EuropÀer, Alaska-Gipfel

EuropÀer vor Alaska-Gipfel: Sicherheitsinteressen wahren

13.08.2025 - 17:52:43

Vor dem in Alaska geplanten Treffen Trumps mit Putin stellen sich EuropĂ€er demonstrativ hinter die Ukraine. Merz unternimmt alles, um den US-PrĂ€sidenten mit fĂŒnf Punkten in die Pflicht zu nehmen.

  • Ukraine-GesprĂ€che mit Selenskyj in Berlin - Foto: Fabian Sommer/dpa

    Fabian Sommer/dpa

  • Ukraine-GesprĂ€che mit Selenskyj in Berlin - Foto: John Macdougall/AFP Pool/dpa

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Ukraine-GesprÀche mit Selenskyj in Berlin - Foto: Fabian Sommer/dpaUkraine-GesprÀche mit Selenskyj in Berlin - Foto: John Macdougall/AFP Pool/dpa

Vor dem Alaska-Gipfel von Donald Trump mit Wladimir Putin zur Ukraine versuchen die EuropĂ€er, den US-PrĂ€sidenten auf fĂŒnf Punkte fĂŒr mögliche FriedensgesprĂ€che festzulegen - darunter einen Waffenstillstand und Sicherheitsgarantien. 

Kanzler Friedrich Merz (CDU) machte bei einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj deutlich: «In Alaska mĂŒssen grundlegende europĂ€ische und ukrainische Sicherheitsinteressen gewahrt bleiben.» Diese Botschaft gĂ€ben die EuropĂ€er Trump mit auf den Weg. Merz sprach von «Hoffnung auf Bewegung» und «Hoffnung auf einen Frieden in der Ukraine».

Die EuropĂ€er und Selenskyj befĂŒrchten, dass sich Trump und Putin am Freitag in Alaska auf Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland verstĂ€ndigen könnten, die Kiew strikt ablehnt.

Als Signal der UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine hatte Merz, der die Videoschalten organisiert hatte, Selenskyj auch zu der Telefonkonferenz mit Trump nach Berlin eingeladen. Der Ukrainer verwies zur Frage von Gebietsabtretungen auf die Verfassung seines Landes, die diese nicht erlaubt. Selenksyj sagte aber: «Ich möchte sofort unterstreichen, dass jegliche Fragen, welche die territoriale Unversehrtheit unseres Staates betreffen, nicht ohne BerĂŒcksichtigung unseres Staates, unseres Volkes, den Willen des Staates, den Willen unseres Volkes und der Verfassung der Ukraine besprochen werden können.»

«Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen»

Merz betonte, bei den Beratungen seien sich die Teilnehmer in der Bewertung der Ausgangslage als auch in dem erreichbaren Ziel fĂŒr Freitag sehr einig gewesen. Er sagte mit Blick auf das Gipfeltreffen in Alaska: «Wir wollen, dass PrĂ€sident Donald Trump am Freitag in Anchorage Erfolg hat.»

Deutlich gemacht worden sei, dass die Ukraine mit am Tisch sitzen mĂŒsse, sobald es Folgetreffen gebe. «Wir wollen, dass in der richtigen Reihenfolge verhandelt wird. Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen», sagte Merz. Wesentliche Elemente sollten anschließend in einem Rahmenabkommen vereinbart werden. 

Drittens nannte er: «Die Ukraine ist zu Verhandlungen ĂŒber territoriale Fragen bereit. Dann muss aber die sogenannte Kontaktlinie der Ausgangspunkt sein und eine rechtliche Anerkennung russischer Besetzungen steht nicht zur Debatte. Der Grundsatz, dass Grenzen nicht gewaltsam verĂ€ndert werden dĂŒrfen, muss fortgelten.» Als Kontaktlinie wird der Frontverlauf bezeichnet. 

Nötig seien zudem «robuste Sicherheitsgarantien fĂŒr Kiew» und die VerteidigungsfĂ€higkeit durch die ukrainischen StreitkrĂ€fte. Zudem mĂŒssten Verhandlungen Teil einer gemeinsamen transatlantischen Strategie sein.

Ohne Ergebnisse in Alaska mehr Druck auf Russland gefordert 

Sollte es in Alaska keine Bewegung geben, mĂŒssten die USA und die EuropĂ€er den Druck erhöhen: «PrĂ€sident Trump kennt diese Position, er teilt sie sehr weitgehend. Und deswegen kann ich sagen: Wir haben ein wirklich ausgesprochen konstruktives und gutes GesprĂ€ch miteinander gehabt.» 

Neben Merz, Selenskyj und Trump waren EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte zugeschaltet sowie Frankreichs StaatsprĂ€sident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und der finnische PrĂ€sident Alexander Stubb. DarĂŒber hinaus war Polen in verschiedenen Runden durch Staatsoberhaupt Karol Nawrocki beziehungsweise Regierungschef Donald Tusk vertreten.

Nach Ansicht der EU-KommissionsprĂ€sidentin haben Europa, die USA und die Nato ihre gemeinsame Basis gestĂ€rkt, wie sie nach der Schaltkonferenz mitteilte. Sie sprach von einem «sehr guten GesprĂ€ch», bei dem sich ĂŒber das bevorstehende bilaterale Treffen in Alaska ausgetauscht worden sei.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach sich fĂŒr ein Dreiertreffen zwischen Trump, Kremlchef Putin und Selenskyj in Europa aus. Er erklĂ€rte: «Wir wĂŒnschen uns, dass das in Europa abgehalten wird, in einem neutralen Land, das von allen Seiten akzeptiert wird.»

Russland will in Alaska auch ĂŒber bilaterale Fragen sprechen 

Russland will in Alaska am Freitag nach Angaben des Außenministeriums in Moskau weiter auf eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen hinarbeiten. Es gehe bei dem Treffen um alle Fragen, die sich angestaut hĂ€tten – angefangen beim Ukraine-Konflikt bis hin zu den Hindernissen fĂŒr einen normal funktionierenden Dialog zwischen beiden LĂ€ndern, sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Alexej Fadejew in Moskau. Der Gipfel habe höchste Bedeutung fĂŒr den internationalen Frieden und die StabilitĂ€t in der Welt.

Russische Truppen sind in den vergangenen Wochen im Osten der Ukraine verstĂ€rkt vorgerĂŒckt. Zugleich haben die Vereinten Nationen in der Ukraine im Juli einen Höchststand an verletzten und getöteten Zivilisten registriert. Dem vom BĂŒro des Hohen Kommissars fĂŒr Menschenrechte veröffentlichten Bericht zufolge wurden 286 Menschen getötet und 1.388 verletzt. Das sei der höchste Wert seit Mai 2022. 

GegenĂŒber dem gleichen Vorjahresmonat stiegen die Opferzahlen um 22,5 Prozent an. Beinahe 40 Prozent der Opfer sind dem Bericht nach auf russische Luftangriffe mit Drohnen und Raketen auf Ziele im ukrainischen Hinterland - darunter GroßstĂ€dte wie Kiew, Dnipro und Charkiw - zurĂŒckzufĂŒhren.

@ dpa.de