Pistorius: Brauchen bis zu 60 000 aktive Soldaten mehr
05.06.2025 - 09:04:12Die Bundeswehr braucht fĂŒr die neuen Nato-Planungsziele zur verstĂ€rkten VerteidigungsfĂ€higkeit bis zu 60.000 Soldaten zusĂ€tzlich in der aktiven Truppe. Das sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in BrĂŒssel vor einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister, in dem die neuen Ziele gebilligt werden sollen.
«Wir gehen davon aus - das ist aber auch nur eine DaumengröĂe, um es klar zu sagen - dass wir rund 50.000 bis 60.000 Soldatinnen und Soldaten in den stehenden StreitkrĂ€ften mehr brauchen als heute. Und gleichzeitig wird sich die Frage natĂŒrlich stellen: Reicht der neue Wehrdienst aus ĂŒber die nĂ€chsten Jahre?», sagte Pistorius.
Die Nato will ihre militĂ€rischen FĂ€higkeiten zur Abschreckung und Verteidigung angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Russland extrem ausbauen. GeneralsekretĂ€r Mark Rutte hatte am Vortag in BrĂŒssel gesagt: «Wir benötigen mehr Ressourcen, Truppen und FĂ€higkeiten, um auf jede Bedrohung vorbereitet zu sein und unsere kollektiven VerteidigungsplĂ€ne vollstĂ€ndig umzusetzen.» Oberste PrioritĂ€t hĂ€tten die Luft- und Raketenabwehr, weitreichende Waffensysteme, Logistik und groĂe VerbĂ€nde von LandstreitkrĂ€ften.
StreitkrÀfte brauchen schon jetzt dringend mehr Personal
In der Bundeswehr war die Zahl der Soldaten im vergangenen Jahr trotz mehr Einstellungen erneut leicht gesunken, wÀhrend der Altersdurchschnitt stieg. Zum Jahresende 2024 habe es rund 181.150 Soldatinnen und Soldaten gegeben, hatte das Verteidigungsministerium erklÀrt. Ein Jahr zuvor, am Stichtag 31. Dezember 2023, waren es noch rund 181.500 MÀnner und Frauen in Uniform gewesen. ErklÀrtes Ziel waren zuletzt aber 203.000 aktive Soldaten in den StreitkrÀften gewesen.
Vor einem Jahr hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sein Modell fĂŒr einen neuen Wehrdienst vorgelegt und dabei auch Zahlen fĂŒr den Bedarf an Soldaten in der stehenden Truppe sowie der Reserve genannt. Er nannte dabei insgesamt rund 460.000 Soldatinnen und Soldaten: Konkret 203.000 MĂ€nner und Frauen der stehende StreitkrĂ€fte, die 60.000 vorhandenen Reservisten sowie 200.000 zusĂ€tzliche Reservisten, die nun nötig seien. MilitĂ€rplaner gehen davon aus, dass die Obergrenze von 460.000 erhalten bleiben wird, aber deutlich mehr aktive Soldaten und womöglich weniger Reservisten eingeplant werden.
Deutschland hatte sich in den 2+4-VertrĂ€gen verpflichtet, die Zahl seiner Soldaten auf 370.000 Mann zu beschrĂ€nken. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages schrieb dazu im Februar 2025, der Begriff der PersonalstĂ€rke sei nicht genau definiert, die Formulierung lege nahe, «dass es sich dabei nur um die aktive, stĂ€ndig verfĂŒgbare TruppenstĂ€rke handelt, also um regulĂ€r im Dienst befindliche Soldaten (Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit, Grundwehrdienstleistende)».
Neue Diskussion um Wehrpflicht?
Unterdessen ist eine neue Diskussion um einen verpflichtenden Wehrdienst absehbar. So sagte der neue Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte (CDU), dem «Tagesspiegel», «massiv» steigende Nato-Anforderungen seien ohne einen teilweise verpflichtenden Wehrdienst und eine attraktivere Bundeswehr kaum zu erfĂŒllen. Er forderte: «Das Verteidigungsministerium sollte einen konkreten Vorschlag vorlegen, in dem die HĂŒrden fĂŒr einen Wechsel hin zur Verpflichtung eines gewissen Kontingents junger Leute nicht zu hoch sind.»





