GesprÀche, Freilassung

GesprĂ€che ĂŒber Freilassung weiterer Geiseln

18.12.2023 - 17:00:16

Wassermangel und die Zerstörung eines Krankenhauses - Helfer beschreiben die Lage im Gazastreifen als katastrophal. Über eine Freilassung von der Hamas verschleppter Geiseln gibt es GesprĂ€che. Der Überblick:

WĂ€hrend die KĂ€mpfe mit der islamistischen Hamas im Gazastreifen erbittert weitergehen, lotet Israel neue Verhandlungen ĂŒber die Freilassung von Geiseln aus. Mossad-Chef David Barnea berate mit CIA-Direktor William Burns und dem katarischem MinisterprĂ€sidenten Abdulrahman Al Thani in Warschau, meldete die Zeitung «Haaretz» am Montag. Katar unterhĂ€lt gute Beziehungen zur Hamas. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin begann eine mehrtĂ€gige Reise in die Region.

US-PrĂ€sident Joe Biden hatte Israel aufgerufen, in dem seit mehr als zwei Monaten dauernden Krieg mehr RĂŒcksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation zeigte sich am Montag entsetzt ĂŒber die Zerstörung eines Krankenhauses.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Rund 1200 Menschen wurden getötet, mehr als 200 aus Israel in den Gazastreifen verschleppt.

WĂ€hrend einer Feuerpause Ende November ließ die Hamas 105 Geiseln frei, Israel im Gegenzug 240 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge. Nach israelischen SchĂ€tzungen werden noch rund 110 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Ob eine neue Vereinbarung zustande kommt, ist offen.

Die Hamas will eigenen Angaben nach Verhandlungen erst nach einem Ende der Kampfhandlungen Israels fĂŒhren. Israel setzt auf militĂ€rischen Druck, um die Freilassung aller Geiseln zu erreichen.

Deutsche Geisel: Wurde in Gaza als TrophĂ€e durch die Straßen gefĂŒhrt

Eine von der Hamas freigelassene deutsch-israelische Frau sprach im US-Fernsehen ĂŒber ihre Zeit in Geiselhaft. Sie sei nach der Verschleppung wie eine TrophĂ€e durch die Straßen in dem palĂ€stinensischen KĂŒstengebiet gefĂŒhrt worden. «Ich war kein Mensch», sagte Yarden Romann-Gat in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview dem US-Sender CBS. Viele Leute hĂ€tten ihre Zurschaustellung gefeiert.

Hamas-Behörde: 110 Tote durch israelische Angriffe in Gaza

Bei israelischen Luftangriffen im Norden des Gazastreifens wurden nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mindestens 110 Menschen getötet. Mehrere WohnhĂ€user in dem Stadtteil Dschabalia seien getroffen worden, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Die israelische Armee teilte auf Anfrage mit, sie prĂŒfe vor einem Angriff Ziele sehr genau, um zivile Opfer so weit wie möglich zu vermeiden und warne Menschen vor einem bevorstehenden Angriff. Die Hamas mische sich absichtlich unter die Zivilbevölkerung.

Dschabalia ist seit Tagen umkÀmpft. Der Stadtteil gilt als Hochburg der Hamas.

Hamas-Behörde: Zahl der Toten in Gaza steigt auf mehr als 19.450

Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalÀstinenser ist seit Kriegsbeginn nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf 19.453 gestiegen. Das waren rund 850 Tote mehr als noch vergangenen Mittwoch. Zudem seien 52.286 Menschen verletzt worden, sagte der Sprecher der Behörde, Aschraf al-Kudra, am Montag.

Die Zahlen der Behörde lassen sich gegenwĂ€rtig nicht prĂŒfen, die UN und andere Beobachter weisen darauf hin, dass sie sich in der Vergangenheit als insgesamt glaubwĂŒrdig herausgestellt hĂ€tten.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zu Gaza verĂŒbt hatten. Auf israelischer Seite sind in der Folge mehr als 1200 Menschen getötet worden, darunter mindestens 850 Zivilisten.

Hamas veröffentlicht neues Video mit Geiseln in Gaza

Die islamistische Terrororganisation Hamas hat ein neues Video von israelischen Geiseln veröffentlicht. Auf den Aufnahmen sind drei Àltere MÀnner zu sehen, einer davon spricht auf HebrÀisch in die Kamera. Unter welchen UmstÀnden das Video entstanden ist und wann es gedreht wurde, war zunÀchst unklar. Israelischen Medienberichten zufolge waren die drei MÀnner im Alter zwischen 79 und 84 Jahren aus einem Kibbutz im Grenzgebiet in den Gazastreifen verschleppt worden.

Ein Sprecher des israelischen MilitĂ€rs bezeichnete die Aufnahmen als «grausamen Terror». Es zeige die Grausamkeit der Hamas gegen Ă€ltere Zivilisten, die medizinische Hilfe benötigten. An die drei MĂ€nner gerichtet sagte Sprecher Daniel Hagari: «Wir werden nicht ruhen, bis ihr zurĂŒckkehrt».

WHO entsetzt ĂŒber Zerstörung eines Krankenhauses im Gazastreifen

In Dschabalia wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Kamal-Adwan-Krankenhaus bei den KÀmpfen weitgehend zerstört. Mindestens acht Patienten, darunter ein neunjÀhriges Kind, seien gestorben, schrieb WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Plattform X, vormals Twitter.

Die StĂ€ndige Vertretung Israels bei den Vereinten Nationen in Genf warf Tedros auf X vor, nicht zu erwĂ€hnen, dass sich die islamistische Hamas im Kamal-Adwan-Krankenhaus eingenistet habe. Zudem sei der grĂ¶ĂŸte Teil des Krankenhauses evakuiert worden.

Ärzte ohne Grenzen: Wassermangel so gefĂ€hrlich wie Bombardierungen

Ärzte ohne Grenzen kritisierte, da viele Menschen keinen Zugang zum Internet hĂ€tten, erfahre nicht jeder von den Aufforderungen zur Evakuierung. Kein Ort in dem KĂŒstengebiet sei sicher, sagte Mitarbeiter Ricardo Martinez in einem von der Organisation veröffentlichten Interview.«Am Leben zu bleiben ist nur eine Frage des GlĂŒcks», habe ein palĂ€stinensischer Kollege ihm gesagt.

Er warnte zudem vor den Auswirkungen des Wassermangels: «Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auf lange Sicht genauso gefĂ€hrlich wie die Bombardierungen sein und ebenso viele Menschen töten könnte», sagte er. Das Wassersystem sei zusammengebrochen. Anwohnern stĂŒnde höchstens ein Liter Wasser am Tag zur VerfĂŒgung - «zum Trinken, Waschen und Kochen». Laut UN benötigen Menschen als Minimum dafĂŒr 15 Liter.

Kinder spielten im Abwasser, dass wegen des Mangels an Treibstoff nicht abgepumpt werden könne, sagte Martinez, der den Angaben nach selbst vier Wochen wĂ€hrend des Kriegs im Gazastreifen verbracht hat. Mancherorts gebe es gar keinen Treibstoff. In KrankenhĂ€usern seien deshalb Menschen gestorben. Auf den Straßen verwesten Leichen.

Israel wirft der Hamas vor, Treibstoff zu horten und der Zivilbevölkerung zu verwehren. Die Islamistenorganisation feuert noch immer regelmĂ€ĂŸig Raketen Richtung Israel. Dazu ist Treibstoff nötig.

Human Rights Watch: Israel hungert Bevölkerung im Gazastreifen aus

Israels Regierung nutzt nach Darstellung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) das Aushungern von Zivilisten als Mittel der KriegsfĂŒhrung. Dies stelle ein Kriegsverbrechen dar, teilte die Organisation mit. Laut HRW blockiert die israelische Armee absichtlich die Lieferung von Wasser, Nahrung und Treibstoff und verhindert humanitĂ€re Hilfen.

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums warf HRW vor parteiisch zu sein und zum Massaker der Hamas am 7. Oktober, das Auslöser des Gaza-Kriegs war, geschwiegen zu haben. Er nannte die Organisation «antisemitisch und antiisraelisch».

@ dpa.de