Johann Wadephul, Sergej Lawrow

Wadephul trifft Lawrow in New York – Grüne fordern Ukraine-Hilfe

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 11:15 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Grünen sehen in dem direkten Austausch einen wichtigen diplomatischen Schritt, warnen aber vor fehlender russischer Bereitschaft zu Friedensverhandlungen. Zugleich fordern sie mit Blick auf den bevorstehenden Winter weitere Unterstützung für die ukrainische Verteidigungsfähigkeit.

Grüne begrüßen Wadephuls Treffen mit Lawrow
Sergei Lawrow (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Grünen begrüßen das Treffen von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in New York. Grünen-Chefin Franziska Brantner betonte zugleich, Deutschland müsse die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine angesichts des anhaltenden russischen Angriffskriegs sichern.

Brantner dankt Wadephul für Gespräch

Brantner sagte der „Rheinischen Post“, sie sei dem Außenminister dankbar, dass er das Gespräch mit Lawrow gesucht habe. Die Reaktion des russischen Außenministers zeige jedoch erneut, dass Russlands Präsident Wladimir Putin kein Interesse an Friedensverhandlungen mit der Ukraine habe.

Nach den Angaben der Grünen-Politikerin überziehe Putin die Ukraine weiterhin Tag für Tag und Nacht für Nacht mit neuen Drohnen- und Raketenangriffen. Deutschland müsse deshalb seinen Beitrag dazu leisten, die Verteidigungsfähigkeit des Landes sicherzustellen.

Warnung vor Angriffen auf Energieversorgung

Die Ukrainer kämpften jeden Tag für ihre Freiheit und damit auch für die europäische Friedensordnung, sagte Brantner weiter. Der Ukraine stehe nun ein weiterer harter Winter bevor.

Brantner rechnet damit, dass der russische Präsident die Angriffe auf die Energieversorgung in dieser Zeit noch einmal verstärken könnte. Das Treffen Wadephuls mit Lawrow fand am Rande der UN-Generaldebatte in New York statt und dauerte rund 20 Minuten.

Das Treffen in New York markiert den ersten direkten Austausch auf Außenministerebene zwischen Deutschland und Russland seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022. Der etwa 20-minütige Kontakt beendet damit nicht die politische Konfrontation, schafft aber einen direkten Kommunikationskanal in einer Phase, in der Deutschland zugleich auf Unterstützung für Kiew und auf eine Begrenzung weiterer Eskalationsrisiken setzt.

Die unterschiedlichen Bewertungen der Begegnung verdeutlichen die politischen Grenzen des Gesprächs. Wadephul verband den Austausch mit Forderungen nach Deeskalation und einem Ende des Krieges, während Lawrow keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber öffentlichen Erklärungen erkennen ließ. Auch die russische Darstellung der militärischen Ziele steht einer Annäherung entgegen.

Unterstützung für die Ukraine bleibt zentral

Für die deutsche Ukraine-Politik bedeutet der Gesprächskontakt daher keinen Kurswechsel. Die Grünen verbinden die Bereitschaft zum direkten Dialog ausdrücklich mit der Forderung, die ukrainische Verteidigungsfähigkeit weiter zu sichern. Das gewinnt vor dem erwarteten Winter an Bedeutung, weil Angriffe auf Energieinfrastruktur die Versorgung der Zivilbevölkerung und die wirtschaftliche Stabilität des Landes zusätzlich belasten können.

Für Deutschland liegen die Folgen auf mehreren Ebenen: Berlin muss Gesprächsbereitschaft und Abschreckung miteinander verbinden, die europäische Unterstützung koordinieren und zugleich auf hybride Angriffe reagieren. Ein einzelnes Außenministertreffen kann dafür einen Kommunikationsweg öffnen, ersetzt aber weder belastbare Verhandlungen noch konkrete Schritte zur Beendigung des Krieges.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Wadephul trifft überraschend Lawrow in New York“ (26.09.2026)

Der Beitrag bestätigt das rund 20-minütige Treffen am Rande der UN-Generaldebatte und stellt die fortbestehende Uneinigkeit heraus. Als zusätzlichen Schwerpunkt beschreibt er die unterschiedlichen Darstellungen dazu, wie das Gespräch zustande kam, sowie Lawrows kompromisslose Aussagen bei der UN-Generaldebatte.

Deutschlandfunk: „Keine Annäherung zwischen Deutschland und Russland nach Treffen von Wadephul und Lawrow“ (27.09.2026)

Der Deutschlandfunk bewertet den Austausch ebenfalls als ohne Annäherung, betont aber Wadephuls Einschätzung, das Gespräch sei trotz fundamentaler Unterschiede sinnvoll gewesen. Offen bleibt vor allem, ob aus dem direkten Kontakt weitere Gespräche entstehen und welche Voraussetzungen Russland dafür schaffen müsste.

Medienübergreifend besteht Einigkeit über den kurzen, ersten direkten Außenministerkontakt seit 2022 und das Ausbleiben konkreter Annäherung. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung des Gesprächsnutzens und in der Darstellung seiner diplomatischen Initiative.

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