Peruanischer Ex-PrÀsident Fujimori aus GefÀngnis entlassen
07.12.2023 - 04:29:47Nach einem Urteil des peruanischen Verfassungsgerichts ist der wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilte Ex-PrĂ€sident Alberto Fujimori aus der Haft entlassen worden. Der 85-JĂ€hrige verlieĂ am Mittwoch (Ortszeit) das GefĂ€ngnis Barbadillo nahe der Hauptstadt Lima, wie im Fernsehen zu sehen war. Insgesamt war er ĂŒber 16 Jahre in Haft.
Der frĂŒhere Staatschef wurde am Eingang der Haftanstalt von seinen Kindern Keiko und Kenji Fujimori in Empfang genommen und fuhr schlieĂlich in einem grauen Auto davon. Medienberichten zufolge wollte er zunĂ€chst bei seiner Tochter, der Vorsitzenden der rechten Partei Fuerza Popular, wohnen. «Der Moment, auf den wir seit ĂŒber 16 Jahren so sehr gewartet haben, ist gekommen. Gott sei Dank», schrieb Keiko Fujimori zu einem gemeinsamen Foto mit Alberto Fujimori, ihren Töchtern, ihrem Bruder und ihrer SchwĂ€gerin auf der Plattform X.
Fujimori war im Jahr 2009 wegen Menschenrechtsverletzungen durch Todesschwadronen wĂ€hrend seiner Amtszeit (1990-2000) zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. 2017 wurde er vom damaligen PrĂ€sidenten Pedro Pablo Kuczynski begnadigt und aus dem GefĂ€ngnis entlassen. SpĂ€ter hob der Oberste Gerichtshof die Entscheidung allerdings auf und Fujimori wurde erneut inhaftiert. Das Verfassungsgericht bestĂ€tigte diese Woche nun die Begnadigung von 2017 aus humanitĂ€ren GrĂŒnden.
Kritik von Human Rights Watch
Der Interamerikanische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte forderte die peruanischen Behörden zuvor noch erfolglos auf, die Entscheidung des Verfassungsgerichts vorerst nicht umzusetzen und Fujimori in Haft zu belassen. Die GefĂ€ngnisverwaltung teilte kurz daraufhin allerdings mit, dass sie dem Urteil folgen und Fujimori auf freien FuĂ setzen werde.
Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Entscheidung. «Die Freilassung von Fujimori ist eine Ohrfeige fĂŒr die Opfer der GrĂ€ueltaten», sagte Juanita Goebertus von Human Rights Watch. «Die internationale Gemeinschaft muss Druck auf die Regierung ausĂŒben, damit diese ihren internationalen Verpflichtungen nachkommt, einschlieĂlich den Entscheidungen des Interamerikanischen Gerichtshofs.»
Sieg ĂŒber Mario Vargas Llosa
Fujimori hatte in seiner Amtszeit die SicherheitskrÀfte rigoros gegen linke und angeblich subversive KrÀfte vorgehen lassen, das Parlament wurde entmachtet. Der Staat sah sich damals durch die maoistische Terrororganisation Leuchtender Pfad bedroht. Zudem wurden Zehntausende indigene Frauen zwangssterilisiert, um ihre Kinderzahl zu reduzieren. Sie wurden als Entwicklungshemmnis angesehen.
Zu Beginn seiner Laufbahn war Fujimori als Saubermann wie aus dem Nichts auf der politischen BĂŒhne aufgetaucht und hatte den weltbekannten Schriftsteller Mario Vargas Llosa bei der PrĂ€sidentenwahl 1990 klar geschlagen. Der Sohn japanischer Einwanderer galt als AuĂenseiter und ĂŒberzeugte zunĂ€chst vor allem Indigene und Bauern, die dem europĂ€isch geprĂ€gten Establishment in Lima zunehmend misstrauten. Durch eine Schocktherapie beendete der pragmatische Agrarwissenschaftler die Wirtschaftskrise sowie die Hyperinflation und sorgte jahrelang fĂŒr hohe Wachstumszahlen.
Allerdings schaffte er auch das Zweikammersystem ab und beschnitt die Kompetenzen der Justiz. Obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten zulieĂ, trat er 2000 fĂŒr eine dritte Amtszeit an. Fujimori gewann die Wahl zwar, stolperte kurz darauf aber ĂŒber den Montesinos-Skandal. Sein Geheimdienst-Chef Vladimiro Montesinos war dabei gefilmt worden, wie er einem Oppositionsabgeordneten Bestechungsgeld ĂŒbergab, um ihn zum Ăbertritt zu Fujimoris Partei zu bewegen. Fujimori setzte sich zunĂ€chst nach Japan ab, wurde bei einer Reise nach Chile allerdings festgenommen und in der Folge an Peru ausgeliefert.


