Parlamentswahlen, Demokratie

EU-Kommission leitet Verfahren gegen Polen ein

07.06.2023 - 13:52:57 | dpa.de

Vor der Parlamentswahl in Polen gibt es Zweifel am demokratischen Prozess in dem osteuropÀischen Land. Besonders ein neues Gesetz steht im Fokus. Jetzt melden sich EU-Politiker zu Wort.

Oppositionspolitiker Donald Tusk (2.v.l) nimmt an der Seite von Polens Ex-PrÀsident Lech Walesa (2.v.r) und anderen Demonstranten an einem Protest gegen die Politik der PiS-Regierung teil. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa
Oppositionspolitiker Donald Tusk (2.v.l) nimmt an der Seite von Polens Ex-PrÀsident Lech Walesa (2.v.r) und anderen Demonstranten an einem Protest gegen die Politik der PiS-Regierung teil. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

Die EuropĂ€ische Kommission eröffnet ein neues Verfahren gegen Polen wegen eines umstrittenen Gesetzes. Man habe die Entscheidung am Mittwoch getroffen, sagte der VizeprĂ€sident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, in BrĂŒssel.

Konkret geht es bei dem polnischen Gesetz darum, dass eine Untersuchungskommission prĂŒfen soll, ob AmtstrĂ€ger zwischen 2007 und 2022 unter russischem Einfluss Entscheidungen getroffen haben, die der Sicherheit des Landes geschadet haben. Kritiker befĂŒrchten, dass das Gesetz dazu dienen könnte, den Oppositionspolitiker Donald Tusk vor der Parlamentswahl im Herbst zu diskreditieren oder sogar aus dem politischen Leben zu verbannen.

Am Ende eines sogenannten Vertragsverletzungsverfahrens kann eine Klage vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof und eine Geldbuße stehen. Morgen will die EU-Kommission einen Brief mit den VorwĂŒrfen an Polen schicken, Warschau hat dann zwei Monate Zeit, darauf zu reagieren.

Gesetz soll russischen Einfluss feststellen

In seiner ursprĂŒnglichen Form sah das Gesetz vor, dass die neunköpfige Untersuchungskommission Strafen und ein Amtsverbot von bis zu zehn Jahren verhĂ€ngen darf. Nach heftiger Kritik der EU und der USA hatte PrĂ€sident Andrzej Duda aber bereits Änderungen vorgeschlagen.

In der neuen Fassung soll das Gremium nun lediglich feststellen, «dass eine Person, die unter russischem Einfluss gehandelt hat, eine ordnungsgemĂ€ĂŸe ErfĂŒllung des öffentlichen Interesses nicht gewĂ€hrleisten kann».

Kritiker werfen der nationalkonservativen PiS-Regierung vor, vor der Parlamentswahl im Herbst den frĂŒheren Regierungschef und heutigen OppositionsfĂŒhrer Tusk in Misskredit bringen zu wollen. Der Liberalkonservative Tusk war von 2007 bis 2014 polnischer Regierungschef und spĂ€ter RatsprĂ€sident der EU. Die PiS-Regierung wirft ihm vor, unvorteilhafte GasvertrĂ€ge mit Russland geschlossen zu haben. Tusk gilt als grĂ¶ĂŸter politischer Gegner von PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski.

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