Trump-Erfolg, Sicherheitsrat

Trump-Erfolg im Sicherheitsrat - Schlappe in Vollversammlung

25.02.2025 - 01:01:46

Vor den 193 UN-Mitgliedsstaaten kann US-PrÀsident Donald Trump mit seinem Ukraine-Kurs zunÀchst nicht durchdringen. Im mÀchtigen Sicherheitsrat aber gibt es nach drei Jahren Krieg eine Premiere.

Im Richtungsstreit zwischen den USA und Europa ĂŒber den Kurs im Ukraine-Krieg hat US-PrĂ€sident Donald Trump sich den RĂŒckhalt des UN-Sicherheitsrats gesichert. Das mĂ€chtigste UN-Gremium mit 15 Ratsmitgliedern stimmte in New York fĂŒr eine moskaufreundliche Ukraine-Resolution der US-Regierung. Nach vielen Vetos Russlands war es der erste gemeinsame Beschluss zum Krieg seit dem Einmarsch in die Ukraine vor drei Jahren. In der UN-Vollversammlung vor allen 193 Mitgliedern drang die US-Regierung mit einer wortgleichen Beschlussvorlage dagegen nicht durch.

Trump hatte seine rhetorische Abkehr von der Ukraine und Hinwendung zu Kremlchef Wladimir Putin mit dem diplomatischen Vorstoß bei den Vereinten Nationen untermauert. Der Resolutionsvorschlag mit dem Titel «Der Weg zum Frieden» benennt Moskau nicht als Aggressor des Krieges, fordert keinen russischen RĂŒckzug und erwĂ€hnt die territoriale IntegritĂ€t der Ukraine nicht. Angemahnt wird bloß ein rasches Ende des Krieges, ohne Bedingungen zu nennen.

Großbritannien und Frankreich verzichten auf Veto

Im Sicherheitsrat bekam der Text eine Mehrheit von 10 der 15 Stimmen. Mit den USA stimmten unter anderem Russland und China, wĂ€hrend sich alle fĂŒnf europĂ€ischen LĂ€nder des Rates - Großbritannien, Frankreich und die nicht-stĂ€ndigen Mitglieder Slowenien, DĂ€nemark und Griechenland - enthielten. Resolutionen im UN-Sicherheitsrat sind völkerrechtlich bindend.

Briten und Franzosen haben theoretisch ein Vetorecht, dieses aber seit 1989 nicht genutzt. Eine Änderung dieser Gepflogenheit wĂ€re als bedeutender Bruch mit ihrer diplomatischen Linie interpretierbar gewesen, die beide LĂ€nder wohl nicht aufgeben wollten, wĂ€hrend sich die EuropĂ€er intensiv um VerstĂ€ndigung mit Trump bemĂŒhen.

Eine Vertiefung des neu entstandenen Grabens zwischen den transatlantischen Partnern wÀre auch zur Unzeit gekommen, da Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron bei seinem Besuch in Washington am Montag versuchte, gemeinsame Standpunkte mit Trump auszuloten. Diplomatenkreise berichteten der Deutschen Presse-Agentur aber, dass ein Veto bis zuletzt erwogen worden sei.

US-Botschafterin: Resolution kein Friedensabkommen

Die britische UN-Botschafterin Barbara Woodward sprach sich in der Sitzung klar gegen die Resolution aus: «Es kann keine Gleichsetzung zwischen Russland und der Ukraine geben, wenn dieses Gremium ĂŒber diesen Krieg spricht.» Moskau sei schuld am Angriffskrieg gegen einen souverĂ€nen Staat, der Hunderttausende von Menschenleben gekostet habe. Frankreichs Botschafter Nicolas de RiviĂšre erklĂ€rte: «Es wird nirgendwo Frieden und Sicherheit geben, wenn Aggressionen belohnt werden.»

Die amtierende US-Botschafterin Dorothy Shea sprach dagegen davon, dass die Welt «am Abgrund der Geschichte» stehe und es einen möglichst schnellen Frieden brauche. Dabei wollte sie die EuropÀer auch beruhigen: «Wir hören unseren europÀischen Kollegen zu, wenn sie sagen, dass sie einen dauerhaften Frieden wollen, aber nicht um jeden Preis», sagte sie. Man wolle ihnen versichern, dass die USA ebenfalls einen «dauerhaften Frieden» anstrebten. Die Resolution sei kein Friedensabkommen und verursache keine Kosten.

Russland sprach derweil von einem guten ersten Schritt, wĂ€hrend China erklĂ€rte, es unterstĂŒtze das amerikanisch-russische BemĂŒhen um Frieden. Das Votum des Sicherheitsrats dĂŒrfte Trump als Zeichen des RĂŒckhalts fĂŒr seinen Versuch verstehen, einen Frieden zusammen mit Putin notfalls auch gegen den Willen der Ukraine zu erzwingen.

Vorstoß in UN-Vollversammlung ohne Erfolg

Doch in grĂ¶ĂŸerer Runde stieß Trumps Vorstoß bei den Vereinten Nationen auch auf deutlichen Widerstand. Vor der Abstimmung im Sicherheitsrat hatten die USA bereits in der UN-Vollversammlung versucht, mit dem identischen Resolutionsentwurf weltweite Zustimmung zum Kurswechsel im Ukraine-Krieg zu erhalten.

Das grĂ¶ĂŸte Gremium der Vereinten Nationen verhinderte aber die kremlfreundliche Resolution: Mehrere ÄnderungsantrĂ€ge von EU-Staaten, der Ukraine sowie Großbritanniens bekamen die notwendige Mehrheit der 193 UN-Mitglieder, sodass der US-Text in der Folge Russland klar als Aggressor benannte und an entscheidenden Stellen im ukrainischen Sinne umgedeutet wurde.

KriegsmĂŒde Staaten wollen Frieden - und Sicherheit

Washington enthielt sich dann letztlich bei der Abstimmung ĂŒber seine abgeĂ€nderte Resolution genau wie China, wĂ€hrend Russland mit sieben Staaten dagegen stimmte. 93 LĂ€nder, darunter Deutschland und die meisten EU-Staaten, votierten dafĂŒr – ein deutlich geringerer RĂŒckhalt fĂŒr Kiew als bei Ă€hnlichen Resolutionen zuvor. 

Auch eine zweite, von der Ukraine selbst zusammen mit der EU-Vertretung verfasste Resolution fĂŒr die Vollversammlung, sah viele Enthaltungen, was als Distanzierung dieser LĂ€nder vom US-europĂ€ischen Streit um den Ukraine-Kurs gewertet wird. Ungarn, dessen Regierung als ausgesprochen Trump-freundlich gilt, scherte dabei aus und stellte sich klar an die Seite Washingtons.

UN-Experte Richard Gowan von der Denkfabrik Crisis Group sprach in Bezug auf die Vollversammlung zwar von einer eher gelungenen europĂ€ischen Verteidigung der Ukraine in New York. Doch betonte er auch, dass der Wunsch vieler LĂ€nder des sogenannten Globalen SĂŒdens nach schnellem Frieden offensichtlich sei. Der US-Ansatz spiegele dieses Verlangen zwar wider, habe aber auch viele UN-Mitglieder nervös gemacht - weil er das Völkerrecht vernachlĂ€ssige, das kleinere Staaten vor Angriffen schĂŒtzen soll.

@ dpa.de