Was ist, wenn weder Harris noch Trump die Mehrheit holt?
02.11.2024 - 06:00:36Mit der US-Wahl am Dienstag soll sich entscheiden, ob Kamala Harris oder Donald Trump ins WeiĂe Haus einzieht. Die eigentliche Abstimmung liegt dann beim Wahlkollegium (Electoral College), das aus insgesamt 538 Wahlleuten aus allen Bundesstaaten besteht. PrĂ€sident oder PrĂ€sidentin wird, wer mindestens 270 dieser Stimmen erhĂ€lt.
Aber was passiert in dem Ă€uĂerst unwahrscheinlichen Fall, dass sowohl Trump als auch Harris genau 269 Stimmen auf sich vereinen? FĂŒr dieses nur theoretisch mögliche Szenario hat die US-Verfassung vorgebaut. Dann wandert die Entscheidung ins US-ReprĂ€sentantenhaus, der zweiten Kammer des US-Kongresses neben dem Senat.Â
Jeder Bundesstaat hat eine Stimme
Im ReprĂ€sentantenhaus kommen 435 Abgeordnete aus den Bundesstaaten proportional der jeweiligen BevölkerungsgröĂe zusammen, also zum Beispiel 1 Abgeordnete aus Alabama oder 52 aus Kalifornien. Bei einer PrĂ€sidentenwahl mĂŒssen sich alle ReprĂ€sentanten eines der 50 Staaten auf einen Kandidaten einigen. Das heiĂt: PrĂ€sident oder PrĂ€sidentin wird, wer 26 Delegationen fĂŒr sich gewinnt.
Dabei hĂ€tten die Republikaner um Trump aktuell einen Vorteil: Derzeit kontrollieren sie 26 sogenannte Delegationen, die Demokraten um Harris 22. In zwei Staaten (Minnesota und North Carolina) hĂ€lt es sich die Waage. Doch am Dienstag werden auch alle Sitze des ReprĂ€sentantenhauses neu gewĂ€hlt. Nach einer Analyse des Portals «538» des US-Senders ABC könnte sich der Vorsprung des Trump-Lagers dann sogar noch vergröĂern.
Senat bestimmt zugleich VizeprÀsidenten
Bei einem Gleichstand der Wahlleute wĂŒrde ein Ă€hnlicher Prozess darĂŒber entscheiden, wer VizeprĂ€sident wird - in diesem Fall Demokrat Tim Walz oder Republikaner J.D. Vance. Die Entscheidung fĂ€llt allerdings im US-Senat. Jede und jeder der 100 Senatorinnen und Senatoren hat eine Stimme. Der Kandidat, der 51 Stimmen erhĂ€lt, gewinnt. Weil es sich bei den WahlgĂ€ngen im ReprĂ€sentantenhaus und im Senat um unabhĂ€ngige Abstimmungen handelt, ist es theoretisch sogar möglich, dass am Ende PrĂ€sident und Vize verschiedenen politischen Parteien angehören.
Unter den aktuell gĂŒltigen Regeln gab es ein solches Szenario fĂŒr das Amt des PrĂ€sidenten nur ein Mal: Bei der Wahl 1824 holte keiner der vier Kandidaten die Mehrheit der seinerzeit 131 von 261 Stimmen im Electoral College. Das ReprĂ€sentantenhaus musste dann zwischen den drei Bestplatzierten entscheiden. AuĂenminister John Quincy Adams gewann im Februar 1825 die damalige Mehrheit von 13 Delegationen und wurde der sechste US-PrĂ€sident.


