Westjordanland, Hebron

Westjordanland: Israel verhÀngt Lockdown am Wahltag

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 04:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Maßnahme folgt auf einen tödlichen Angriff nahe Hebron, bei dem zwei israelische Soldaten getötet wurden. Gleichzeitig verschĂ€rft die Vertreibung von rund 2.000 Bewohnern aus Hebron den Konflikt vor der Wahl.

Hebron bleibt bis auf Weiteres gesperrt

  • Israels Armee meldet EinsĂ€tze in rund 40 Gebieten und an etwa 400 Orten im Westjordanland.
  • Rund 40 VerdĂ€chtige sollen festgenommen worden sein, darunter Hamas- und Islamischer-Dschihad-Mitglieder.
  • Am Dienstag sollen alle LandĂŒbergĂ€nge zwischen dem Westjordanland und Israel fĂŒr PalĂ€stinenser geschlossen werden.
  • Israels Armee fĂŒhrt im besetzten Westjordanland nach eigenen Angaben Anti-TerroreinsĂ€tze durch. - Bild: Mahmoud Illean/AP/dpa
  • In Israel protestieren Zehntausende gegen die rechtsgerichtete Regierung. - Bild: Erik Marmor/dpa
  • In Hebron hat die israelische Armee rund 2.000 PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern vertrieben. - Bild: Leo Correa/AP/dpa
Israels Armee fĂŒhrt im besetzten Westjordanland nach eigenen Angaben Anti-TerroreinsĂ€tze durch.   - Bild: Mahmoud Illean/AP/dpa In Israel protestieren Zehntausende gegen die rechtsgerichtete Regierung.  - Bild: Erik Marmor/dpa In Hebron hat die israelische Armee rund 2.000 PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern vertrieben.   - Bild: Leo Correa/AP/dpa

Israel schließt Westjordanland am Wahltag

Israels Armee wird wĂ€hrend der Parlamentswahl am Dienstag einen Lockdown ĂŒber das besetzte Westjordanland verhĂ€ngen. PalĂ€stinensische Arbeiter dĂŒrfen bereits heute und Montag nur noch in begrenzten genehmigten Bereichen israelische Siedlungen und das Jordantal betreten.

Zugangssperren fĂŒr palĂ€stinensische Arbeiter

Ausgenommen sind Industriezonen und eine begrenzte Zahl genehmigter Bereiche. Am Wahltag sollen nach Angaben der Armee alle LandĂŒbergĂ€nge zwischen dem Westjordanland und Israel fĂŒr PalĂ€stinenser geschlossen werden.

Hintergrund ist der andauernde MilitĂ€reinsatz nach einem tödlichen Angriff bewaffneter PalĂ€stinenser nahe Hebron am Freitag. Nach Angaben der Armee wurden dabei zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt; die zwei mutmaßlichen TĂ€ter aus Hebron seien getötet worden.

Rund 2.000 Menschen aus Hebron vertrieben

Verteidigungsminister Israel Katz bestĂ€tigte, dass rund 2.000 PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern in Hebron vertrieben wurden. Sie dĂŒrften erst zurĂŒckkehren, wenn alle Probleme mit der Hamas in Hebron gelöst seien, sagte Katz dem israelischen Sender Kan.

Der BĂŒrgermeister von Hebron, Jussef al-Dschabari, hatte zuvor von 2.200 Vertriebenen seit Beginn der Razzien am Freitag gesprochen. Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde forderte die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf und bezeichnete Vertreibungen, Abrisse und Abriegelungen als Kollektivstrafe.

Armee meldet zahlreiche EinsÀtze

Israels Armee erklĂ€rte, Soldaten hĂ€tten gemeinsam mit Grenzpolizei und Geheimdienst Anti-Terror-EinsĂ€tze in rund 40 Gebieten und an 400 Orten durchgefĂŒhrt. Dabei seien rund 40 VerdĂ€chtige festgenommen worden, darunter Mitglieder der Hamas und des Islamischen Dschihad.

Das Westjordanland ist seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzt. Dort leben rund drei Millionen PalÀstinenser und etwa 700.000 israelische Siedler. Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg hat sich die Gewalt in dem Gebiet weiter verschÀrft.

Proteste gegen Netanjahus Regierung

Der Konflikt mit den PalÀstinensern ist ein zentrales Thema des Wahlkampfs. Rechte Politiker werben mit einem harten Vorgehen gegen palÀstinensische Gewalt, wÀhrend die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalÀstinenser weniger Aufmerksamkeit erhÀlt.

Am Samstagabend demonstrierten in Israel laut Augenzeugen Zehntausende gegen die rechtsgerichtete Regierung von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu. Ehemalige Geiseln und Angehörige von Hinterbliebenen forderten in Tel Aviv eine staatliche Untersuchungskommission zum Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023.

Die Abriegelung fÀllt in eine Phase, in der sich die Sicherheitslage im Westjordanland seit dem Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 deutlich verschÀrft hat. MilitÀrische EinsÀtze, Festnahmen, Angriffe bewaffneter PalÀstinenser und Gewalt israelischer Siedler prÀgen die Entwicklung. Hebron ist dabei besonders sensibel, weil die Stadt zwischen palÀstinensischer Verwaltung und israelischer MilitÀrkontrolle geteilt ist.

Die angekĂŒndigten Zugangssperren haben unmittelbare Folgen fĂŒr palĂ€stinensische BeschĂ€ftigte, deren Arbeitswege und Einkommen von Genehmigungen und geöffneten ÜbergĂ€ngen abhĂ€ngen. Zugleich betrifft die Maßnahme den Alltag einer Region, in der Bewegungsfreiheit bereits durch Kontrollpunkte, Sperren und unterschiedliche rechtliche Regelungen eingeschrĂ€nkt ist. Die Vertreibung von rund 2.000 Menschen aus Hebron verschĂ€rft die humanitĂ€re und politische Dimension des Einsatzes.

Wahl und Sicherheitslogik

Israel begrĂŒndet die militĂ€rischen Maßnahmen mit dem tödlichen Angriff auf Soldaten nahe Hebron und den danach gemeldeten Anti-Terror-EinsĂ€tzen. Der Lockdown am Wahltag folgt zugleich einem bekannten Sicherheitsmuster: Vor Wahlen werden ÜbergĂ€nge geschlossen, um AnschlĂ€ge zu verhindern. FĂŒr die palĂ€stinensische Autonomiebehörde steht dagegen der Vorwurf im Raum, die Maßnahmen kĂ€men einer Kollektivstrafe gleich.

Innenpolitisch verbindet sich die Sicherheitsfrage mit dem Wahlkampf. Die Regierung kann auf ein hartes Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen verweisen, wĂ€hrend Angehörige von Geiseln und Hinterbliebene in Israel eine staatliche Untersuchung zum Hamas-Massaker fordern. Entscheidend bleibt, wie lange die Sperren andauern, wann Vertriebene zurĂŒckkehren dĂŒrfen und ob die Maßnahmen die Spannungen im Westjordanland weiter verstĂ€rken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Israel vertreibt 2000 PalĂ€stinenser aus Hebron“ (25.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt die Vertreibung von rund 2.000 PalĂ€stinensern und stellt sie in den Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff nahe Hebron und dem Wahlkampf von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu. Einen Schwerpunkt legt er auf die angekĂŒndigte RĂŒckkehr erst nach einem Ende des Vorgehens gegen die Hamas in Hebron sowie auf die politische Reaktion der palĂ€stinensischen Autonomiebehörde.

Deutschlandfunk: „Nahost - Israelische Armee vertreibt in Hebron Tausende PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern“ (25.10.2026)

Der Deutschlandfunk hebt ebenfalls die Zahl von etwa 2.000 Vertriebenen, den Angriff auf israelische Soldaten und die Forderung der palÀstinensischen Autonomiebehörde nach internationalem Eingreifen hervor. Anders als der n-tv-Beitrag konzentriert sich die Meldung stÀrker auf die unmittelbaren Angaben zum MilitÀreinsatz und den Vorwurf einer Kollektivstrafe.

Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Umfang der Vertreibung und beim Zusammenhang mit dem Angriff in Hebron ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend n-tv den Wahlkampf und mögliche politische Folgen stĂ€rker einordnet, rĂŒckt der Deutschlandfunk die Reaktionen auf den MilitĂ€reinsatz in den Vordergrund.

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