:18:09 | dpa.de
Eine neue EU-Initiative soll antisemitische VorfĂ€lle europaweit erfassen und so einen lĂ€nderĂŒbergreifenden Ăberblick ĂŒber das AusmaĂ an Judenfeindlichkeit geben. DafĂŒr wurde das EuropĂ€ische Netzwerk zur Ăberwachung des Antisemitismus (Enma) in Berlin ins Leben gerufen.
«Man muss Antisemitismus sichtbar machen, um ihn bekĂ€mpfen zu können», sagte die Antisemitismusbeauftragte der EuropĂ€ischen Kommission, Katharina von Schnurbein. Ein adĂ€quates Bild des Antisemitismus in der Gesellschaft zu erhalten, sei eine Voraussetzung, um Politiker und EntscheidungstrĂ€ger angemessen zu informieren. Seit dem Ăberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres habe man einen «Tsunami an Antisemitismus» gesehen.
Der EU-Agentur fĂŒr Grundrechte (FRA) zufolge werden antisemitische VorfĂ€lle zu wenig gemeldet: Acht von zehn Menschen, die Antisemitismus erleben, zeigen dies demnach nicht an. Es sei zu «umstĂ€ndlich», dies zu melden, sagte von Schnurbein. Das Netzwerk Enma, das jĂŒdische und nichtjĂŒdische zivilgesellschaftliche Organisationen aus verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern vereint, soll dazu fĂŒhren, dass die Schwelle zur Anzeige solcher VorfĂ€lle bei der Polizei gesenkt wird.
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erlĂ€uterte, es könnten alle antisemitischen VorfĂ€lle auf dem direktesten, schnellsten und unkompliziertesten Weg mitgeteilt werden. Diese Informationen wĂŒrden dann gesammelt, verifiziert, analysiert und veröffentlicht. Die so gesammelten Daten zeichneten ein Bild, das die Wirklichkeit des Antisemitismus in den LĂ€ndern realistischer wiedergebe.
Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbandes der Antisemitismus-Meldestelle Rias, Benjamin Steinitz, sprach von einem Meilenstein in der Antisemitismusforschung und -prĂ€vention. «Antisemitismus ist in Europa auf dem Vormarsch, aber es ist zu wenig ĂŒber seine transnationale Dimension bekannt», betonte er.
Antisemitische VorfÀlle in den USA um 140 Prozent gestiegen
Die Anzahl der antisemitischen VorfĂ€lle in den USA ist indes nach Angaben der jĂŒdischen Organisation Anti-Defamation League (ADL) im vergangenen Jahr um 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insgesamt habe es 8.873 Ăbergriffe, BelĂ€stigungen und VandalismusvorfĂ€lle gegeben - also durchschnittlich 24 pro Tag, teilte die ADL bei einer Pressekonferenz in New York mit. Darunter seien strafbare und nicht strafbare Handlungen.
Die Zunahme sei zumindest teilweise auf das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023 in Israel nahe der Grenze zu Gaza verĂŒbt hatten, und die darauffolgende Reaktion Israels mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen zurĂŒckzufĂŒhren, hieĂ es von der ADL.
Die Daten sammelte die 1913 gegrĂŒndete ADL eigenen Angaben zufolge unter anderem auf Basis von Informationen von Opfern und Strafverfolgungsbehörden.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

