Westbalkan, EU-Erweiterung

Westbalkan: Merz sagt sechs Staaten EU-UnterstĂŒtzung zu

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim Gipfel in Montenegro verbindet der Kanzler die deutsche UnterstĂŒtzung fĂŒr den EU-Kurs mit einer klaren Forderung: Die sechs Staaten mĂŒssen ihre Reformen und ihren politischen Willen stĂ€rken. FĂŒr Montenegro zeichnet sich als Gastgeber und fortgeschrittenster Kandidat ein konkreter nĂ€chster Schritt ab.

Sechs Staaten und ihre EU-Perspektiven

  • Am Gipfel nehmen Albanien, Bosnien-Herzegowina, das Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien teil.
  • Montenegro ist unter den sechs Staaten am weitesten auf dem Weg zu einer EU-Aufnahme.
  • Die EU-Verhandlungen mit Montenegro sollen spĂ€testens im kommenden Jahr abgeschlossen werden.
Der Westbalkan-Gipfel findet an der Adria-KĂŒste statt. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Merz wirbt in Montenegro fĂŒr schnellere EU-AnnĂ€herung

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich bei einem Gipfeltreffen mit den Staats- und Regierungschefs von sechs Westbalkanstaaten fĂŒr eine zĂŒgige HeranfĂŒhrung an die EuropĂ€ische Union eingesetzt. In Montenegro sagte der CDU-Politiker den LĂ€ndern Deutschlands und seine persönliche UnterstĂŒtzung zu.

Merz fordert stÀrkere Reformen

Merz verband die UnterstĂŒtzung mit einer Aufforderung an die Staaten, ihre Reformen zu verstĂ€rken. Die EU habe ihren Teil geleistet, nun mĂŒssten auch die Regierungen des Westbalkans politischen Willen zeigen und die notwendigen VerĂ€nderungen umsetzen.

Albanien, Bosnien-Herzegowina, das Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien warten zum grĂ¶ĂŸten Teil seit vielen Jahren auf einen EU-Beitritt. Die sechs Staaten unterscheiden sich dabei deutlich in ihrem Stand der AnnĂ€herung.

Montenegro gilt als fortgeschrittenster Kandidat

Am nÀchsten an einer Aufnahme ist derzeit Montenegro, das den Gipfel ausrichtet. Die Verhandlungen mit dem Land sollen spÀtestens im kommenden Jahr abgeschlossen werden.

Berlin-Prozess bringt sechs Staaten zusammen

Das Treffen findet im Rahmen des Berlin-Prozesses statt. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das Format 2014 initiiert, um die EU-AnnÀherung der sechs Westbalkanstaaten zu fördern.

Deutschland und Frankreich hatten im Juni eine Initiative fĂŒr eine Beschleunigung des Aufnahmeprozesses gestartet. Ihr Positionspapier sieht erste Integrationsschritte bereits vor einer Vollmitgliedschaft vor, darunter einen privilegierten Zugang zum EU-Binnenmarkt oder die Entsendung von Beobachtern in EU-Institutionen, wenn bestimmte Aufnahmekriterien erfĂŒllt sind.

Der Westbalkan zÀhlt zu den langwierigsten offenen Kapiteln der EU-Erweiterung. Die sechs Staaten verfolgen den Beitritt mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen: Montenegro gilt als am weitesten fortgeschritten, wÀhrend etwa Kosovo noch nicht den Status eines EU-Beitrittskandidaten besitzt.

Der Berlin-Prozess soll seit 2014 die regionale Zusammenarbeit stĂ€rken und die Staaten politisch, wirtschaftlich und institutionell nĂ€her an die EU heranfĂŒhren. Dabei geht es nicht nur um formale Beitrittsverhandlungen, sondern auch um gemeinsame Infrastruktur, wirtschaftliche Verflechtung und die Überwindung bilateraler Konflikte.

Reformen und geopolitischer Wettbewerb

Merz’ Appell verbindet deshalb zwei Ebenen: Die EU soll den Beitrittsprozess glaubwĂŒrdiger und schneller gestalten, wĂ€hrend die Bewerberstaaten rechtsstaatliche und politische Reformen vorantreiben mĂŒssen. Das von Deutschland und Frankreich befĂŒrwortete Modell schrittweiser Integration könnte Anreize schaffen, ohne die Bedingungen fĂŒr eine Vollmitgliedschaft vollstĂ€ndig aufzugeben.

FĂŒr die EU besitzt die Region zudem sicherheitspolitisches Gewicht. Verzögerungen schwĂ€chen die europĂ€ische Bindungskraft und lassen Raum fĂŒr russischen, chinesischen und anderen Einfluss. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der WestbalkanlĂ€nder bleibt entscheidend, ob politische Zusagen in konkrete Verbesserungen bei Rechtsstaatlichkeit, Wirtschaft und Bewegungsfreiheit mĂŒnden. Der nĂ€chste PrĂŒfstein liegt damit sowohl bei den Regierungen der sechs Staaten als auch bei der EU selbst.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Merz in Montenegro: Kanzler macht Druck fĂŒr EU-Erweiterung“ (22.10.2026)

Der Beitrag ordne Merz’ Besuch als politischen Vorstoß fĂŒr mehr Tempo bei der EU-Erweiterung ein. Anders als die dpa-Meldung betone er stĂ€rker den geopolitischen Wettbewerb mit Russland, China und den USA sowie die unterschiedlichen Beitrittsperspektiven der sechs Staaten.

Stern: „Merz reist zu Gipfeltreffen des Berlin-Prozesses nach Montenegro“ (22.10.2026)

Der Artikel hebe vor dem Gipfel die regionale Kooperation, Wirtschaftswachstum, WettbewerbsfĂ€higkeit und Sicherheit als Schwerpunkte hervor. Er bestĂ€tige den Rahmen des Treffens und die lange EU-Wartezeit der sechs Staaten, wĂ€hrend konkrete Reformforderungen und Merz’ persönliche Zusage dort noch nicht im Mittelpunkt stĂŒnden.

Übereinstimmung besteht beim Gipfel als Plattform fĂŒr regionale Kooperation und EU-AnnĂ€herung. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Der ZDF-Beitrag rĂŒcke geopolitische Risiken und mögliche Zwischenstufen der Integration stĂ€rker in den Vordergrund, der Stern den organisatorischen und wirtschaftlichen Rahmen.

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