Nach Wahlschlappe in Polen: Tusk stellt Vertrauensfrage
03.06.2025 - 04:20:36Die Niederlage seines politischen VerbĂŒndeten Rafal Trzaskowski bei der PrĂ€sidentenwahl in Polen bringt Regierungschef Donald Tusk in BedrĂ€ngnis. Er werde demnĂ€chst im Parlament die Vertrauensfrage stellen, kĂŒndigte Tusk am Montagabend im polnischen Fernsehen an. Zur BegrĂŒndung sagt er, der Plan fĂŒr das Agieren seiner Regierung unter dem neuen PrĂ€sidenten Karol Nawrocki werde «Einheit und Mut» der Dreier-Koalition erfordern. Die Vertrauensabstimmung solle dafĂŒr ein erster Test sein.Â
Kommentatoren in Warschau warnen davor, dass der Konflikt zwischen der Regierung und dem Staatsoberhaupt Polen ins politische Chaos stĂŒrzen könnte.
Bei der Stichwahl um das polnische PrĂ€sidentenamt am Sonntag hat der von der rechtskonservativen PiS unterstĂŒtzte Nawrocki mit knappem Vorsprung gegen Trzaskowski gesiegt. Das ist auch fĂŒr den Regierungschef eine schwere Schlappe. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski sagte, das Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl sei die «rote Karte» fĂŒr Tusks Regierung. Diese solle abtreten.
Tusk fĂŒhrt seit Ende 2023 ein Mitte-Links-BĂŒndnis aus drei Parteien. Wichtigstes Projekt seiner Regierung ist es, die BeschĂ€digungen des Rechtsstaats rĂŒckgĂ€ngig zu machen, die die von 2015 bis 2023 amtierende PiS-Regierung mit ihrer Justizreform ausgelöst hat. Entsprechende GesetzentwĂŒrfe hat der amtierende PrĂ€sident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, bislang blockiert. Es wird erwartet, dass Nawrocki genauso verfĂ€hrt und möglicherweise sogar mit gröĂerer HĂ€rte vorgeht. «Wenn Duda der Regierung einen Stock in die Speichen gesteckt hat, dann werden es bei Nawrocki zwei sein», prophezeite der Ex-PrĂ€sident Aleksander Kwasniewski im GesprĂ€ch mit dem TV-Sender Polsat.Â
Tusk: Werden nicht einen Schritt zurĂŒckweichen
«In Ăbereinstimmung mit der Verfassung und unserem Gewissen werden wir mit dem neuen PrĂ€sidenten ĂŒberall dort zusammenarbeiten, wo dies notwendig und möglich ist», sagte Tusk. Gleichzeitig betonte er: «Alle werden sehen, dass die Regierung nicht vorhat, auch nur einen Schritt zurĂŒckzuweichen.»
In Polen hat das Staatsoberhaupt mehr Befugnisse als der BundesprĂ€sident in Deutschland. Er reprĂ€sentiert das Land nicht nur nach auĂen. Der PrĂ€sident hat auch Einfluss auf die AuĂenpolitik, er ernennt den Regierungschef sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen StreitkrĂ€fte. Vor allem kann er mit seinem Vetorecht der Regierung das Leben schwer machen. Um das Veto des PrĂ€sidenten aufzuheben, braucht es im Parlament eine Mehrheit von 60 Prozent der Abgeordneten, ĂŒber die das Mitte-Links-BĂŒndnis von Tusk nicht verfĂŒgt.Â
Nawrocki ist gegen Nato-Beitritt der Ukraine
Der 42-jĂ€hrige Historiker Nawrocki ist parteilos und politisch völlig unerfahren. Seinen Aufstieg verdankt er PiS-Chef Kaczynski. Voraussichtlich wird er dessen Ziel ĂŒbernehmen, die Regierung von Tusk zu Fall zu bringen.
Auch auĂenpolitisch könnte dies Folgen haben. So hat sich Nawrocki gegen einen Beitritt der von Russland angegriffenen Ukraine zur Nato ausgesprochen - dies ist eine Position des Kremls.Â
Von der Leyen: Polen wird auch weiter zur Ukraine stehen
EU-Kommissionschefin Ursula der Leyen betonte im GesprĂ€ch mit dem ZDF allerdings, sie sei der festen Ăberzeugung ist, dass Polen auch nach der PrĂ€sidentschaftswahl fest an der Seite der Ukraine stehe. Bei der Abwehr des russischen Machtstrebens seien die Polen absolut geeint.Â
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte Nawrocki am Montagabend zum Wahlsieg. Angesichts tiefer geopolitischer VerĂ€nderungen stĂ€nden Deutschland und Polen vor groĂen Herausforderungen, schrieb Merz. «Diese wollen wir Deutsche mit unseren polnischen Nachbarn erfolgreich bewĂ€ltigen.» Dabei vergesse man nicht «das schwere Leid, das Deutsche ĂŒber Polen gebracht haben».





