Nahost, Israel

Jahrzehnte des Konflikts um PalÀstinenser-Staat

21.09.2025 - 15:28:47

Warum erscheint die Vision eines palĂ€stinensischen Staates nach Jahrzehnten des Konflikts heute ferner denn je? Ein Blick auf den Streit, die historischen HintergrĂŒnde - und die Haltung Deutschlands.

  • Israelische Siedler im Westjordanland. (Archivbild) - Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

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  • KĂ€mpfer der islamistischen Terrororganisation Hamas. (Archivbild) - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

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  • Zerstörungen im Gazastreifen. (Archivbild) - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa

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  • Ein Demonstrant schwenkt eine palĂ€stinensische Flagge wĂ€hrend einer Demonstration vor dem griechischen Parlament. (Archivbild) - Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa

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Israelische Siedler im Westjordanland. (Archivbild) - Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpaKÀmpfer der islamistischen Terrororganisation Hamas. (Archivbild) - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpaZerstörungen im Gazastreifen. (Archivbild) - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpaEin Demonstrant schwenkt eine palÀstinensische Flagge wÀhrend einer Demonstration vor dem griechischen Parlament. (Archivbild) - Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa

Ihren eigenen Staat haben die PalÀstinenser eigentlich schon vor fast vier Jahrzehnten ausgerufen: In Algier proklamierte die PalÀstinensische Befreiungsorganisation (PLO) am 15. November 1988 einen unabhÀngigen Staat PalÀstina. Seit dieser symbolischen Geste haben die PalÀstinenser fast nichts unversucht gelassen, um ihren Traum zu verwirklichen.

Sie setzten Israel gegenĂŒber auf Verhandlungen, diplomatischen Druck und auch auf Gewalt - doch die Vision von eigener Staatlichkeit erscheint heute in der RealitĂ€t ferner denn je, nicht zuletzt angesichts des fortwĂ€hrenden Siedlungsausbaus und Annexionsbestrebungen vonseiten Israels. Nun gibt es eine neue internationale Dynamik, einen Staat PalĂ€stina anzuerkennen. Hier ein Blick darauf, wie sich der Konflikt im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat. 

Der historische Hintergrund des Konflikts

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel die Region PalĂ€stina zunĂ€chst unter britische Verwaltung. 1917 hatte London den Juden eine «nationale HeimstĂ€tte», zugleich aber auch den Arabern UnterstĂŒtzung versprochen. Versuche, beide Nationalbewegungen in einem Staat zu vereinen, scheiterten an zunehmender Gewalt. 

Die Ermordung von sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland und seine Helfershelfer wĂ€hrend des Holocausts verstĂ€rkte die Überzeugung, dass die Einrichtung eines jĂŒdischen Staates als «sicherer Hafen» unerlĂ€sslich war. 1947 beschlossen die Vereinten Nationen daraufhin die Teilung PalĂ€stinas: Israel fĂŒr die Juden, PalĂ€stina fĂŒr die Araber. Die arabische Seite lehnte den Plan jedoch ab. 

Die Juden grĂŒndeten daraufhin 1948 den Staat Israel. Unmittelbar danach griffen die NachbarlĂ€nder Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien den jungen Staat an – doch sie verloren. Der erste Nahost-Krieg - Israels UnabhĂ€ngigkeitskrieg - fĂŒhrte zur Flucht und Vertreibung von mehr als 700.000 PalĂ€stinensern wĂ€hrend der «Nakba» (arabisch fĂŒr Katastrophe). Hunderttausende weitere folgten im Sechstagekrieg 1967, heute als «Naksa» (RĂŒckschlag) bezeichnet.

Der Friedensprozess der 1990er Jahre weckte Hoffnung auf eine friedliche Beilegung des Konflikts, scheiterte aber an zentralen Punkten: Umstrittene Grenzlinien, der Status Jerusalems, die RĂŒckkehr von FlĂŒchtlingen und der Umgang mit israelischen Siedlungen.

Extremisten auf beiden Seiten torpedierten Friedensprozess

Besonders die Ermordung des israelischen MinisterprĂ€sidenten Izchak Rabin 1995 durch einen jĂŒdischen Extremisten sowie die blutigen Selbstmordattentate der Hamas in Israel trugen entscheidend zur Destabilisierung des Friedensprozesses bei.

Auch der Bruderkrieg zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten PalĂ€stinenserorganisationen Hamas und Fatah schwĂ€chte das palĂ€stinensische Streben nach einem eigenen Staat weiter. Israel zog sich 2005 aus dem Gazastreifen zurĂŒck. 2006 gewann die Hamas die letzte palĂ€stinensische Parlamentswahl. Im Jahr darauf riss sie mit Gewalt die alleinige Kontrolle im Gazastreifen an sich und vertrieb die gemĂ€ĂŸigtere Fatah. Der palĂ€stinensische PrĂ€sident Mahmud Abbas, der auch Chef der sĂ€kularen Fatah und der PLO ist, regiert seitdem de facto nur noch im Westjordanland. Alle Versöhnungsversuche scheiterten. 

Israel lehnt Vorstoß ab und droht mit Annexion

Israel lehnt die Zweistaatenlösung heute ab, weil sie die Existenz des jĂŒdischen Staates gefĂ€hrde. Die Regierung wirft dem palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Abbas ĂŒberdies vor, Terror zu fördern, und kritisiert eine Anerkennung als Belohnung fĂŒr die Hamas nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023. Die Terrororganisation Hamas will Israel zerstören und einen islamischen Staat errichten.

Gleichzeitig treibt die Netanjahu-Regierung den Siedlungsbau in Westjordanland und Ost-Jerusalem systematisch voran und schafft so Fakten vor Ort. Über 700.000 Siedler leben dort neben drei Millionen PalĂ€stinensern auf erobertem Land von 1967. Rechtsextreme Minister drĂ€ngen auf Annexion, Finanzminister Bezalel Smotrich drohte, Israel werde sich «JudĂ€a und Samaria» grĂ¶ĂŸtenteils einverleiben, falls ein palĂ€stinensischer Staat anerkannt werde. Laut Umfragen glaubt aktuell nur eine kleine Minderheit der Israelis, dass eine friedliche Koexistenz mit einem palĂ€stinensischen Staat möglich wĂ€re.

USA und Deutschland ziehen nicht mit

Deutschland plant vorerst keinen Staat PalĂ€stina anzuerkennen. Kanzler Friedrich Merz betonte, die Voraussetzungen dafĂŒr seien nicht erfĂŒllt. Eine Anerkennung sei der letzte Schritt auf dem Weg zur Zweistaatenlösung, die durch Verhandlungen erreicht werden mĂŒsse. Existenz und Sicherheit Israels sind fĂŒr die Bundesregierung Staatsraison und man will kĂŒnftige VermittlungsbemĂŒhungen nicht erschweren.

US-Außenminister Marco Rubio kritisierte, die Anerkennung eines palĂ€stinensischen Staates erschwere die Beendigung des Gaza-Kriegs, weil sie die Hamas ermutige. Ghazi Hamad, hochrangiges Hamas-Mitglied, hatte die Anerkennung zuletzt «FrĂŒchte des 7. Oktober» gelobt.

@ dpa.de