Kolonialismus, Spanien

Deutschland und Frankreich wollen EU-Sanktionen im Niger

30.08.2023 - 05:17:42

Vor rund einem Monat entmachten MilitĂ€rs den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten im Niger. Die EU stoppt alle Finanzhilfen fĂŒr das arme Land. Nun fordern Berlin und Paris Sanktionen gegen die Putschisten.

  • Menschen demonstrieren am 03.08.2023 in Nigers Hauptstadt Niamey, um damit ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Putschisten zu zeigen. Ein junger Mann hĂ€lt dabei ein Schild mit der Aufschrift «A bas la France» (Nieder mit Frankreich) in die Höhe. - Foto: 1

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  • Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa

    Sam Mednick/AP/dpa

Menschen demonstrieren am 03.08.2023 in Nigers Hauptstadt Niamey, um damit ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Putschisten zu zeigen. Ein junger Mann hĂ€lt dabei ein Schild mit der Aufschrift «A bas la France» (Nieder mit Frankreich) in die Höhe. - Foto: 1Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa

Deutschland und Frankreich werben bei EU-Partnern fĂŒr Sanktionen gegen die Putschisten im westafrikanischen Niger. Wie die Deutsche Presse-Agentur vor einem EU-Außenministertreffen im spanischen Toledo von mehreren Diplomaten erfuhr, sollen die Strafmaßnahmen insbesondere fĂŒhrende Vertreter der seit einem Staatsstreich regierenden MilitĂ€rjunta treffen.

Zudem könnten zum Beispiel auch Organisationen ins Visier genommen werden, die die Putschisten unterstĂŒtzen. Es mĂŒsse deutlich gemacht werden, dass die EU die gewaltsame Absetzung eines demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten nicht tatenlos hinnehme, hieß es.

Senegals Außenministerin: Nicht wegschauen

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte sich bereits in der vergangenen Woche Ă€hnlich geĂ€ußert. Was im Niger passiere, betreffe alle demokratischen LĂ€nder auf der Welt, sagte die GrĂŒnen-Politikerin am Rande eines GesprĂ€chs mit der Außenministerin von Senegal, Aissata Tall Sall, in Berlin. Schaue man einfach weg, wenn in einem Nachbarland oder auf einem anderen Kontinent eine demokratisch gewĂ€hlte Regierung weggeputscht werde, dann drohe ein solcher Regelbruch auch in anderen Regionen der Welt.

Im Niger hatten im Juli Offiziere der PrĂ€sidialgarde Staatschef Mohamed Bazoum festgesetzt und fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der PrĂ€sidialgarde, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich daraufhin selbst zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme als De-Facto-PrĂ€sident setzten die Putschisten die Verfassung außer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€ĂŸigen Institutionen auf.

Wichtiger Partner im Kampf gegen Terrorismus

EU-Sanktionen gegen die Putschisten mĂŒssten einstimmig von allen EU-Staaten beschlossen werden. Sie wĂŒrden den EU-Angaben zufolge unter anderem EU-Einreiseverbote umfassen. Zudem mĂŒssten in der EU vorhandene Vermögenswerte der Betroffenen eingefroren werden.

Bereits kurz nach dem Putsch hatte die EU mitgeteilt, alle bisherigen EU-UnterstĂŒtzungszahlungen fĂŒr den Niger vorerst auf Eis zu legen. Das Land mit rund 26 Millionen Einwohnern war bislang ein wichtiger Partner der EU im Kampf gegen islamistischen Terrorismus und illegale Migration.

Dass die anderen EU-Staaten den deutsch-französischen Verstoß fĂŒr EU-Sanktionen unterstĂŒtzen, gilt als sehr wahrscheinlich - vor allem, wenn am Ende sichergestellt wird, dass humanitĂ€re Hilfe weiter möglich bleibt. Grund dafĂŒr ist auch, dass der neue MilitĂ€rmachthaber Tiani zuletzt angekĂŒndigt hatte, eine Übergangsregierung einzusetzen, die bis zu drei Jahre im Amt bleiben soll. Die EU und auch andere afrikanische Staaten fordern eigentlich eine Wiedereinsetzung der Verfassung und des entmachteten und unter Hausarrest stehenden PrĂ€sidenten.

Zu dem informellen Außenministertreffen, das an diesem Mittwochabend und Donnerstag stattfindet, hat der AuswĂ€rtige Dienst auch ein Diskussionspapier zur Lage im Niger erstellt. Auf der Basis der Beratungen könnten dann in den nĂ€chsten Wochen konkrete SanktionsplĂ€ne erarbeitet werden.

@ dpa.de