Nach Erfolg der Rechten: Ă–sterreichs SPĂ– leckt ihre Wunden
30.09.2024 - 15:45:48Nach dem historischen Erfolg der rechten FPĂ– bei der Parlamentswahl in Ă–sterreich verzichten die klar geschlagenen Sozialdemokraten vorerst auf personelle Konsequenzen. SPĂ–-Chef Andreas Babler, dessen Partei nur auf Platz drei hinter FPĂ– und der konservativen Ă–VP landete, hatte auf das Amt des Bundeskanzlers gehofft. Am Montag blieb zunächst unklar, ob der 51-Jährige an der Parteispitze eine Zukunft hat. Er sagte in Wien, es gebe «keinen Grund», seine Position zur VerfĂĽgung zu stellen.Â
Die Sozialdemokraten verzeichneten eine historische Wahlschlappe. Deshalb rät der sozialdemokratische Regierungschef des Burgenlands, Hans Peter Doskozil, von einer Regierungsbeteiligung ab. Das Wahlergebnis vom Sonntag sei «kein Auftrag, in eine Regierung einzutreten», sagte der SPÖ-Politiker in Eisenstadt. Vielmehr müsse man das Ergebnis nun in Ruhe aufarbeiten, betonte der ehemalige Verteidigungsminister.
Die SPĂ– hat als einzige Partei am Montag mit der Aufarbeitung der Nationalratswahl begonnen, die anderen werden am Dienstag tagen. Mit 21,1 Prozent der Stimmen landeten sie auf Platz drei - ein Minus von 0,1 Prozentpunkte gegenĂĽber dem bisherigen Rekordtief von 2019. Innerhalb der SPĂ– wird Babler von einigen als zu links angesehen. Ministerpräsident Doskozil positioniert sich eher am rechten FlĂĽgel der Partei.Â
Wahlsieger wurde die rechte FPĂ– mit 28,8 Prozent der Stimmen. Auf Platz zwei kam die konservative Kanzlerpartei Ă–VP mit 26,3 Prozent. Eine Koalition mit den Rechtspopulisten mit Herbert Kickl an der Spitze haben alle Parteien ausgeschlossen. Deshalb wäre eine Koalition zwischen Ă–VP und SPĂ– möglich.Â
Wählerstrom von ÖVP zu FPÖ
Inhaltlich wĂĽrden sich jedoch die Rechtspopulisten und die Konservativen näher stehen - besonders im Hinblick auf ihre restriktive Migrationspolitik. Ăśberschneidungen gibt es offenbar auch bei den Wählern: Am Sonntag gaben mehr als 400.000 ehemalige Ă–VP-Wähler der FPĂ– ihre Stimme, wie eine Analyse des Instituts Foresight im Auftrag des Senders ORF zeigt.Â
Besonders stark schnitt die FPÖ in ländlichen Gebieten ab. Fast die Hälfte ihrer Wählerinnen und Wähler lebt in eher dünn besiedelten Regionen. Die größeren Städte stemmten sich hingegen gegen den Rechts-Trend. In Wien, Graz, Linz und Innsbruck erhielten die Sozialdemokraten die Mehrheit.
Protestdemonstrationen geplant
In der Hauptstadt Wien regt sich in der Kulturszene und in linken Gruppierungen Widerstand gegen eine mögliche Regierungsrolle für die FPÖ. Auf Instagram wurde ein Aufruf zur Wiederbelebung der sogenannten «Donnerstagsdemos» veröffentlicht. Diese Proteste gegen die Koalition von ÖVP und FPÖ waren im Jahr 2000 und ab 2018 regelmäßig in Wien abgehalten worden.
Kulturschaffende müssten nun für demokratische Freiheit und Weltoffenheit einstehen, meinte der Direktor des Wiener Burgtheaters, Stefan Bachmann. Es liege an den Parteien, in den Koalitionsverhandlungen «dafür zu sorgen, dass unsere Demokratie gegen einen drohenden rechtspopulistischen Staatsumbau verteidigt wird.» Die Direktorin der Nationalbibliothek, Johanna Rachinger, warnte angesichts des FPÖ-Siegs vor einer «Hinwendung zu einer illiberalen Demokratie mit autokratischen Tendenzen.»
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