Iran, USA

Welche Rolle spielt Pakistan bei den Iran-GesprÀchen?

10.04.2026 - 04:30:04 | dpa.de

Warum setzen der Iran und die USA auf Pakistan statt auf andere Vermittler? Und welche Motive verfolgen die Gastgeber? Hinter den Kulissen der Krisendiplomatie.

  • Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen sollen GesprĂ€che zwischen Vertretern der USA und des Irans in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad beginnen. - Foto: Anjum Naveed/AP/dpa
  • Pakistans Premier Shehbaz Sharif ist ein Vermittler in den GesprĂ€chen zur Beilegung des Iran-Konflikts. (Archivbild) - Foto: K.M. Chaudary/AP/dpa
  • Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, verbindet eine enge Beziehung mit US-PrĂ€sident Donald Trump. (Archivbild) - Foto: K.M. Chaudary/AP/dpa
Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen sollen GesprÀche zwischen Vertretern der USA und des Irans in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad beginnen.  - Foto: Anjum Naveed/AP/dpa Pakistans Premier Shehbaz Sharif ist ein Vermittler in den GesprÀchen zur Beilegung des Iran-Konflikts. (Archivbild) - Foto: K.M. Chaudary/AP/dpa Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, verbindet eine enge Beziehung mit US-PrÀsident Donald Trump. (Archivbild) - Foto: K.M. Chaudary/AP/dpa

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sollen an diesem Freitag in Pakistan GesprĂ€che ĂŒber eine Beilegung des Iran-Konflikts beginnen. Pakistanischen Sicherheitskreisen zufolge werden die Delegationen der USA und des Irans zuerst GesprĂ€che auf Expertenebene fĂŒhren. Danach sollen sich fĂŒhrende Regierungsvertreter am Samstagvormittag zu politischen Verhandlungen treffen. 

Das Regierungs- und Diplomatenviertel in Islamabad wurde abgeriegelt. Strenge Sicherheitsvorkehrungen gelten fĂŒr die gesamte Hauptstadt. Das «Serena»-Hotel sei komplett leer gerĂ€umt, hieß es aus Sicherheitskreisen weiter. Die wichtigsten HintergrĂŒnde und Fakten zu den bevorstehenden Verhandlungen:

Welche Rolle spielt Pakistan fĂŒr die USA und den Iran?

Die USA brachen am 7. April 1980 die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Die Vorgeschichte: Iranische Studenten besetzten im Zuge der islamischen Revolution im Iran am 4. November 1979 die US-Botschaft und nahmen amerikanische Diplomaten und Mitarbeiter 444 Tage lang in Geiselhaft. Pakistans Botschaft in Washington vertritt inzwischen seit mehr als drei Jahrzehnten iranische Interessen in den USA.

Warum ist Pakistan fĂŒr den Iran diesmal erste Wahl? 

Obwohl Pakistan nicht als politischer VerbĂŒndeter des Irans gilt, hat Islamabad die FĂŒhrung in Teheran nie offen provoziert. Außerdem gehört Pakistan keiner MilitĂ€rkoalition gegen den Iran an. Trotz gelegentlicher Spannungen pflegen beide LĂ€nder seit Jahrzehnten ein VerhĂ€ltnis, das weniger von Ideologie und mehr von geopolitischem Pragmatismus geprĂ€gt ist. Beide LĂ€nder teilen nicht nur eine 900 Kilometer lange Grenze, sondern zahlreiche religiöse und kulturelle Gemeinsamkeiten sowie vielfĂ€ltige sicherheitspolitische Herausforderungen. 

Ein weiterer Punkt, der fĂŒr Pakistan spricht: Trotz massiver internationaler Sanktionen gegen den Iran bestehen enge bilaterale Wirtschaftsbeziehungen. Ein Beispiel sind TauschgeschĂ€fte, bei denen Waren gegen Waren ausgetauscht werden, ohne dass US-Dollar oder internationale BankĂŒberweisungen fließen mĂŒssen. Ferner gibt es GrenzmĂ€rkte. Pakistan hat sich zwar stets zurĂŒckgehalten, um nicht in Konflikt mit westlichen Sanktionen zu geraten, sucht aber eine regionale Wirtschaftskooperation mit dem Iran.

HĂ€tte es nicht auch Alternativen wie die TĂŒrkei gegeben? 

FĂŒr den Iran ist Islamabad akzeptabler als westliche oder arabische HauptstĂ€dte. Ein Grund: In der Region verfĂŒgt der Iran - vor allem jetzt auch wegen seiner Angriffe auf Golfstaaten - ĂŒber wenige LĂ€nder, die als Freunde und Vermittler infrage kĂ€men. Katar und Oman haben mehrfach vermittelt. Omans BemĂŒhungen waren zuletzt nicht von Erfolg gekrönt. Die TĂŒrkei gilt fĂŒr Teheran aufgrund ihrer Nato-Mitgliedschaft nicht als vollstĂ€ndig neutral. Russland ist durch den Ukraine-Krieg selbst international isoliert. 

Spielen persönliche Beziehungen bei der Wahl Pakistans eine Rolle?

In der Diplomatie genießt US-PrĂ€sident Donald Trump eine Sonderstellung, sehr viel hĂ€ngt davon ab, mit wem er kann oder eben nicht kann. Und wenn Trump seinen Partner nicht nur als «großartigen AnfĂŒhrer», «großartigen KĂ€mpfer», «hoch respektierten General» oder «Lieblingsfeldmarschall» tituliert, dann spricht das BĂ€nde ĂŒber sein VerhĂ€ltnis zum pakistanischen Armeechef Asim Munir. Das persönliche VerhĂ€ltnis festigte sich vor allem durch Munirs Rolle bei der Deeskalation des Grenzkonflikts 2025 mit Indien. Trump dankte ihm öffentlich dafĂŒr. Das VerhĂ€ltnis des US-PrĂ€sidenten zu Premier Shehbaz Sharif wird oft als Arbeitsbeziehung beschrieben. Den Entscheider sieht Trump demnach in Munir.

Hat Pakistan Erfahrungen als internationaler Vermittler?

Ja, und die reichen teils Jahrzehnte zurĂŒck. ErwĂ€hnt seien die Vermittlung zwischen den USA und China 1971 und den rivalisierenden Golfanrainern Saudi-Arabien und Iran von 2016 bis 2019. Ohne Vermittlung Pakistans wĂ€re 2020 auch das Doha-Abkommen zwischen den USA und den afghanischen Taliban nicht zustande gekommen. Es sollte den Weg zum Abzug der US- und Koalitionstruppen aus Afghanistan ebnen. Ein weiteres Beispiel ist die Beilegung des Grenzkonflikts mit Indien 2025. Und schließlich ganz aktuell: die Vermittlung im Iran-Konflikt.

Was verspricht sich Pakistan von den Vermittlungen?

Wie so oft in der Diplomatie spielen auch handfeste wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Der Iran-Krieg fĂŒhrte auch in Pakistan zu einem massiven Anstieg der Energiepreise und damit zu starkem Druck auf die Wirtschaft. Wenn der Krieg vorbei ist, dĂŒrften die Preise wieder fallen.

Und dann unterliegt Pakistan noch Dutzenden Auflagen des Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) fĂŒr einen Kredit. Die reichen von einer Erhöhung der Strom- und Gaspreise bis hin zur KorruptionsbekĂ€mpfung. Die pakistanische FĂŒhrung könnte vielleicht auf Folgendes spekulieren: Gelingt ein Erfolg als Vermittler, könnte die US-Regierung vielleicht dabei helfen, «FlexibilitĂ€t» bei den Auflagen auszuhandeln. Im Interesse Pakistans ist auch ein privilegierter Zugang zum US-Markt.

Pakistan möchte außerdem verhindern, dass im Fall einer Eskalation des Iran-Konflikts Millionen iranische FlĂŒchtlinge kommen. Letztlich möchte das Land auch nicht unmittelbar in einen militĂ€rischen Konflikt hineingezogen werden.

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