US-PrĂ€sident verschĂ€rft Asylregeln fĂŒr Grenze zu Mexiko
04.06.2024 - 19:14:18US-PrĂ€sident Joe Biden verschĂ€rft mitten im Wahlkampf die Regeln fĂŒr Migranten, die irregulĂ€r aus Mexiko in die USA einreisen. «Ich tue, was die Republikaner im Kongress sich weigern zu tun: Ich unternehme die notwendigen Schritte zur Sicherung unserer Grenze», sagte der Demokrat in Washington.
Zuvor hatte das WeiĂe Haus ein Dekret des PrĂ€sidenten veröffentlicht, wonach es Betroffenen unter bestimmten UmstĂ€nden nicht mehr möglich sein soll, einen Asylantrag zu stellen. Kritik kam sowohl von Menschenrechtlern als auch von den Republikanern.
Das Dekret des PrĂ€sidenten sieht nun vor, dass Menschen, die illegal die Grenze ĂŒbertreten, schneller abgeschoben werden können. Wer um Asyl bittet, soll fortan strenger ĂŒberprĂŒft werden und unter anderem «glaubwĂŒrdige Angst» vor Verfolgung oder Folter in der Heimat haben mĂŒssen. Betroffenen wird dann zwar Schutz gewĂ€hrt, aber nicht unter denselben Standards wie anderen Asylsuchenden. Wer hingegen regulĂ€r vorstellig wird, also zum Beispiel ĂŒber eine eigens dafĂŒr eingerichtete App von auĂerhalb der USA aus einen Termin beantragt, soll eine faire Chance bekommen - so stellt es zumindest die Regierung dar.
Biden wirft Trump Zynismus vor
Biden beschuldigte Ex-PrĂ€sident Donald Trump, der ihn bei der PrĂ€sidentenwahl im November schlagen will, eine dringend notwendige Gesetzgebung im Kongress zu torpedieren, um im Wahlkampf einen Vorteil daraus zu schlagen. «Das ist ein Ă€uĂerst zynischer politischer Schachzug und lĂ€sst das amerikanische Volk im Stich, das von uns nicht erwartet, dass wir die Grenze als Waffe einsetzen, sondern, dass wir sie reparieren», sagte Biden.
Er hĂ€tte eine ĂŒberparteiliche Zusammenarbeit bevorzugt, um die zustĂ€ndigen Behörden mithilfe entsprechender Gesetze personell und finanziell besser auszustatten. «Aber die Republikaner haben mir keine andere Wahl gelassen.»
Ausnahmen von Bidens Dekret sollen fĂŒr unbegleitete Kinder und Menschen gelten, die ernsthaft krank sind, sowie fĂŒr Opfer von Menschenhandel und direkter Bedrohung. Alle anderen sollen entweder nach Mexiko oder in die jeweiligen HerkunftslĂ€nder zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Zuvor war es den meisten Asylsuchenden gemeinhin erlaubt gewesen, sich bis zu ihrem Gerichtstermin - der wegen ĂŒberlasteter Behörden oft Jahre in der Zukunft liegt - im Land aufzuhalten.
Die neue Regelung gilt, sobald der Durchschnitt illegaler GrenzĂŒbertritte in einer Woche die Zahl von 2500 pro Tag ĂŒbersteigt. Sie wird aufgehoben, wenn diese Zahl wieder unter 1500 fĂ€llt. US-Medien berichteten unter Berufung auf die Behörden, derzeit seien es ĂŒber 4000. Seit Beginn des laufenden Haushaltsjahrs im Oktober gab es demnach rund 1,5 Millionen «irregulĂ€re Begegnungen» an der SĂŒdgrenze - also FĂ€lle, in denen Menschen - meist kurzzeitig - festgenommen oder direkt abgeschoben wurden. Die Fallzahl lag somit höher als zum gleichen Zeitpunkt in den Vorjahren - und im Dezember 2023 gar höher denn je in einem einzelnen Monat. Die Behörden kommen bei der Bearbeitung der Asylgesuche kaum hinterher. Zudem fehlen UnterkĂŒnfte und andere Ressourcen fĂŒr die Ankömmlinge.
Zweifel an Umsetzbarkeit und Kritik von beiden Seiten
Weil die neu gesetzte Schwelle ĂŒberschritten ist, sollten die MaĂnahmen direkt um Mitternacht in Kraft treten. Allerdings blieben etliche Fragen zur Umsetzbarkeit des Dekrets offen. So verlassen sich die USA bei den Abschiebungen etwa auf Mexiko. Es gibt Zweifel daran, ob das aktuell bewilligte Geld fĂŒr die zusĂ€tzliche Arbeit des Grenzschutzes ausreicht - weitere Hilfen vom Bund mĂŒsste der Kongress freigeben. Und der juristische Boden könnte wackelig sein: Die BĂŒrgerrechtsorganisation ACLU hat bereits angekĂŒndigt, Klage einzureichen.Â
Kritik erntete Biden auch aus den Reihen seiner eigenen Partei. Die demokratische Abgeordnete Pramila Jayapal sprach von einem «gefĂ€hrlichen Schritt in die falsche Richtung». Das Recht, Asyl zu beantragen, sei in den US-Gesetzen und den internationalen Vertragsverpflichtungen des Landes verankert.Â
Die Vereinten Nationen betonten ebenfalls das Menschenrecht auf Asyl. «Jede Person, die angibt, eine begrĂŒndete Angst vor Verfolgung in ihrem Herkunftsland zu haben, sollte Zugang zu sicherem Territorium haben und diesen Anspruch prĂŒfen lassen, bevor sie abgeschoben oder ausgewiesen wird», sagte UN-Sprecherin Florencia Soto Nino in New York.Â
Der republikanische Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, bezeichnete das Dekret als «politischen Stunt» im Wahljahr. Es sehe weder neues Geld fĂŒr den Grenzschutz vor noch Abschiebungen jener Menschen, die sich schon illegal in den USA aufhalten.
Migration als politisches Dauerstreitthema
Ăber eine Reform der Migrationsgesetze wird in den USA seit Langem gestritten, im PrĂ€sidentschaftswahlkampf spielt das Reizthema aber eine besonders groĂe Rolle. Bei seiner Ansprache versuchte Biden, sich von der vergleichsweise aggressiven Rhetorik seines Konkurrenten Trump abzuheben, der Migration in die USA etwa als «Invasion» bezeichnet. «Ich werde Einwanderer niemals dĂ€monisieren», betonte Biden. «Ich werde niemals sagen, dass sie das Blut eines Landes vergiften.»
Der Weg ĂŒber Mexiko wird von vielen Menschen gewĂ€hlt, die vor Armut, Gewalt und politischen Krisen in ihrer Heimat flĂŒchten und auf ein besseres Leben in den USA hoffen. Nach Angaben der Internationalen Organisation fĂŒr Migration der Vereinten Nationen (IOM) ist es tödlichste Landmigrationsroute der Welt. JĂ€hrlich sterben demnach Hunderte auf dem strapaziösen und gefĂ€hrlichen Weg nach Norden, etwa an Wassermangel und HitzeschlĂ€gen. Wahrscheinlich ist die Zahl der Todesopfer aber weitaus höher, da viele nie offiziell statistisch erfasst werden.





