US-Republikaner: Ermittlungen zur Amtsenthebung Bidens
14.12.2023 - 01:30:02Die Republikaner im US-ReprĂ€sentantenhaus treiben die Ermittlungen zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen US-PrĂ€sident Joe Biden voran. Sie werfen dem Demokraten vor, sein öffentliches Amt zum finanziellen Vorteil seiner Familie missbraucht zu haben. Eindeutige Beweise fĂŒr ein schweres Fehlverhalten haben die Republikaner bislang aber nicht vorgelegt.
Mit der Mehrheit der Republikaner stimmte das Abgeordnetenhaus dafĂŒr, mit den Ermittlungen weiterzumachen und diese zu «formalisieren». Es handelt sich um einen technischen Schritt, von dem sich die Republikaner mehr rechtliche Handhabe bei ihren Ermittlungen erhoffen. Ein Amtsenthebungsverfahren gegen den PrĂ€sidenten wird damit nicht eröffnet.
Biden weist VorwĂŒrfe zurĂŒck
Biden weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck. «Anstatt etwas zu tun, um das Leben der Amerikaner zu verbessern, konzentrieren sie sich darauf, mich mit LĂŒgen anzugreifen», reagierte der US-PrĂ€sident auf die Abstimmung. Er bezichtigte die Republikaner, bei wichtigen Themen wie der Genehmigung weiterer Ukraine-Hilfen untĂ€tig zu bleiben. Stattdessen «verschwenden» sie ihre Zeit mit einem «politischen Stunt».
Die Abgeordneten im ReprĂ€sentantenhaus votierten mit 221 zu 212 Stimmen fĂŒr die formelle Einleitung der Ermittlungen. Die Demokraten stimmten geschlossen dagegen. Der mittlerweile geschasste republikanische Vorsitzende der Kongresskammer, Kevin McCarthy, hatte die Ermittlungen im September angestoĂen. Er schreckte aber vor einer Abstimmung in der Parlamentskammer darĂŒber zurĂŒck. Seine Sorge war, dass einige gemĂ€Ăigtere Republikaner möglicherweise dagegen stimmen könnten. Das ist nun nicht eingetreten.
Abstimmung soll rechtliche Grundlage schaffen
Die Republikaner, die mit den Ermittlungen befasst sind, argumentierten in den vergangenen Wochen, dass ihnen die notwendige rechtliche Grundlage fĂŒr Vorladungen oder die Anforderungen von Dokumenten fehle. Zwar hatte das WeiĂe Haus Unterlagen ĂŒbergeben. Nach Ansicht der Republikaner sind diese aber nicht ausreichend. Der republikanische Vorsitzende des Justizausschusses, Jim Jordan, sagte, das Votum helfe dabei, die «SchlĂŒsselpersonen dazu zu bringen, zeitnah mit uns zu sprechen».
Der neue republikanische Vorsitzende der Kammer, Mike Johnson, gab mit der Abstimmung nun dem rechten FlĂŒgel seiner Partei nach. Dieser drĂ€ngte darauf, die Ermittlungen offiziell zu machen. Mit der jetzigen Abstimmung ist sichergestellt, dass sich die Ermittlungen ĂŒber den gesamten Wahlkampf fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl 2024 ziehen dĂŒrften.
Ob nach Ermittlungen am Ende tatsĂ€chlich ein Amtsenthebungsverfahren steht, ist fraglich. Denn dazu wĂ€re zunĂ€chst eine Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus nötig. Die Republikaner haben dort zwar eine knappe Mehrheit, doch mehrere moderatere Republikaner Ă€uĂerten sich zuletzt kritisch zu dem Vorhaben. Vor der tatsĂ€chlichen Eröffnung eines Verfahrens könnten sie möglicherweise dann doch zurĂŒckschrecken.
Selbst bei einem Erfolg im ReprĂ€sentantenhaus hĂ€tte ĂŒber eine Amtsenthebung des PrĂ€sidenten danach die andere Kongresskammer, der Senat, zu entscheiden. Dort haben Bidens Demokraten eine knappe Mehrheit. Dass der PrĂ€sident am Ende schuldig gesprochen und des Amtes enthoben werden könnte, gilt daher bislang als ausgeschlossen.
Bidens Sohn Hunter im Fokus
Von etlichen Republikanern wird der PrĂ€sident immer wieder in Verbindung zu den GeschĂ€ften seines Sohnes Hunter Biden gebracht. Am Mittwochmorgen stellte sich Hunter Biden, der sich unter anderem wegen möglicher Steuerdelikte vor Gericht verantworten muss, vor den US-Kongress und bot an, in einer öffentlichen Anhörung zu den Amtsenthebungsermittlungen gegen seinen Vater auszusagen. Die Republikaner hatten ihn vorgeladen, er sollte hinter verschlossenen TĂŒren aussagen. Dies lehnte er aus strategischen GrĂŒnden aber ab. «Lassen Sie mich so deutlich wie möglich sagen, dass mein Vater nicht finanziell an meinen GeschĂ€ften beteiligt war», betonte Hunter Biden.
Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump forderte seine Parteikollegen in der Vergangenheit immer wieder auf, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Biden anzustoĂen. WĂ€hrend Trumps Amtszeit hatten die Demokraten im Kongress gleich zwei Amtsenthebungsverfahren gegen ihn angestoĂen. Der Republikaner war der erste PrĂ€sident der US-Geschichte, der sich zwei solcher Impeachment-Verfahren im Senat stellen musste - eines wegen VorwĂŒrfen des Machtmissbrauches, eines wegen des gewaltsamen Sturmes seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol. Er wurde damals in beiden FĂ€llen vom Senat freigesprochen, wo zu der Zeit seine Partei noch das Sagen hatte.
Inzwischen lĂ€uft auĂerdem der Wahlkampf fĂŒr die nĂ€chste PrĂ€sidentenwahl, bei der Biden und Trump Kandidaten ihrer Parteien werden wollen. Trump ist mitten im Wahlkampf mit vier Anklagen in Strafverfahren konfrontiert - zwei davon im Zusammenhang mit seinen Versuchen, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 nachtrĂ€glich umzukehren.


