Dokumenten-AffÀre: Keine Strafverfolgung gegen Biden
08.02.2024 - 21:30:25Die AffĂ€re um den Fund geheimer Regierungsunterlagen in privaten RĂ€umen von US-PrĂ€sident Joe Biden hat kein juristisches Nachspiel - könnte den 81-JĂ€hrigen aber politisch schwer beschĂ€digen. In dem veröffentlichten Bericht von Sonderermittler Robert Hur wird Biden als «wohlmeinender Ă€lterer Mann mit einem schlechten GedĂ€chtnis» beschrieben. Zwar kommt Hur zu dem Schluss, dass in der Dokumenten-AffĂ€re keine strafrechtliche Anklage gerechtfertigt sei. Biden habe allerdings als Privatperson «absichtlich geheime Materialien aufbewahrt und offengelegt». Dass dies dennoch keine juristischen Konsequenzen haben wird, begrĂŒndet der Ermittler unter anderem damit, dass Bidens Erinnerung wĂ€hrend der Befragung «signifikant eingeschrĂ€nkt» gewesen sei.Â
Ende 2022 waren Verschlusssachen aus Bidens Zeit als VizeprĂ€sident an verschiedenen Orten entdeckt worden, unter anderem in privaten BĂŒrorĂ€umen in der Hauptstadt Washington sowie im Haus Bidens in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Die Funde waren politisch Ă€uĂerst heikel fĂŒr den Demokraten, da sein republikanischer AmtsvorgĂ€nger Donald Trump mit einem Ă€hnlichen Fall fĂŒr einen Skandal gesorgt hatte - und sich fĂŒr seinen Umgang mit Dokumenten vor Gericht verantworten muss. Sowohl Biden als auch Trump wollen bei der US-PrĂ€sidentenwahl im November erneut antreten. Â
Werden brisante EinschÀtzungen zum Problem im Wahlkampf?
Die brisanten EinschĂ€tzungen des Berichts zu seinem geistigen Zustand könnten Biden im Wahlkampf politisch schwer zusetzen. Biden begrĂŒĂte in einer Stellungnahme, dass er keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befĂŒrchten hat. «Dies war eine umfassende Untersuchung, die mehr als 40 Jahre zurĂŒckreicht, sogar in die 1970er Jahre, als ich ein junger Senator war», schrieb er. Kurze Zeit spĂ€ter sagte der PrĂ€sident bei einer Veranstaltung, der Bericht zeige, dass sein Fall anders gelagert sei als der von Trump. Bidens Berater Richard Sauber betonte, man stimme «einigen ungenauen und unangemessenen Kommentaren im Bericht des Sonderermittlers nicht zu», akzeptiere aber, dass die Entscheidung des Sonderermittlers auf «Fakten und Beweisen» basiere.Â
Der mehr als 300 Seiten lange Bericht enthĂ€lt diverse Schilderungen ĂŒber Bidens Umgang mit den Verschlusssachen und Bewertungen ĂŒber seinen Charakter. So heiĂt es, Biden habe Geheiminformationen mit seinem Ghostwriter fĂŒr sein 2017 erschienenes Buch «Versprich es mir» geteilt. An anderer Stelle heiĂt es, in einer Befragung mit dem Team des Sonderermittlers habe sich Biden nicht daran erinnert, wann seine Zeit als VizeprĂ€sident geendet habe. Ebenfalls vergessen habe er, wann genau sein Sohn Beau gestorben sei. Gleichzeitig wird Biden als eitel dargestellt.Â
PrĂ€sidenten und VizeprĂ€sidenten sind nach dem Ausscheiden aus ihren Ămtern verpflichtet, Geheimdokumente an das Nationalarchiv zu ĂŒbergeben. Es ist ihnen nicht erlaubt, vertrauliche Regierungsunterlagen nach dem Abschied aus der Regierung privat zu lagern. Biden war von 2009 bis 2017 Vize von PrĂ€sident Barack Obama gewesen, bevor er Anfang 2021 selbst als Nummer eins im Staat ins WeiĂe Haus einzog.Â
Republikaner: Biden untauglich fĂŒr PrĂ€sidentenamt
Die republikanische FĂŒhrungsriege im US-ReprĂ€sentantenhaus hat Biden als «untauglich» fĂŒr das WeiĂe Haus bezeichnet. Zu den «beunruhigendsten Teilen des Berichts» zĂ€hle die BegrĂŒndung des Sonderermittlers, warum der 81-JĂ€hrige nicht angeklagt werde, hieĂ es in einer Mitteilung des Vorsitzenden des US-ReprĂ€sentantenhauses und seiner Kollegen im FĂŒhrungsteam.
«Ein Mann, der nicht in der Lage ist, fĂŒr den falschen Umgang mit Verschlusssachen zur Rechenschaft gezogen zu werden, ist sicherlich fĂŒr das Oval Office ungeeignet», so Mike Johnson.
Biden: Mein GedÀchtnis ist in Ordnung
Biden hat darauf gepocht, dass sein GedĂ€chtnis «in Ordnung» sei. «Ich meine, ich bin ein Ă€lterer Mann, und ich weiĂ, was zum Teufel ich tue. Ich bin PrĂ€sident und ich habe dieses Land wieder auf die Beine gebracht», sagte Biden bei einem kurzfristig anberaumten Pressestatement. Der 81-JĂ€hrige war wĂ€hrend seiner Ansprache sichtlich aufgebracht und beantwortete einige Fragen der anwesenden Medienvertreter, die ihn unter anderem kritisch zu seinem Alter, seiner geistigen Verfassung und Eignung fĂŒr das PrĂ€sidentenamt befragten.Â
Doch dann hat Biden den Ă€gyptischen PrĂ€sidenten Abdel Fattah al-Sisi zum Staatschef von Mexiko gemacht. «Wie Sie wissen, wollte der PrĂ€sident von Mexiko, Al-Sisi, zunĂ€chst nicht den GrenzĂŒbergang öffnen, um humanitĂ€re Hilfe hereinzulassen», sagte er. Biden meinte an dieser Stelle offensichtlich den Ă€gyptischen PrĂ€sidenten und bezog sich auf den GrenzĂŒbergang Rafah, ĂŒber den HilfsgĂŒter in den Gazastreifen gelangen. Mit seiner ĂuĂerung im Zusammenhang mit Israels Vorgehen im Gazastreifen reagierte der 81-JĂ€hrige auf die Frage einer anwesenden Journalistin.
Vertrauliche Dokumente in Bidens PrivatrÀumen aufgetaucht
Vor etwa einem Jahr waren in mehreren Tranchen vertrauliche Dokumente aus Bidens VizeprĂ€sidenten-Zeit in PrivatrĂ€umen des Demokraten aufgetaucht - unter anderem in der Garage seines Hauses in Wilmington. ZunĂ€chst waren Mitarbeiter auf Dokumente gestoĂen, spĂ€ter wurden Ermittler eingeschaltet, die bei Durchsuchungen RĂ€umlichkeiten an verschiedenen Orten durchkĂ€mmten.Â
Justizminister Merrick Garland setzte schlieĂlich den Sonderermittler ein, um die heiklen Anschuldigungen untersuchen zu lassen - Sonderermittler Hur wurde damit beauftragt. Zuvor arbeitete er als Anwalt fĂŒr eine Kanzlei in Washington. Davor war er Staatsanwalt im US-Bundesstaat Maryland. Hur wurde fĂŒr diese Position von dem damaligen PrĂ€sidenten Donald Trump nominiert. Vor dieser TĂ€tigkeit arbeitete er bereits im Justizministerium - etwa zu den Themen TerrorismusbekĂ€mpfung und Unternehmensbetrug.
Auch Trump wegen gesetzeswidriger Aufbewahrung angeklagt
Bidens VorgĂ€nger Trump ist inzwischen wegen gesetzeswidriger Aufbewahrung höchst sensibler Informationen aus seiner Zeit als PrĂ€sident (2017 bis 2021) angeklagt worden. Der Republikaner wird beschuldigt, Regierungsdokumente mit teils höchster Geheimhaltungsstufe aus seiner Amtszeit in seinem privaten Anwesen Mar-a-Lago in Florida gelagert und nach Aufforderung nicht zurĂŒckgegeben zu haben. Als Reaktion auf den Bericht zu Biden warf Trump der Justiz vor, mit zweierlei MaĂ zu messen und selektiv vorzugehen. In einer schriftlichen Stellungnahme, die sein Wahlkampfteam verbreitete, behauptete der Republikaner, Bidens Fall sei schwerwiegender und «ungeheuerlich kriminell».Â
Biden und das WeiĂe Haus waren wegen ihrer Informationspolitik in dem Fall schwer in die Kritik geraten. Die Regierungszentrale Ă€uĂerte sich anfangs nur sehr spĂ€rlich zu den VorwĂŒrfen. Von einigen Funden erfuhr die Ăffentlichkeit erst, indem Medien darĂŒber berichteten. Auch Biden zog mit lapidaren ĂuĂerungen einigen Unmut auf sich. Nach dem aufsehenerregenden Fund in seiner Garage in Wilmington - dort, wo auch sein Oldtimer vom Typ Corvette parkt - sagte er damals auf Reporternachfragen: «Meine Corvette steht in einer abgeschlossenen Garage, okay.» Es sei nicht so, als hĂ€tten die Unterlagen auf der StraĂe gelegen.


