Russische Drohnen machen Polen und RumÀnien nervös
14.09.2025 - 02:30:39Nach dem Abschuss mutmaĂlich russischer Drohnen in Polen ist es dort und in RumĂ€nien am Samstag zu weiteren VorfĂ€llen gekommen. Drohnen, die im Ukraine-Krieg von Moskau in den Grenzregionen eingesetzt werden und dabei auf Nato-Gebiet eindringen oder ihm nahe kommen, stehen nun im Verdacht, gezielt von Russland dorthin gelenkt worden zu sein. Wie das FĂŒhrungskommando der polnischen Armee in Warschau mitteilte, stiegen wegen der Gefahr eines russischen Drohnenangriffs auf benachbarte Regionen der Ukraine am Nachmittag Kampfjets in die Luft. Die bodengestĂŒtzten Luftabwehrsysteme wurden in höchste Bereitschaft versetzt.Â
In der ostrumĂ€nischen Region Tulcea am Donaudelta nahe der ukrainischen Grenze sichtete RumĂ€niens Armee ebenfalls am Samstag eine Drohne. Zwei F-16-Kampfjets von der Luftwaffenbasis Fetesti stiegen zu einer Beobachtungsmission auf. Die Nato alarmierte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in RumĂ€nien zudem zwei deutsche Eurofighter, die dort den Luftraum schĂŒtzen sollen.
Selenskyj glaubt nicht an Versehen
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hielt Russland nach den Luftalarmen in den NachbarlĂ€ndern die Ausweitung des Kriegs vor. Die russischen MilitĂ€rs wĂŒssten genau, wohin ihre Drohnen fliegen, und das sei auch keine EigenmĂ€chtigkeit irgendwelcher untergeordneter Kommandeure, schrieb Selenskyj auf Telegram. «Das ist eine offensichtliche Ausweitung des Kriegs durch Russland.» Dieses Vorgehen mache prĂ€ventive Handlungen des Westens erforderlich. «Wartet nicht erst auf Dutzende Shahed(-Drohnen) und ballistische Raketen, um endlich Entscheidungen zu treffen», schrieb Selenskyj an die EuropĂ€er gewandt.
Mehrheit befĂŒrchtet russischen Angriff auf Nato-Staat
Eine Mehrheit der Deutschen ist einer Umfrage zufolge in Sorge vor einem Angriff Russlands auf einen Nato-Staat wie Polen oder Litauen in naher Zukunft. Nach der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der «Bild am Sonntag» befĂŒrchten 62 Prozent der 1.002 Befragten einen solchen Angriff. 28 Prozent tun das nicht, 10 Prozent wissen es nicht.Â
Tusk spricht von «prÀventiver Operation»
Der polnische Regierungschef Donald Tusk hatte am Samstag bei X mitgeteilt: «Aufgrund der Bedrohung durch russische Drohnen, die ĂŒber der Ukraine nahe der polnischen Grenze operieren, hat eine prĂ€ventive Operation der LuftstreitkrĂ€fte begonnen, sowohl der polnischen als auch verbĂŒndeter.» Der Flughafen in Lublin im SĂŒdosten des Landes wurde nach Angaben der Agentur PAP vorĂŒbergehend fĂŒr den zivilen Luftverkehr geschlossen. Nach rund zwei Stunden gab die polnische Armee bekannt, dass die Operation der LuftstreitkrĂ€fte und die erhöhte Alarmbereitschaft beendet seien.Â
Zwar gab es solche Alarme in Polen und RumĂ€nien seit Beginn des Kriegs hĂ€ufiger. Doch bei einem russischen Luftangriff auf die Ukraine in der Nacht auf Mittwoch war eine groĂe Zahl an Drohnen in den Luftraum Polens und damit der Nato geflogen, und die polnische Luftwaffe und andere Nato-VerbĂŒndete schossen erstmals einige der Flugkörper ab. Seitdem erhĂ€lt Polen verstĂ€rkte UnterstĂŒtzung von Nato-VerbĂŒndeten. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen einen russischen Angriffskrieg.
Drohne in RumÀnien verschwand wieder vom Radar
In RumĂ€nien habe die Drohne am Samstag keine bewohnten Gebiete ĂŒberflogen und keine Gefahr dargestellt, berichtete das Verteidigungsministerium in Bukarest. Die Region ist dĂŒnn besiedelt. Dennoch hatte der Katastrophenschutz die Bevölkerung vor der Gefahr möglicherweise herabfallender GegenstĂ€nde aus der Luft gewarnt. Die rumĂ€nischen Kampfjets hĂ€tten die Drohne etwa 20 Kilometer weit bis zum rumĂ€nischen Donau-Ort Chilia Veche verfolgt, danach sei das Objekt vom Radar verschwunden.Â
Seit Kriegsbeginn waren im Donaudelta mehrmals TrĂŒmmer russischer Drohnen auf rumĂ€nisches Territorium gefallen, meistens nach russischen Angriffen auf die dort in Sichtweite befindlichen HĂ€fen am ukrainischen Donau-Ufer. Jedes Mal hatten RumĂ€niens Behörden sowie die Nato erklĂ€rt, dass es sich um von Russland unbeabsichtigte VorfĂ€lle gehandelt habe.
Ukraine greift tief in Russland Ăl-Infrastruktur an
In der russischen Teilrepublik Baschkortostan an der Wolga hat nach Behördenangaben unterdessen eine Raffinerie des Ălkonzerns Baschneft nach einem ukrainischen Drohnenangriff gebrannt. Nach Angaben von Republikchef Radi Chabirow wurde die Anlage von mindestens zwei Drohnen attackiert, eine sei dabei auf das BetriebsgelĂ€nde gestĂŒrzt.Â
Drohnenattacken auf russische Ălanlagen sind inzwischen fester Bestandteil der ukrainischen Abwehrstrategie. Damit soll einerseits die Kraftstoffversorgung des MilitĂ€rs selbst unterbrochen, andererseits Russland eine wichtige Einnahmequelle zur Kriegsfinanzierung genommen werden. Neu ist, dass die Angriffe inzwischen auch bei Tag erfolgen - und das tief im russischen Hinterland. Baschkortostan liegt rund 1.400 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. SpĂ€ter wurde eine weitere Drohnenattacke im Gebiet Perm nahe dem Uralgebirge bekannt. Hier betrĂ€gt die Entfernung sogar mehr als 1.500 Kilometer.





