PiS, Wende

Wie die PiS die Wende in Polen verzögert

27.11.2023 - 18:43:22 | dpa.de

Gut sieben Wochen nach der Wahl in Polen kann das MehrheitsbĂŒndnis von Donald Tusk immer noch nicht regieren. PrĂ€sident Duda hat nun ein chancenloses Kabinett der nationalkonservativen PiS vereidigt.

In spĂ€testens 14 Tagen muss Mateusz Morawiecki im Parlament die Vertrauensfrage stellen - und sein Kabinett wird krachend durchfallen. Polnische Medien spotten ĂŒber die «Zwei-Wochen-Regierung» und «Morawieckis Krippenspiel». - Foto: Radek Pietruszka/PAP/dpa
In spĂ€testens 14 Tagen muss Mateusz Morawiecki im Parlament die Vertrauensfrage stellen - und sein Kabinett wird krachend durchfallen. Polnische Medien spotten ĂŒber die «Zwei-Wochen-Regierung» und «Morawieckis Krippenspiel». - Foto: Radek Pietruszka/PAP/dpa

Mit zufriedenem Grinsen unterschreibt Polens PrĂ€sident Andrzej Duda die Ernennungsurkunde fĂŒr die neue nationalkonservative PiS-Regierung von Mateusz Morawiecki. Dann hĂ€lt er das rot eingebundene Dokument in die Kameras. Applaus. Die feierliche Ernennung im PrĂ€sidentenpalast ist reines Theater. Denn Morawieckis PiS hat im neuen Parlament keine Mehrheit - und auch keinen Koalitionspartner.

Die Parlamentswahl am 15. Oktober hat ein anderer gewonnen: der frĂŒhere EU-RatsprĂ€sident Donald Tusk. Er hat ein DreierbĂŒndnis von proeuropĂ€ischen Parteien mit einer klaren Parlamentsmehrheit hinter sich. Der Koalitionsvertrag ist unterschrieben, die Ressortaufteilung steht. Tusk könnte sofort loslegen.

Trotzdem vereidigt Duda am Montagnachmittag ein chancenloses Kabinett, dem außer Morawiecki und Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak viele kaum bekannte Politiker angehören. Er freue sich ĂŒber den hohen Frauenanteil und die vielen jungen Menschen im Kabinett, sagt Duda. Es klingt fast zynisch: Frauen und junge Leute ließen sich fĂŒr ein Himmelfahrtskommando verheizen, sagen manche Kritiker.

Medien spotten ĂŒber die «Zwei-Wochen-Regierung»

In spĂ€testens 14 Tagen muss Morawiecki im Parlament die Vertrauensfrage stellen - und sein Kabinett wird krachend durchfallen. Polnische Medien spotten ĂŒber die «Zwei-Wochen-Regierung» und «Morawieckis Krippenspiel».

Seit mehr als sieben Wochen sind die Polen Zeugen dieser bizarren Inszenierung der PiS. Eigentlich ist allen klar, dass am Ende Donald Tusk die Regierung ĂŒbernehmen wird. Doch die Rechtspopulisten, die das Land seit 2015 regiert hatten, kleben auch nach dem Machtverlust an ihren Sesseln.

In BrĂŒssel und Berlin wartet man hoffnungsvoll auf den Regierungswechsel in Warschau. Denn die PiS lag wegen ihrer Justizreform im Dauerclinch mit der EU-Kommission, die Bundesregierung nervte sie mit ihrer Forderung nach Weltkriegsreparationen in Billionenhöhe. Tusk und seine Mitstreiter dagegen stehen fĂŒr einen proeuropĂ€ischen Kurs und eine versöhnlichere Politik gegenĂŒber Deutschland. Der 66-jĂ€hrige Danziger war schon von 2007 bis 2014 Polens Regierungschef.

Bis er es wieder wird, kann es noch bis kurz vor Weihnachten dauern. Mit ihrer Verzögerungstaktik verfolgt die PiS mehrere Ziele. Sie will Tusk - einem Erzfeind von Parteichef Jaroslaw Kacznyski - den Start vermasseln. Sie kann die Zeit nutzen, um ProtegĂ©s auf lukrative Posten zu bugsieren. Polnische Medien berichten auch, dass in den Ministerien derzeit viel Datenmaterial vernichtet werde. In erster Linie wolle die PiS aber ihr Image vor den eigenen WĂ€hlern retten, sagt der Politologe Antoni Dudek. «Das ist eine Demonstration, dass die Partei kĂ€mpft und nicht aufgibt.» Falle die neue PiS-Regierung wie erwartet im Parlament durch, dann werde Parteichef Kaczynski wahrscheinlich der WĂ€hlerschaft erklĂ€ren, dass Donald Tusk schuld sei, weil er Druck auf die Abgeordneten ausgeĂŒbt habe, damit sie Morawiecki die UnterstĂŒtzung verweigern.

Die PiS gilt als nicht koalitionsfÀhig

Einen VerbĂŒndeten fĂŒr ihre Manöver hat die PiS im PrĂ€sidentenpalast. Staatsoberhaupt Duda stammt selbst aus ihren Reihen. Er war es, der trotz der MehrheitsverhĂ€ltnisse im Parlament den Auftrag zur Regierungsbildung an Morawiecki vergab. Und Duda will offenbar alle in der Verfassung vorgesehenen Fristen bis zum Maximum ausreizen.

Die PiS wurde bei der Wahl mit 194 von 460 Mandaten zwar stĂ€rkte Fraktion, gilt aber als nicht koalitionsfĂ€hig. Wochenlang machte Morawiecki Andeutungen ĂŒber angebliche SondierungsgesprĂ€che mit den bisherigen Oppositionsparteien und einzelnen Abgeordneten. Doch schallte es ihm aus allen Lagern entgegen: Wir fĂŒhren keine GesprĂ€che und wir wollen keine Koalition mit der PiS. «Wir mĂŒssen der traurigen Tatsache ins Auge sehen, dass jemand, der mit nicht existierenden Menschen spricht, noch zwei Wochen lang Polens Regierungschef sein wird», lĂ€sterte Szymon Holownia, Chef des Dritten Wegs und frisch gewĂ€hlter ParlamentsprĂ€sident.

Von dem Moment seiner Vereidigung hat Morawiecki bis zum 11. Dezember Zeit, um die Vertrauensfrage zu stellen. ParlamentsprĂ€sident Holownia rechnet damit, dass die neue Regierung von Donald Tusk am 11. oder 12. Dezember antreten könnte. Doch auch hier hat PrĂ€sident Duda das letzte Wort. Aus seiner Kanzlei hieß es, der PrĂ€sident wolle Tusk am 13. Dezember vereidigen. Das wĂ€re eine weitere Boshaftigkeit. Denn am 13. Dezember 1981 verhĂ€ngte das damalige kommunistische Regime das Kriegsrecht - eine schwarze Stunde in Polens Geschichte.

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