US-MilitÀr, Irak

US-MilitÀr schlÀgt in Irak und Syrien zu

03.02.2024 - 05:05:26

Wenige Tage nach dem Tod von US-Soldaten in Jordanien schlĂ€gt Washington zurĂŒck. Weitet sich der Konflikt im Nahen Osten aus? Ein Überblick.

  • US-PrĂ€sident Joe Biden stellte unmittelbar weitere MilitĂ€raktionen im Nahen Osten in Aussicht. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

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  • Bei Drohnenangriffen in Jordanien starben drei US-Soldaten. Die USA reagierte laut Medienberichten nun mit GegenschlĂ€gen auf Irak und Syrien. - Foto: Alex Brandon/AP/dpa

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  • Drei US-Soldaten sind nach Angaben des Weißen Hauses in Jordanien in der NĂ€he der syrischen Grenze bei einem Drohnenangriff proiranischer Milizen getötet worden. - Foto: -/Planet Labs PBC via AP/dpa

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US-PrĂ€sident Joe Biden stellte unmittelbar weitere MilitĂ€raktionen im Nahen Osten in Aussicht. - Foto: Evan Vucci/AP/dpaBei Drohnenangriffen in Jordanien starben drei US-Soldaten. Die USA reagierte laut Medienberichten nun mit GegenschlĂ€gen auf Irak und Syrien. - Foto: Alex Brandon/AP/dpaDrei US-Soldaten sind nach Angaben des Weißen Hauses in Jordanien in der NĂ€he der syrischen Grenze bei einem Drohnenangriff proiranischer Milizen getötet worden. - Foto: -/Planet Labs PBC via AP/dpa

Die USA haben den tödlichen Angriff proiranischer Milizen auf amerikanische Soldaten in Jordanien mit einem umfassenden Gegenschlag auf Ziele im Irak und in Syrien beantwortet. Die US-Luftwaffe beschoss in der Nacht zum Samstag nach eigenen Angaben mehr als 85 Ziele, darunter Kommandozentralen, Geheimdienststandorte und Waffenlager, die von iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und mit ihnen verbundenen Milizen genutzt wĂŒrden, wie das US-Regionalkommando Centcom in Washington mitteilte. Der Irak ĂŒbte umgehend scharfe Kritik. Die Angriffe verletzten die SouverĂ€nitĂ€t des Iraks, mit unvorhersehbaren Konsequenzen fĂŒr die ganze Region, sagte der Sprecher des Oberbefehlshabers der irakischen StreitkrĂ€fte in einer im Fernsehen verbreiteten ErklĂ€rung. 

Am vergangenen Sonntag waren bei einem Drohnenangriff proiranischer Milizen in Jordanien in der NĂ€he der syrischen Grenze drei US-Soldaten getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die Leichname wurden am Freitag auf den LuftwaffenstĂŒtzpunkt Dover im US-Bundesstaat Delaware ĂŒberstellt, wo ihnen US-PrĂ€sident Joe Biden die letzte Ehre erwies. Nur wenig spĂ€ter begann der von ihm angekĂŒndigte Vergeltungsschlag. Dabei wurden nach US-Angaben sieben grĂ¶ĂŸere Stellungen ins Visier genommen - drei davon im Irak, vier in Syrien. Es sei darum gegangen, die FĂ€higkeiten der iranischen Revolutionsgarden und ihrer VerbĂŒndeten in der Region zu schmĂ€lern, weitere Attacken auf US-KrĂ€fte zu verĂŒben, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, in Washington.

Biden: Dies ist erst der Anfang

Die Luftangriffe seien erst der Anfang, es wĂŒrden weitere MilitĂ€raktionen folgen, kĂŒndigte Biden an. Er betonte aber zugleich, die USA wollten keinen neuen Konflikt im Nahen Osten. Die syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit Sitz in London berichtete, mindestens 18 Mitglieder proiranischer Milizen seien bei den US-Luftangriffen in Syrien getötet worden. Lokale Medien berichteten auch ĂŒber mehrere Todesopfer sowie Verletzte im Irak, darunter sollen sich MilizionĂ€re wie auch Zivilisten befunden haben. Die Angriffe der USA stellten eine Bedrohung dar, «die den Irak und die Region in unvorhersehbare Konsequenzen hineinziehen wird, und ihre Folgen werden fĂŒr die Sicherheit und StabilitĂ€t im Irak und in der Region schrecklich sein», warnte der irakische MilitĂ€rsprecher.

Blinken erneut in Nahost

US-Außenminister Antony Blinken bricht unterdessen erneut zu KrisengesprĂ€chen im Nahen Osten auf. Blinken wolle seine diplomatischen BemĂŒhungen in der Region fortsetzen, um ein Abkommen ĂŒber eine erneute humanitĂ€re Feuerpause im Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas und die Freilassung aller noch in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet festgehaltenen Geiseln zu erreichen, sagte ein Sprecher. Blinken werde zudem weiter daran arbeiten, eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern und eine Regelung zu schaffen, die eine dauerhafte Sicherheit fĂŒr Israelis und PalĂ€stinenser gleichermaßen biete, hieß es.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben proiranische Milizen fast tĂ€glich Angriffe auf US-MilitĂ€rstĂŒtzpunkte im Irak und in Syrien verĂŒbt. Die US-Regierung reagierte darauf bereits zuvor mit LuftschlĂ€gen in beiden LĂ€ndern - allerdings in einem geringeren Ausmaß als die neue konzertierte Aktion. Zu der tödlichen Attacke auf amerikanische Soldaten in Jordanien vom Sonntag hatte sich eine Gruppe namens «Islamischer Widerstand im Irak» bekannt. Dabei handelt es sich um eine Art Dachgruppe proiranischer Milizen im Irak, die seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober in Israel gemeinsam unter diesem Namen auftreten.

Wieder Beschuss an Israels Grenze zum Libanon

Unterdessen gab es auch an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon erneut gegenseitigen Beschuss. Wie das israelische MilitĂ€r am Freitagabend mitteilte, hĂ€tten Kampfflugzeuge eine militĂ€rische Anlage der ebenfalls vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah-Miliz im SĂŒden des Libanons angegriffen. Zuvor seien von dort Raketen auf den Norden Israels abgefeuert worden. Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es in der Grenzregion fast tĂ€glich zu Schusswechseln zwischen der mit der Hamas verbĂŒndeten Hisbollah und Israels MilitĂ€r. 

Baerbock: Israelische Offensive in Rafah wÀre nicht zu rechtfertigen

Israel geht derweil im Gazastreifen weiter gegen die Hamas vor. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock warnte Israel davor, die Offensive auch auf Rafah im sĂŒdlichsten Teil des KĂŒstengebiets auszuweiten. «Jetzt in Rafah, an dem letzten und ĂŒberfĂŒlltesten Ort, vorzugehen, wie vom israelischen Verteidigungsminister angekĂŒndigt, wĂ€re einfach nicht zu rechtfertigen», sagte die GrĂŒnen-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/ Samstag). «Ein Großteil der Opfer sind Frauen und Kinder. Stellen wir uns einfach vor: Es wĂ€ren unsere Kinder.» Israels Verteidigungsminister Yoav Galant war zuvor von der «Times of Israel» zitiert worden, man werde auch die Hamas-Brigade in Rafah erreichen und zerschlagen. Baerbock sagte, sie habe mit Schrecken von dieser AnkĂŒndigung gehört. 

Weiter keine Einigung auf Feuerpause im Gaza-Krieg 

Unterdessen zeichnet sich in den laufenden Verhandlungen ĂŒber eine erneute Feuerpause und Freilassung weiterer Geiseln weiterhin keine Einigung ab. Die GesprĂ€che wĂŒrden unter anderem durch Uneinigkeit innerhalb der FĂŒhrung der islamistischen Hamas erschwert, berichtete das «Wall Street Journal» in der Nacht zum Samstag unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Demnach sei der Hamas-AnfĂŒhrer im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, inzwischen bereit, einen Vorschlag fĂŒr eine anfĂ€nglich sechswöchige Feuerpause zu akzeptieren. Die im Exil lebende politische Hamas-FĂŒhrung fordere dagegen mehr ZugestĂ€ndnisse und wolle eine dauerhafte Waffenruhe aushandeln, berichtete die Zeitung. 

Die Geheimdienstchefs der USA, Israels, Ägyptens und Katars hatten Medienberichten zufolge kĂŒrzlich in Paris einen Entwurf fĂŒr ein mögliches Abkommen ausgehandelt, der eine zunĂ€chst sechswöchige Feuerpause und eine schrittweise Freilassung von im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln im Austausch gegen palĂ€stinensische Gefangene vorsehe. Auch Israels Kriegskabinett hat den Vorschlag bisher nicht abgesegnet. MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte deutlich gemacht, man werde den Krieg nicht beenden, die Truppen nicht abziehen und fĂŒr einen Geisel-Deal nicht «Tausende Terroristen» freilassen. SchĂ€tzungen zufolge befinden sich noch mehr als 130 Geiseln in Gaza. Angehörige in Israel drĂ€ngen Netanjahu massiv, einen neuen Deal zur Freilassung der EntfĂŒhrten auszuhandeln.

Was am Samstag wichtig wird

Im Anschluss an den US-MilitĂ€rschlag auf Ziele im Irak und in Syrien beginnt US-Außenminister Blinken eine erneute Reise in den Nahen Osten. Er werde bis zum 8. Februar Saudi-Arabien, Ägypten, Katar, Israel und das Westjordanland besuchen, teilte ein Sprecher des Ministeriums in Washington mit. Es wĂ€chst die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts. 

@ dpa.de