Massenprotest in Budapest gegen Orban
06.04.2024 - 18:53:18Zehntausende Ungarn haben in Budapest gegen die Regierung des rechtspopulistischen Regierungschefs Viktor Orban demonstriert und Neuwahlen gefordert. Aufgerufen zu einer der gröĂten Protestkundgebungen der letzten Jahrzehnte hatte der ehemalige Politik-Insider Peter Magyar, der sich erst kĂŒrzlich zum Orban-Kritiker gewandelt hatte. «Die Regierung möge die Macht zurĂŒck in die HĂ€nde des Volkes legen und ihm die Wahlmöglichkeit geben», sagte Magyar in einer knapp einstĂŒndigen Ansprache.
Magyar war mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet und hatte selbst FĂŒhrungsposten in staatlichen und staatsnahen Institutionen und Unternehmen bekleidet. Im Februar hatte er ĂŒberraschend mit seinem bisherigen politischen Umfeld gebrochen. Unmittelbarer Anlass war seiner Darstellung nach die AffĂ€re um die Begnadigung eines PĂ€dophilen-Helfers, die zum RĂŒcktritt von StaatsprĂ€sidentin Katalin Novak sowie dem Ende der politischen Laufbahn seiner Ex-Frau gefĂŒhrt hatte.
Seit seinem öffentlichen Auftreten als Kritiker der Orban-Regierung wirft Magyar dem Umfeld des Regierungschefs Korruption und Machtmissbrauch vor. Zur Untermauerung seiner Anschuldigungen veröffentlichte er im Vormonat den Mitschnitt eines GesprĂ€chs, das er Anfang des Vorjahres mit Varga gefĂŒhrt hatte, als sie Justizministerin und er noch mit ihr verheiratet war. Darin schildert die Politikerin, wie Gefolgsleute von Orbans mĂ€chtigem Kanzleiminister Antal Rogan in staatsanwaltliche Ermittlungen eingegriffen und den Minister belastende Stellen aus den Akten getilgt haben sollen. Varga bestritt die AuthentizitĂ€t des GesprĂ€chs nicht, behauptete aber, von Magyar zu Aussagen manipuliert und genötigt worden zu sein, die inhaltlich nicht stimmten.
Tritt Magyar bei der Europawahl an?
Auf der Kundgebung rief Magyar in die Menge: «Wir fordern unser Land und unsere nationalen Symbole zurĂŒck!» Er ermutigte die Menschen, sich in seiner neuen Bewegung «Auf, auf, Ungarn!» zu engagieren. Bei der Europawahl am 9. Juni kann Magyar mit keiner eigenen Partei antreten, weil er mit einer ParteigrĂŒndung die Fristen nicht einhalten kann. Er verhandle aber mit existierenden Parteien, um ein Antreten zu ermöglichen. Das Ergebnis der Europawahl in Ungarn werde «zum ersten Sargnagel» fĂŒr das Orban-System, fĂŒgte Magyar hinzu.


