Selenskyj besteht weiter auf Freigabe weitreichender Waffen
22.09.2024 - 05:14:36 | dpa.deDer ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj beharrt auf einer Freigabe weitreichender westlicher Waffen fĂŒr den Einsatz gegen Ziele tief im russischen Staatsgebiet. «Wir sind dabei, unsere Partner zu ĂŒberzeugen und werden das auch in der nĂ€chsten Woche fortsetzen, dass die Ukraine eine vollwertige ReichweitenfĂ€higkeit benötigt», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Das sei nicht mit den eigenen Drohnen oder den eigenen Raketen möglich, die bisher keine ausreichende Reichweite haben. Kommende Woche reist Selenskyj zu GesprĂ€chen in die USA und wird dort unter anderem US-PrĂ€sident Joe Biden treffen.
Der Staatschef dankte dem MilitĂ€r fĂŒr ein erfolgreich angegriffenes Munitionslager in Russland. «Das nĂ€chste Arsenal in Russland wurde geschĂ€digt und das war ein bedeutendes Arsenal fĂŒr den Besatzer», unterstrich der PrĂ€sident. Zudem hob er hervor, dass dem Geheimdienst SBU ein Schlag gegen ein russisches Arsenal mit taktischen Raketen und Gleitbomben geglĂŒckt sei.Â
«Alles das, was Russland fĂŒr seinen Terror gegen unsere StĂ€dte einsetzt», betonte Selenskyj. FĂŒr die Angriffe seien ausschlieĂlich Waffen aus ukrainischer Produktion eingesetzt worden. «Ohne die Mittel, die unsere Partner bereitstellen und die das Ende dieses Krieges durch die Zerstörung des russischen Offensivpotenzials bedeutend beschleunigen könnten», sagte Selenskyj im Hinblick auf die von ihm bemĂ€ngelte unzureichende UnterstĂŒtzung durch die westlichen Partner.
Zuvor waren Munitionsdepots im zentralrussischen Gebiet Twer und im sĂŒdrussischen Gebiet Krasnodar mehrere Hundert Kilometer entfernt vom ukrainisch kontrollierten Gebiet von Drohnen angegriffen worden. Die russische Armee hatte zwar die Drohnenangriffe eingerĂ€umt, aber die SchĂ€den heruntergespielt und von BrĂ€nden ausgelöst durch abgestĂŒrzte DrohnentrĂŒmmer gesprochen.Â
Verletzte bei Luftangriff auf Charkiw
Durch russischen Beschuss eines Wohnblocks in der grenznahen GroĂstadt Charkiw wurden nach ukrainischen Angaben mehr als 20 Menschen verletzt. Unter ihnen seien auch ein achtjĂ€hriges Kind und zwei Jugendliche, teilte der zustĂ€ndige Gouverneur Oleh Synjehubow in der Nacht bei Telegram mit. Auch der BĂŒrgermeister der Stadt berichtete auf Telegram von dem Luftangriff. Mehrere Autos stĂŒnden in Flammen, Dutzende Menschen seien evakuiert worden, schrieb Ihor Terechow.
Moskau lehnt Teilnahme an Selenskyjs Friedensgipfel weiter ab
Im AuĂenministerium in Moskau reagierte man ablehnend auf Selenskyjs Absicht, Vertreter Russlands zu einem zweiten sogenannten Friedensgipfel einzuladen. Vertreter Russlands wĂŒrden nicht teilnehmen, unterstrich Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa. Es sei dabei keine reale Regelung des Konflikts um die Ukraine beabsichtigt. Doch Russland verweigere sich nicht einer politischen und diplomatischen Beilegung der Krise und sei bereit zur Diskussion tatsĂ€chlich ernsthafter VorschlĂ€ge, betonte Sacharowa. Dabei seien jedoch die Situation «am Boden» und die Interessen Russlands zu berĂŒcksichtigen. Sie warf dabei Kiew und dem Westen vor, an einer Fortsetzung des Krieges interessiert zu sein.
Im Juni hatten Dutzende Staaten ohne Russland und China an einem ersten Treffen in der Schweiz teilgenommen. Auf den Kriegsverlauf hatte das Gipfeltreffen keinen Einfluss. Selenskyj plant ein zweites Treffen bereits im November, zu dem auch Vertreter Russlands eingeladen werden sollen.
Ukrainische VorwĂŒrfe zu russischen AngriffsplĂ€nen auf Atomanlagen
Die Ukraine warf Russland Planungen von Raketenangriffen vor dem Winter auf Atomenergieanlagen vor. «Das betrifft insbesondere offene Verteileranlagen in Atomkraftwerken und Umspannwerken, die fĂŒr den sicheren Betrieb der Kernenergie entscheidend sind», schrieb AuĂenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Ein Zwischenfall bei den Atomkraftwerken könnte globale Auswirkungen haben. Die Informationen der ukrainischen Geheimdienste seien bereits der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) ĂŒbermittelt worden.
Russische Raketen- und Drohnenangriffe zielten wiederholt auf Energieanlagen ab. Ukrainischen Angaben nach wurden dabei seit MĂ€rz Kraftwerksanlagen mit einer ErzeugungskapazitĂ€t von mehr als neun Gigawatt beschĂ€digt oder zerstört. Deshalb kommt es immer wieder zu stundenlangen StromausfĂ€llen im Land. Die drei in Betrieb befindlichen ukrainischen Atomkraftwerke in den westukrainischen Gebieten Riwne und Chmelnyzkyj und in der sĂŒdukrainischen Region Mykolajiw haben zusammen eine Leistung von etwa 7,8 Gigawatt. Damit wird gut die HĂ€lfte des ukrainischen Stroms erzeugt.
Nach dem Einmarsch in die Ukraine hatte Russland bereits das gröĂte Atomkraftwerk Europas nahe dem sĂŒdukrainischen Saporischschja besetzt. Die sechs Reaktoren mit einer Gesamtleistung von sechs Gigawatt wurden aus SicherheitsgrĂŒnden komplett heruntergefahren. In der Umgebung des Kraftwerks werden immer wieder Artillerie- und Drohnenangriffe verzeichnet. Mehrere ukrainische RĂŒckeroberungsversuche scheiterten.
Die russischen Besatzungsbehörden hatten erst am Freitag von einem neuerlichen angeblichen Drohnenangriff auf Transformatoren eines Umspannwerks am Kraftwerk berichtet. Den vor Ort befindlichen IAEA-Inspektoren wurden die Folgen gezeigt. Das ukrainische Energieministerium rief parallel dazu die IAEA auf, auch die Umspannwerke an den drei in Betrieb befindlichen ukrainischen Atomkraftwerken durch IAEA-Mitarbeiter ĂŒberwachen zu lassen.
Die Ukraine wehrt mit westlicher UnterstĂŒtzung seit Februar 2022 eine russische Invasion ab.
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